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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


Ein alter Konflikt und generelle Überlegungen dazu
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Auch in der Lautenwelt gibt es ideologisch bedingte Konflikte. Hier wird die Diskussion zwischen „Daumen Innen“- und „Daumen Aussen“-Spielern immer wieder besonders heftig geführt. Gemeint ist hierbei der grundsätzlich unterschiedliche Anschlag der rechten Hand, je nachdem, ob der Spieler „In die hohle Hand“ (Daumen innen) oder „auswärts“ spielt.
Die Diskussion ist verständlich, ist der Anschlag doch entscheidend für das Klangbild und war in der Vergangenheit eines der zentralen Unterscheidungsmerkmale zu Gitarristen, welche (ausser, dass sie in der Regel mit Nagel spielen) weder einen Stützfinger zur Orientierung benutzen noch ihren Anschlag dem leicht bespannten Instrument der Laute anpassen. Nachdem Michael Schäffer in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die „Daumen Innen“-Technik populär machte und „Daumen Aussen“-Spieler in der Folge gradezu diffamiert wurden kehrt sich nun das Bild, nachdem sich (endlich) ein differenzierteres Bild durchgesetzt hat, wonach sich die Lautentechnik zu Beginn des 17. Jahrhunderts grundlegend gewandelt hat. Bekannte Spieler wie John Dowland wechselten innerhalb ihrer Karriere den Anschlag. Die Frage nach dem „Warum“ wurde in der Lautenszene selten gestellt. Dazu vielleicht später etwas mehr.

Nun wurde unten stehendes Foto von mir heute Morgen mit „15th century lute technique?“ kommentiert. Was mich doch etwas aufgeregt hat, da es sowohl inhaltlich falsch ist als auch zeigt, dass eine ideologische Herangehensweise immer noch gang und gäbe ist.



Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass sich die vorherrschende Lautentechnik zu Beginn des 17.Jahrhunderts geändert hat. Mehrheitlich wurde anschliessend „Daumen-Aussen“ gespielt. Doch noch Reusner fordert 1676 in seinem Druck, in die hohle Hand zu spielen, ein klarer Hinweis auf die Daumen-Innen-Technik. All diese Generalisierungen folgen dem Wunsch nach einer ultimativ gültigen Wahrheit. Leider gibt es die aber nicht. Die überlieferten Spielanweisungen geben schlicht kein einheitliches Bild, auch wenn man anhand von Ikonographie und erhaltenen Schulen eine europaweite Dominanz der Daumen-Aussen-Technik annehmen darf.
Als moderner Lautenist versucht man, dem Klang der historischen Lautenisten nahe zu kommen. Dazu benutzen wir alte Schulen, Spielanweisungen, Ikonographie und viele weitere Hinweise, um uns anzunähern. Auch die Instrumente und das verwendete Saitenmaterial spielen natürlich eine Rolle. Hier haben sich in der Vergangenheit Spielpraxis, Instrumentenbau und Forschung gegenseitig befruchtet. Ein vorbildlicher Vorgang, wie ich finde.
Inzwischen gehen einzelne Spieler auch auf die etwas abgefahreneren Wege, wie der Forderung, den kleinen Finger hinter dem Steg zu platzieren (wovor die meisten Schulen warnen, was aber von einzelnen durchaus gefordert wird und – man darf annehmen, dass die Warnung nicht unbegründet angebracht wurde und eine solche Spielweise also durchaus üblich war) oder Messing- oder Seidensaiten zu verwenden. Alles historisch begründet und oft mit interessanten Ergebnissen.
Historisch gesehen war der Vorgang allerdings anders – die Spieler sind mit einer Klangvorstellung an ihr Instrument gegangen und haben versucht, diese Klangvorstellung umzusetzen. Oder Instrumente nach ihren Klangvorstellungen neu zu konstruieren. Die Faktoren, die den Klang bestimmen sind bei einer Laute neben dem Instrument selbst die Art der Besaitung, das verwendete Saitenmaterial und der Raum, in dem gespielt wird. Daran wird sich die Art des Spielens orientiert haben und nicht umgekehrt. Es erscheint weiterhin regionale Unterschiede in den Klangvorstellungen gegeben zu haben (am offensichtlichsten ist das daran zu erkennen, dass in Italien sowohl die alte Stimmung als auch der Instrumententyp anders war als im französisch dominierten Rest von Europa). Ausserdem darf man die Zeitachse nicht vergessen. Zu unterstellen, dass in Berlin 1650 genauso gespielt wurde wie im Paris von 1700 erscheint etwas weit hergeholt. Sicher nahmen viele Moden dieser Zeit in Frankreich ihren Anfang und fanden von dort ihren Weg in den Rest Europas. Doch das brauchte Zeit – und viel wurde für die jeweiligen Zielländer adaptiert.
Nachdem nun in der Forschung eine gewisse Übereinkunft über den Mainstream des Lautenspiels erzielt wurde sollte sich die Lautenforschung auf neue Wege begeben und versuchen, den Klangidealen der Zeit näher zu kommen. Der Weg, die Ausnahmen (z.B. Messingsaiten, kleiner Finger hinter dem Steg) ist dabei sicher interessant und kann dazu beitragen, die Vielfalt der Klangwelt in der vorromantischen Zeit zu illustrieren, doch generelle Überlegungen über die Laute in Raum und Zeit wären sicher noch spannender.
Nur als einer unter vielen möglichen Ansätzen: Wir wissen, dass in Italien generell höher gestimmt wurde als z.B. in Dresden (in Italien  mit einem Kammerton von ca. 460 gegenüber einem von ca. 410 hz in Dresden) oder im Frankreich Hotteterres (mit einem Kammerton von um die 390 hz), wir wissen, dass die Instrumente der gleichen Familie unterschiedlich gebaut wurden. Ein italienischer Chitarrone ist nicht vergleichbar mit einer französischen Theorbe. Die italienischen Instrumente waren z.B. durchwegs grösser. Um nun dem (angenommenen) italienischen barocken Klangideal auf einem solchen Monster näherzukommen, also einen obertonreichen, hellen Klang zu erzeugen bietet es sich an, nah am Steg zu spielen, den Daumen nach aussen zu nehmen: und auch Nägel zu benutzen scheint angemessen. Im Extrem kann man den Stützfinger hinter den Steg setzen, was zusätzlich den Vorteil bietet, dass man auf den grossen Instrumenten leichter zurecht kommt (Preis ist die Orientierung, für die der kleiner Finger unter anderem aufgestützt werden soll).  Nehme ich nun ein französisches Klangideal, das einen generell tieferen Klang bevorzugte, die Melodien eher in den Mitten ansiedelte, wird der Klang eher durch das Spiel zwischen Steg und Rosette unterstützt. Je nach Instrument kann sowohl Daumen-Innen als auch Daumen-Aussen den Klang gut unterstützen. Hier entstehen vielfältige Nuancen, die man ausloten kann. Nicht umsonst gilt die französische Lautenmusik aus der Mitte des 17.Jahrhunderts als besonders reichhaltig, aber auch schwer darzustellen.
Kurz: Die Aussage, man habe ein Instrument nach einer bestimmten Art zu spielen ist eine sehr grobe Vereinfachung.


 
Nun kurz zur Frage, warum John Dowland seine Spielweise umgestellt hat.
Er selbst gibt an, dass er das ständige Spiel in Oktavparallelen nicht mochte. Darum verwendete er auf den tieferen Chören keine Oktavbesaitung mehr. Gleichzeitig wurden in England die bislang dominanten 7-chörigen Instrumente mehr und mehr von 9-chörigen Instrumenten verdrängt. Die Kompositionen wechselten hin zu einem neuen Stil, der den frühbarocken italienischen Stil für England adaptierte. Ballad Tunes und Variationssätze blieben zwar bestehen, doch die Ausführung der Diminutionen änderte sich (für eine detaillierte Analyse dieses Wechsels fehlt an dieser Stelle der Raum). Gleichzeit erscheinen neue Tanzformen.
Wenn nun das Instrument und die Musik grundlegend wechselte erscheint es da nicht naheliegend, dass die Spielweise sich diesen neuen Gegebenheiten anpasste? Mir erschiene es jedenfalls eher notwendig zu begründen, warum ein Spieler und Komponist vom Rang eines John Dowland nicht den neuen Gegebenheiten anpasste als umgekehrt.

Was mir in der Erforschung der historischen Aufführungspraxis unangenehm auffällt ist die Tendenz zu stark zu generalisieren. Natürlich ist es ein Ziel der Wissenschaft, Erkenntnisse zu gewinnen und dazu muss man in der Forschung einen Raum beschreiben, innerhalb dessen die gewonnenen Erkenntnisse gültig sind. Inzwischen befinden wir uns allerdings auf einer Erkenntnisebene, in der man diese Räume etwas enger fassen könnte. Wenn ich den Raum sehr weit setze („Europa im Barock“) sind die Erkenntnisse notwendigerweise weitaus weniger scharf als wenn ich den „Pariser Hof um 1650“ untersuche. Doch nur mit einer engeren Begriffswahl lassen sich Ergebnisse erzielen, welche uns die Art des Musizierens in der Vergangenheit genauer näher bringt. Es gäbe noch viel zu tun und ich hoffe sehr, Wissenschaft und Musiker würden sich vermehrt in diese Richtung bewegen. Die Vorstellung, die Historische Aufführungspraxis habe sich überlebt und könne keinen neuen Erkenntnisse mehr hervorbringen halte ich für falsch. Allerdings fände ich es, wie ausgeführt wünschenswert, dass sich das Erkenntnisinteresse neu justiert.

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Giganten der Deutschen Lautenkunst
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Nach vielen Jahren habe ich nun auch eine neue Aufnahme in Arbeit.
Die Aufnahmen fanden nun letztes Wochenende in Köln statt und verliefen sehr zu meiner Zufriedenheit.



Nicht, dass ich mich für den grössten Lautenisten aller Zeiten halten würde, dessen fantastische Kunst unbedingt der Nachwelt erhalten bleiben muss. Es handelt sich vielmehr um Aufnahmen, welche für mich selbst den aktuellen Stand meines Spiels dokumentieren sollen, für Freunde ein nettes persönliches Geschenk sind, und für Konzertveranstalter eine glaubwürdige Darstellung dessen, was sie erwartet, wenn sie mich zu einem Konzert einladen.
Ich habe lange überlegt, ob eine CD nicht zu hochgegriffen für meine eher bescheidenen Ansprüche ist, doch die Argumente, die schon vor 10 Jahren bei den damaligen Aufnahmen gültig waren, gelten auch heute noch: Wenn ich vor Leuten spielen will und das auch wirklich tue braucht es für Konzertbewerbungen Tonträger. Die Eigenproduktionen via Homerecording waren bislang unterwältigend, auch wenn  die letzten Versuche vielversprechend klingen und ich evtl. in Zukunft auf diese Variante zurückgreifen kann. Ausserdem gibt es eine gar nicht so kleine Anzahl „Fans“, die mögen, was und wie ich spiele und denen ich vielleicht mit dieser Produktion eine Freude bereiten kann.
Gegen eine Aufnahme sprach (ebenso damals wie heute), dass es bereits eine Vielzahl an Lautenproduktionen gibt, zu denen ich mich gar nicht in Konkurrenz begeben will. Auch mag ich nicht mit den Stars der Szene verglichen werden. Es wird eine kleine Produktion geben, die sich an ein kleines und überschaubares Publikum wendet.

Die Aufnahmen selbst fanden in einer wunderschönen Kapelle in Köln-Weiss statt, wunderschön am Rhein gelegen und mit einer tollen Akustik ausgestattet. Dirk Paschelke, der die Aufnahme durchführte, war ein sehr angenehmer Toningenieur, der seine Arbeit souverän, professionell und doch unaufdringlich erledigte. Bei den Diskussionen zum Lautenklang ergab sich, dass wir ähnliche Klangvorstellungen haben, so dass auch der Mix (so weit wir ihn vorab besprochen haben) ganz genau meinen Vorstellungen entsprechen wird. Für die heutzutage fast obligate visuelle Darstellung wurde ein Teil des Programms parallel auf Video gebannt.



Aufgenommen habe ich auch dieses Mal eher unbekannte Musik, wenn auch von den beiden grossen Namen der deutschen barocken Lautenkunst: von Esaias Reusner d.J. und von Silvius Leopold Weiss. Reusner sind bislang nur wenige Aufnahmen gewidmet, was ich sehr schade finde, denn bei ihm handelt es sich um eine Ausnahmeerscheinung der damaligen Zeit, welche von französischer Musik und dem einzigartigen Stil der französischen Lautenmusik geprägt war. Diesen hat Reusner für Deutschland adaptiert und qualitativ sehr hochwertige, kunstvoll gestaltete Musik geschaffen, die sich eher an den gebildeten Kenner wendet, weniger an den dilettierenden Amateur. In dem Vorwort zu seinen „Neuen Lautenfrüchte“ gibt er detaillierte Anweisungen, wie die Laute zu spielen ist und wie er seine Werke dargeboten haben will. Ich versuche, diese Anweisungen getreu umzusetzen (bei bisherigen Aufnahmen scheinen mir dort einige Missverständnisse vorzuliegen. Doch dazu an anderer Stelle mehr). Zu Weiss muss man Lautenfreunden nicht viel erzählen. Er zählt inzwischen zu den bekanntesten Komponisten für das Instrument. Der Grund, warum er ebenfalls auf der CD aufgenommen wurde ist, dass sich fast ausnahmslos alle Aufnahmen mit dem reifen Weiss auseinandersetzen während ich mir hier den jungen Weiss vornehme. Einige erhaltene Manuskripte könnten aus der Zeit stammen, als der junge Weiss 1714 in Italien weilte „und ganz Italien in Erstaunen versetze“. Man erkennt in diesen Werken schon den reifen Komponisten Weiss, doch ist sie auch noch von unbändiger Experimentierfreude geprägt. Ein weiteres hier aufgenommenes Werk muss für Weiss selbst eine gewisse Bedeutung gehabt haben, denn es findet sich in einer grossen Anzahl von Versionen in den unterschiedlichsten Manuskripten. Es ist ausserdem eines der wenigen datierten Werke von Weiss. Die Anmerkung „fait a prague, 1717“ findet sich in mehreren Manuskripten. Hier ist auch dieses Werk auf einer 11-chörigen Laute gespielt. Wir wissen nicht genau, wann Weiss auf ein 13-chöriges Instrument gewechselt hat, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass die hier eingespielten Werke noch für ein 11-chöriges Instrument geschrieben wurden. In der Quelle (A-Wn Ms. Suppl. Mus. 1078) werden die Suite 1 (S-C 1) und 22 (S-C 28) aus dem Londoner Manuskript bzw. die Suiten 1 und 4 im Dresdener Manuskript kombiniert.

Für die Aufnahme war vorgesehen, die Stücke von Reusner sowie die Fantasie und Fuge in d (übrigens eine Ersteinspielung) auf der Kopie der Raillich-Laute (Dieter Schossig, 2012) zu spielen und die Suite in F von Weiss auf einer Kopie der Tielke-Laute (Markus Dietrich, 2001). Leider ist mir während der Aufnahme ein Bund gerissen und ich hatte keinen passenden Bunddarm dabei, so dass nur die Allemande und Courante auf der Tielke-Laute aufgenommen sind. Idee war, die subtile Verschiebung des Klangideals zu illustrieren. Nun ist das innerhalb ein und derselben Suite möglich …

Die CD kann bei mir vorbestellt werden. Wer erst einmal schauen mag: Die Videos werden sich in Kürze auf meiner Homepage finden.

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Blau ist eine warme Farbe
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Es mag ein Vorurteil sein, doch generell gehe ich davon aus, dass es bei französischen Filmen zwei Kategorien gibt: Absolute Spitzenklasse oder grottenschlecht.
Gestern Abend habe ich nun, warum weiss ich nicht, den Film „Blau ist eine warme Farbe“ (La vie d’Adèle – chapitres 1&2, ) geschaut.  Zunächst einmal war ich von Adèle Exarchopoulos beeindruckt, einer sehr hübschen jungen Schauspielerin, die ihre Rolle der Adèle sehr intensiv spielt, und dabei so etwas von süss bleibt, dass man als Mann leicht ins Schwärmen geraten kann.
Der Film handelt von der Beziehung zweier Frauen zueinander, kurz also ein Film über Lesben. Das genügt mir aber heute nicht mehr, um einen Film interessant zu machen. Liebe ist Liebe – egal ob hetero oder homo. Und keine Beziehung besteht nur aus Friede, Freude, Eierkuchen. Da ist es mir als Basis für eine Geschichte zu banal, dass es sich bei den Liebenden um zwei Frauen handelt.

Auf einer Filmlänge von 3 Stunden wird das schleichende Entstehen wie auch Vergehen einer Liebe gezeigt. Dabei bleiben mir die Motive, Gedanken und Gefühle der Protagonistinnen weitgehend unklar. Seltsam unscharf ist vor allem Adèle gezeichnet, während Emma (Léa Seydoux), vielleicht, weil sie den kantigeren der beiden Charaktere darstellt, mehr Profil gewinnen kann. Schade, denn die für einen europäischen Film lange Laufzeit hätte hier sicher Möglichkeiten geboten, grade der Person Adèle mehr Tiefe zu geben. So wirkt sie vor allem „süss“ und die Motive für ihre Beiträge zum Scheitern der Beziehung bleiben im Dunkeln und viel Potential wurde verschenkt.
Bekanntheit scheint der Film wegen ausufernder Sexszenen erlangt zu haben. Anfangs fand ich diese Szenen der Geschichte gegenüber noch durchaus dienlich, da sie sowohl die Leidenschaft als auch das Vertrauen – und auch den Wandel, den eine Beziehung im Zeitverlauf fast zwangsläufig durchmacht, sehr schön illustrieren: von zartem Erkunden über Leidenschaft hin zu Routine und gelegentlich auch Ablehnung. Ebenso die oft problematische Zeitverschiebung, in denen sich die Beziehung entwickelt. Während die eine noch in einer romantischen Phase verharrt, ist die andere bereits auf Distanz. Bei aller Notwendigkeit und Eindringlichkeit der Sexszenen muss ich allerdings ebenfalls sagen, dass sie mir doch zu ausufernd waren und andere Arten, den Protagonistinnen Tiefe zu verliehen nicht ersetzen können.
So bleibt das Vergehen der Liebe ein Rätsel und die Geschichte scheint mehr dahinzudümpeln. Dennoch gelingt es dem Film, blendend zu unterhalten. Die Rätsel der Beziehung  beantwortet man für sich selbst („bestimmt findet sie nun, dass …“). So dass ich den Film trotz genannter Schwächen uneingeschränkt empfehlen kann, nicht zuletzt dank der beiden Hauptdarstellerinnen.

Aufgrund der ausufernden Sexszenen finde ich die Altersfreigabe ab 16 allerdings etwas gewagt.

Kultur zuhause
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Hier im schönen Obwalden mitten in der Innerschweiz erscheint es oft so zu sein, als würde sich das kulturelle Leben auf Blasmusik und Kirmesveranstaltungen beschränken. Das mag an der geographischen Lage zwischen Interlaken und Luzern liegen, welche beide natürlich ein reichhaltiges kulturelles Angebot bieten. Und doch fehlen mir ein Angebot, das zwar durchaus dem „gehobenen Geschmack“ entsprechen darf, aber nicht mit dem sportlichen und hochpreisigen Angebot der grösseren Städte konkurrieren will. Ich denke dabei an „kleine“ Konzerte, Ausstellungen und Vorträge aus allen Bereichen der Kunst. Veranstaltungen wie Lautenkonzerte (selbstverständlich), aber auch ein Streichquartett oder ein Piano-Rezital oder die Präsentation von Gemälden oder Fotos; oder die Lesung von Literatur. Dabei sollen eben nicht die „grossen“ Namen zum Zuge kommen, für welche in den Städten auch grosse Preise verlangt werden.
Diese Vakanz im kulturellen Leben Unterwaldens verbunden mit dem Wunsch, meine eigene Kunst sowohl zu präsentieren, sie als auch die Kunst anderer zu diskutieren führte mich zu der Idee, selbst Veranstaltungen zu organisieren, die diese Lücke füllen. Sie sollten nicht kommerziell gedacht sein, sondern eher in der Tradition von Hauskonzerten ein Treffen von Künstlern und Publikum ermöglichen.
Dazu sollte jeder einen kleinen Kostenanteil (in etwa in der Grössenordnung von 20 bis 30 Franken) übernehmen.

Ein erster Anlauf, eine solche Veranstaltung durchzuführen, fand kein Echo, was sicher auch daran lag, dass ich den Text dazu in Englisch, auf meiner Homepage und über Facebook veröffentlichte und wenig bis keine Werbung dafür betrieben habe.
Ich muss auch gestehen, dass ich mir nicht sicher bin, ob mein Wohnzimmer die passende Räumlichkeit für eine solche Veranstaltung darstellt.  Schon alleine die Frage, woher eine Reihe Klappstühle organisierbar sein könnten, kann einen in Verzweiflung bringen. Wobei ich eine wunderbar für solche Veranstaltungen geeignete Kapelle grade nebenan hätte. Nach den Erfahrungen mit dem Versuch, dort ein Konzert zu veranstalten, mag ich aber nicht mehr daran glauben, dass die hiesige Kirchengemeinde auch nur einen Hauch von Interesse hat.
Bei dieser Gelegenheit ist mir dann auch aufgefallen, dass ich im privaten Umfeld zu wenige Menschen kenne - und schon gar niemand in der näheren Umgebung - um die Veranstaltung privat zu starten.

Es tut mir schon leid, von dieser Idee Abschied zu nehmen, doch ich alleine in einem Dorf und vollkommen ohne soziale Kontakte habe wohl keine Chance, dort etwas anzuregen und durchzuführen, weder öffentlich noch privat. Schade!







Neues aus Absurdistan
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Nachdem die Deutsche Presse (allen voran natürlich Springer) ein absurdes Leistungsschutzrecht in Berlin durchgesetzt hat, beschwert sie sich nun, dass der Konzern Google, gegen den dieses Gesetz im Grunde genommen gerichtet war, nicht wie gewollt reagiert und legt eines drauf. Bis hin zur Zerschlagung von Google gehen die Forderungen.
Natürlich sind dort auch Drosselkom und Konsorten voll dafür. Zurück zu den Anfängen des Internets! Zurück in die Zeit, als es CDs von Compuserve, T-Online, AOL und wie sie alle hiessen, gab und welche ihre eigenen Netze bereitstellten, welche die Informationen filterten und dadurch natürlich eine nicht unbeachtliche Macht darstellten. Wer da nicht kapiert, dass es letzten Endes nur darum geht, ein überkommenes Geschäftsmodell der Medien zu retten bzw. zu restaurieren, dem ist nicht mehr zu helfen.
=> Lobbyismus – was bringt es, die Wirtschaft regieren zu lassen?

Der Bundesanwalt will wegen der ganzen NSA-Geschichte keine Strafverfolgung einleiten. Mangels Beweisen – als ich das las, hatte ich den ersten Lachkrampf des Tages.
Dazu passt, das, wie ich bei Fefe lese, deutschen Beamten untersagt ist, sich mit den von Snowden bekannt gemachten Dokumenten zu befassen.
Ich staune immer mehr, wie unverfroren sich Deutschland inzwischen nicht einmal mehr den Anschein gibt, ein Rechtsstaat zu sein. Das einzige, was in dem Land noch funktioniert, ist anscheinend das Verfassungsgericht. Und das ist nicht einmal eine demokratisch zustande gekommene Institution, sondern lediglich die letzte Instanz, die Missbrauch durch die Exekutive verhindern soll.

Zu guter Letzt hat der Friedensnobelpreisträger gemeint, Afghanistan hätten die USA attackiert, um somit eine späte Rechtfertigung für die US-Invasion des Landes zu konstruieren. Für wie blöd hält der uns eigentlich? Schon am 11.September 2001 war klar, dass die Amis irgendwas bombardieren würden – das machen sie immer, wenn irgendjemand sich gegen sie mit Gewalt wehrt. Und klar war es, dass es nach den Anschlägen auf das WTC irgendwas Grosses sein müsste. Dass es dann ausgerechnet Afghanistan war hätte wohl niemand erwartet und die Begründung für die Invasion („Ausbildungsort für Terroristen“) war schon 2001 hanebüchen.

Die Ukraine hat gewählt. Der Kandidat ist mir von denen, die zur Auswahl standen, der sympathischste und scheint gemässigt zu sein. Den Makel, letzten Endes nur vom Westen seines Landes gewählt worden zu sein, wird er allerdings nicht los werden. Somit ist die „Wahl“ kein Schritt hin zur Beendigung des Konflikts. Eine Wahlbeteiligung von 15-35% im Osten des Landes spricht dafür, dass in diesen Regionen die Wahl nicht legitimiert ist. Was übrigens auch für die Europawahl gilt. Die niedrige Wahlbeteiligung wird von Meldungen über die Erfolge der Extremisten überlagert, doch tatsächlich zeigt die Wahl vor allem, dass Europa durch seine Bürger zunehmend die Legitimation entzogen wird.
Hatte ich schon erwähnt, wie sehr mich nervt, wenn selbst bei aktuellen Ereignissen die Fakten von den Medien offenbar ignoriert werden? So wird in Deutschland geradezu einhellig von der Annexion der Krim durch Russland gesprochen. Korrekterweise könnte man es „Anschluss“ nennen oder „Beitritt“. Schon der erste Satz in der Beschreibung in der Wiki spricht von Zwang und Gewalt als Merkmalen einer Annexion. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass der Beitritt der Krim zu Russland dem Willen der Bewohner entspricht. Eine Einflussnahme Russlands dürfte kaum notwendig gewesen sein. Eine völkerrechtliche Beurteilung ist etwas ganz anderes und kann durchaus auch zu dem Ergebnis führen, der Anschluss der Krim sei völkerrechtswidrig erfolgt – hier kann man Parallelen zum Anschluss Österreichs 1938 (wobei dort keine wirkliche Abstimmung stattgefunden hatte) sehen. Der oft bemühte Vergleich zur Unabhängigkeitserklärung des Kosovo hinkt, da die Unabhängigkeitserklärung der Krim nur zum Zweck der Eingliederung in Russland erfolgte während das Kosovo einen unabhängigen Staat zum Ziel hatte.

Und bei diesen Nachrichten wundert man sich, warum ich mich von der Politik verabschiede?

Bevor ich mich dem ungleich erfreulicheren Lautenspiel zuwende ... der politisch korrekte Tittenkalender hat mich doch zum Lachen gebracht:

Du willst dir einen Tittenkalender an die Wand hängen, aber nicht als oberflächliches, chauvinistisches Machoarschloch gelten? Kein Problem, wir haben mit dem politisch korrekten Tittenkalender 2014 die Lösung für dich. Denn damit hängst du klare politische Botschaften selbstbewusster Frauen an die Wand. Der Kalender ist sowas von feministisch, dass er sogar von Alice Schwarzer das “Fair Titts” Logo verliehen bekommen würde. Also einfach runterladen, ausdrucken, an die Wand hängen und mit Hilfe politisch korrekter Titten die Welt besser machen.

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Skizze von William Blake
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Mythen der Konkurrenz
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Hier ein ganz toller Aufsatz zum Thema, der sich deutlich mit meiner Meinung deckt (die ich für sehr gut begründet halte).

Tatsächlich sehe ich Konkurrenz (ausserdem) als im Widerspruch zu meinem Menschenbild stehend, welches den Menschen in einer Art scheinbaren Oxymoron zwischen Individuum und Herdentier sieht. Diese Zerrissenheit sehe ich als prägend für viele typische menschliche Probleme im psychischen Bereich. "Konkurrenz" als positiv besetzter Begriff ist ein Grundwert des gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells, welches den Menschen auf den Teil seines Wesens reduziert, welches Individuum ist, das "asoziale Ich", welches im idealen Kapitalismus nicht durch das "soziale Ich" kontrolliert wird.

Der Mensch nimmt sich selbst als Individuum wahr, er hat und er entwickelt individuelle Bedürfnisse, die oft im Widerspruch zu dem stehen, was eine Gemeinschaft erwartet. Die Unterordnung dieser individuellen Bedürfnisse unter ein Allgemeininteresse findet nun aus Vernunftsgründen statt. Wenn alle in einer Herde auf Erfüllung ihrer Bedürfnisse pochen und diese über die Bedürfnisse des jeweils anderen stellen entstehen notwendig Konflikte. Daraus muss zwingend eine Beschränkung der Freiheit des jeweils anderen zum gemeinsamen Wohl erfolgen, damit der Mensch nicht zu des anderen Menschen Wolfe wird (Hobbes).
Der Kapitalismus findet nun ganz gut, wenn die Individuen untereinander konkurrieren - und er benötigt diese Konkurrenz sogar - schliesslich ist der Einzelne schwächer und Angriffen auf seine individuelle Freiheit weitgehend schutzlos ausgeliefert und sie bietet die Basis für eine quantitativ organisierte Welt. Das soziale Element, welches auf Vernunft und Übereinkunft basiert wird in der aktuellen Wirtschaftsordnung ersetzt durch einen obskuren Teamgedanken, dessen Ziel prinzipiell auf Effektivität gerichtet ist und nicht auf das menschliche Bedürfnis nach sozialem Miteinander (um hier zu tricksen gibt es teambildende Massnahmen, die aber letzten Endes auf wieder auf Effizienz hin ausgerichtet sind). Dagegen steht das qualitative Denken, welches sich im nicht-messbaren, nicht in Zahlen ausdrückbaren äussert: Der Genuss von Musik, von Liebe, Geborgenheit, einem guten Mahl - das gute Gefühl, etwas positives geleistet zu haben. Ein Kunststück der Wirtschaft ist es, dass viele dieser Begriffe künstlich quantifiziert werden. Doch: Ist ein Konzert mehr wert, weil die Tickets teurer sind? Oder ein Essen besser? Wird ein Gemälde schöner, weil es Millionen gekostet hat? Und hier schliesst sich der Kreis. Nachdem nun tatsächlich weitgehend akzeptiert wird, dass die Verkaufszahlen einer CD der Qualität einer Musik entsprechen oder der Preis eines Bildes dessen Qualität - nachdem also eine Gleichsetzung von Qualität mit Quantität stattgefunden hat - kann man Menschen zueinander in Konkurrenz bringen. Nur, wenn ich tatsächlich glaube, ein quantitatives Mehr bringt mir auch eine gesteigerte Qualität macht der Konkurrenzgedanke Sinn.

Dessen Mythen in oben verlinktem Artikel noch einmal schön entlarvt werden.

Für mich bleibt es dennoch ein Rätsel, warum die oben erwähnte Gleichsetzung funktioniert - als Erklärung fällt mir nur Unsicherheit ein: Wenn ich etwas quantifizieren kann, bewege ich mich auf sicherem Terrain. Um zu begründen, warum ich das Werk eines unbekannten Künstlers gut finde muss ich ausholen, erklären, mich und mein Seelenleben outen während der Verweis auf den Verkaufspreis quasi objektiv gilt ("Wenn's soviel kostet wird es schon soviel wert sein").

Übrigens sind solche Erklärungsmuster nicht gottgegeben. In früheren Zeiten wurde Wertschätzung nicht zwingend mit der einer Bewertung dieser Wertschätzung in Münze gleichgesetzt (auch wenn es natürlich vorkam, vielleicht sogar die Regel war stand die Bezahlung nicht im Zentrum. Viele Anstellungen wurden wegen des damit verbundenen Renomés angenommen und dafür besser bezahlte Stellen ausgeschlagen - s. Dowland, s. Weiss).


Festival der Laute in Augsburg
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Das „Festival der Laute“ der deutschen Lautengesellschaft fand dieses Jahr in der Fuggerstadt Augsburg statt. Ich reiste bereits Donnerstag an, um genügend Zeit zu haben, die Stadt anzuschauen, was sich als sehr lohnend erwies, obwohl viel historische Bausubstanz im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. In der Fuggerei und an ihrem Beispiel konnte ich exemplarisch verfolgen, was der Krieg angerichtet hatte und wie damit umgegangen wurde. Wiederaufbau, die Darstellung der Verwüstungen wurden in einer Ausstellung plastisch dargestellt.



Dieses Jahr konnte ich keinem der Vorträge genug abgewinnen, um mich von den wunderbaren ausgestellten Instrumenten zu lösen. Der Instrumentenbau hat, seitdem ich die Entwicklung verfolge, gewaltige Schritte gemacht. Kaum eines der Instrumente, das in Augsburg ausgestellt wurde, war auch nur mittelmässig zu nennen, sondern allesamt waren sie spitze, auch wenn natürlich persönliche Präferenzen das eine Instrument reizvoller als das andere macht. Das hat aber nichts mit der Qualität der Instrumente zu tun. Dieses Jahr war der Ansturm auf die Ausstellung überschaubar, so dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, die Instrumente wirklich gegeneinander vergleichen zu könne. Was mir dort auffiel war, dass sich dort, wo Instrumente probegespielt wurden, sich auch Besucher sammelten, zuhörten und Fragen stellten. Bei mehreren Gelegenheiten wurde ich direkt von nicht-lautenistischen  Besuchern angesprochen, verschiedenen Instrumente zu spielen, deren Klang die jeweiligen Besucher offenbar interessierte. Vielleicht lässt sich eine solche Demonstration ja künftig fix in die Ausstellung integrieren?

Die Konzerte am Festival waren von gemischter Qualität und zeigten dennoch die beeindruckende Bandbreite der Laute und ihrer Musik. Der Ort, an dem die Konzerte stattfanden, hätte nicht schöner sein können. Der kleine goldene Saal erwies sich als akustisch perfekt, optisch wunderschön und für die gewählten Konzerte perfekt dimensioniert. Leider hielt sich die Werbung für das Festival offenbar in engen Grenzen, so dass kaum Besucher kamen. In Augsburg fiel mir kein Plakat auf. Selbst an den Veranstaltungsorten war nur zu den Veranstaltungen ein Plakat sichtbar. Für mich schwer nachvollziehbar, warum das so war und wo die Ursachen für die Zurückhaltung war.

Ein Spitzenkonzert lieferte Pietro Prosser (teilweise auf einem originalen Calichon von 1714) zusammen mit dem beeindruckenden Tenor Richard Reich mit Musik aus Klassik und Romantik. Mandora und Calichon sind perfekte Instrumente, um die dramatischen Moritaten von zum Beispiel Zumsteeg zu begleiten. Doch auch Mozart klang lebendiger und wärmer in dieser Instrumentierung. Dargeboten von so grossartigen Künstlern wie hier wurde das Konzert zu einem unvergleichlichen Genuss.
Axel Wolf und Joel Frederikson boten ein sehr unterhaltsames Programm mit Musik aus dem Umfeld Philipp Hainhofers, welches zurecht mit enthusiastischem Applaus gefeiert wurde. Joels beeindruckender Bass gefiel mir besonders in den Liedern von Caccini, die eigentlich für diese Stimmlage geschrieben sind, die man aber meistens von einer Frauenstimme gesungen hört. Gleiches gilt für Dowlands "Time stand still". Axel zeigte sein Können ausser in seinem recht ruppigem Continuo in fein gespielten Solowerken von Dowland und, besonders beeindruckend, in Kapsbergers schier endloser Battaglia, die - so spannend dargeboten - ein Hochgenuss war!
Harmonia Coelestes boten zum Abschluss des Festivals wunderbare spätbarocke Kammermusik. Sehr fein abstimmt spielten Earl Christie und seine Ensemblekollegen auf Violine und Cello ein Konzert, dessen Plazierung  am Ende des Festivals sehr unglücklich war. Ein Highlight des Festivals, dessen Programm einen direkten Bezug zum Aufführungsort hat (viel der gepielten Musik entstand in oder liegt nun in Augsburg) auf dem unglücklichsten Programmplatz. Schade! Generell waren die Konzerte am Sonntagnachmittag für meinen Geschmack die besten des Festivals, die aber nun leider stattfanden, wenn die Mehrzahl der oft von weither angereisten Gäste schon abgereist waren. Hier gibt es sicher noch Potential, den Ablauf des Festivals zu verbessern.



Erwähnt werden sollten natürlich auch die Konzerte der jungen angehenden Künstler! Diego Leveric eröffnete das Festival mit einem schönen Querschnitt von Musik auf Renaissancelaute, Theorbe und Barockgitarre.
Das Ensemble um Ziv Braha spielte Werke von Dowland, das vor allem die melancholische Seite des "englischen Orpheus" beleuchtete. Wunderschöne Musik und ein vielversprechendes Ensemble, bei dem neben dem Lautenisten vor allem die Sopranistin Alexandra Polin beeindruckte.
Bei diesem Ensemble war vor allem die etwas unglückliche Programmwahl störend, welche sie sicher schnell anpassen werden. Den besten Konzertplatz hatte Miguel Yisrael ergattert, der französische Lautenmusik aus der Zeit des Sonnenkönigs gab. Germain Pinel war mir noch nicht geläufig. Er scheint ein toller Lautenist und Komponist von Lautenmusik gewesen zu sein.
Zusammengefasst war es ein wunderschönes Festival mit herrlichen Veranstaltungsorten, grossartigen (mehrheitlich zeitlich leider nicht glücklich gesetzten) Konzerten, welches mehr Besucher verdient gehabt hätte.

Fotographiert habe ich grösstenteils analog, so dass ich Fotos nachliefern muss.

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8. Lautenspielertreffen in Cottbus
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Nach vielen Jahren Abstinenz von solchen Veranstaltungen zog es mich wieder einmal zu einem Lautenspielertreffen. Anfänglich waren sie für mich eine willkommene Gelegenheit, mich mit anderen Lautenspielern auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und ein paar Tage ganz und fast ohne Ablenkung dem Lautenspiel zu widmen. Mit den Jahren sah ich musikalisch keinen Sinn mehr darin und nur für die soziale Komponente war mir der Aufwand für ein solches Treffen zuviel.



Mitten in der Nacht (die erste Ziffer auf der Uhr war eine 4) ging es am 3.Oktober aus der Innerschweiz ab Richtung Cottbus. Nach einigem Hin und Her habe ich mich entschlossen gehabt, neben der kleinen Theorbe (falls meine Dienste als Begleiter gefragt sein würden) noch meine Barocklaute nach Railich mitzunehmen, um mit Mathias französische Barocklautenduette zu spielen. Dafür liess ich die Vihuela und auch das Renaissance-Repertoire zuhause.
Die Fahrt verlief gut und weitgehend ereignislos, so dass ich bereits ca. 15.00 Uhr in Cottbus ankam und eine erste Erkundung der Stadt vornehmen konnte. Cottbus hat eine sehr schöne Altstadt, in welcher der Herbstmarkt stattfand. Sie ist umgeben von einem Grüngürtel, der einen vergessen lassen kann, dass man sich mitten in einer Stadt befindet. Auf dieser ersten Erkundung hatte ich meine analoge Kamera dabei (Fotos werden folgen, wenn der letzte Film vollgeknipst und vom Entwickeln zurück ist).
Abends traf ich dann Wolfgang, der das Lautenspielertreffen organisiert hat. Bei gutem Bier und einem paar Weisswürsten mit süssem Senf ging dieser Reisetag zu Ende.

Freitag hatte ich auch noch den ganzen Tag frei – das Treffen begann erst am Abend in der Kneipe. Ich wollte mir vor allem Schloss Branitz mit dem dazugehörigen Schlosspark anschauen. Nach einem Fussmarsch durch den Grüngürtel erreichte ich den Schlosspark an der vom Schloss abgewandten Seite. Schon auf dem Weg konnte ich die wunderbare frühherbstliche Stimmung geniessen. Überall lagen Nüsse und Kastanien und leichter Bodennebel verlieh der Landschaft einen gespenstig-schönen Weichschleier. Der Park des Schlosses ist gigantisch – 100 Hektar gross mit 50 Kilometern Wegenetz.



Mehr Fotos vom Park ...Collapse )

Nach ein paar Stunden im Park ging ich zum Schloss, besichtigte es zunächst von aussen, um dann das Innere in Augenschein zu nehmen. Der Eintritt plus die 3 Euro für eine Fotoerlaubnis haben sich gelohnt, finde ich.



Mehr Fotos vom Schloss ...Collapse )

Anschliessend überlegte ich kurz, ob ich im Schloss oder in der Stadt einen Kaffee nehmen sollte, doch da es noch nicht so spät war entschloss ich mich, in die Stadt zurückzukehren und dort das Apothekenmuseum und die Mühle zu besuchen, die Wolfgang mir empfohlen hatte. Leider war dort geschlossen. Doch die Chocolaterie, die ich ebenfalls empfohlen bekommen hatte, machte das alles wett: Super leckere Schokolade, ein Kuchen, der jede Sünde wert ist versüssten meine Kaffeepause.
Anschliessend nutzte ich die „Blaue Stunde“, um noch einige Fotos in der Stadt zu schiessen.



Das Treffen begann mit dem, was Wolfgang „social meeting“ nannte, dem Treffen der Teilnehmer im Café Zelig. Nach und nach trafen die Teilnehmer ein, es galt, viele alte Bekannte zu begrüssen und Neuigkeiten auszutauschen. Auch das kulinarische kam natürlich nicht zu kurz und die Zeit verflog. Bald war es Zeit, ins Bett zu gehen. Schliesslich wollten wir um 10 Uhr mit dem Lautenspiel beginnen.
Leider ergab sich an diesem Abend auch, dass das ursprünglich für Samstagabend geplante Konzert abgesagt werden musste. Doch Wolfgang fragte bei Magnus Andersson an, der kurzfristig bereit war, einzuspringen.

Der Samstag stand dann im Zeichen gemeinsamen Musizierens. Überall in der Oberkirche erklangen Lauten, man hörte Gesang, Fiedeln und Gamben. Auch Mathias und ich spielten uns durch die französischen Duette, die Mathias zum Musizieren vorgeschlagen hatte. Ich hatte die Stücke vorher noch nicht gespielt gehabt und war beeindruckt von der Schönheit dieser Duette für zwei Barocklauten. Wir suchten uns einige Stücke (eine Suite von Dufault) für den Vortrag am sonntäglichen Werkstattkonzert aus und einigten uns auf eine kleine Suite (von Niewerth) zum Spiel beim Gottesdienst. Mathias hatte ausserdem einen Choral bearbeitet – inklusive einer Contrepartie – welchen seine Tochter sang und wir begleiteten.
Dazwischen lagen dann Proben für ein gemeinsames Stück aller Teilnehmer, bei welchem ich mich mit meiner kleinen Theorbe beteiligen durfte.
Schon bald war es Zeit, sich dem passiven Teil des Treffens zu widmen: einem Konzert von Magnus Andersson mit seiner Sängerin Christina Stegmaier, die ein wunderschönes Konzert mit englischer Musik der Renaissance gaben. Beeindruckend, was sie in der zugig-kalten Kirche zustande brachten! Auch klanglich und interpretatorisch wussten sie zu überzeugen. Eigentlich wäre das schon genug für einen Abend gewesen, doch liessen alle den Abend noch bei einem guten Znacht im griechischen Restaurant gegenüber ausklingen. Besonders bemerkenswert (neben der hervorragenden Küche) war: Der (kostenpflichtige) Biernachschub klappte dort nicht so reibungslos wie der (kostenlose) Nachschub an Ouzo.



Nachdem Klaus, Corinna und ich die Kneipe aufs Neue abzuschliessen halfen, war es Sonntagmorgen sehr früh – bereits um viertel nach 9 war ich vor Ort, die Laute stimmen. Um 10 Uhr begann dann der Gottesdienst mit unserer Beteiligung. Das Consort steuerte die Eröffnungsmusik bei, Mathias und ich spielten zum Ende wie verabredet die Niewerth-Suite, zur Predigt spielten Magnus und Christina „Time stand still“, zum Gebet gaben Mathias, Rebekka und ich den Choral (wobei ich etwas Mühe hatte, in das Stück reinzukommen – hoffentlich ist es nicht zu sehr aufgefallen) und während des Abendmahls spielte Wolfgang etwas Renaissancelaute und Mathias gab eine lange, sehr schöne Improvisation zum Besten, welche sich wohl an einer Chaconne orientierte und mich begeisterte.


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Nach dem Gottesdienst war etwas Pause, in der noch fleissig geprobt wurde, bis um 15.00 Uhr das Werkstattkonzert begann. Da Mathias früh zum Zug musste eröffneten wir das Konzert mit der Suite von Dufaut. Natürlich hat nicht alles geklappt (nach nicht einmal einem Tag Probe und ohne, dass man vorher bereits zusammen gespielt hatte wäre das wohl arg viel erwartet), aber ich fand, wir schlugen uns ganz wacker und hoffe, uns gelang es, etwas von der Schönheit dieser Musik den reichlich anwesenden Zuhörern zu vermitteln. Dem Werkstattcharakter dieser Abschlussveranstaltung entsprechend waren die anderen musikalischen Beiträge gemischt – beim einen klappte es besser als beim anderen, bei einigen spürte man die Nervosität, andere blieben  beim Vortrag ihrer Stücke cool – ich selbst durfte noch das „Rudelstück“ („Tant quai vivray“) mitspielen. Dort spielte ich ja Theorbe und wie immer war ich etwas nervös, ob der Instrumentenwechsel gut klappen würde – schliesslich sind die Dimensionen der Instrumente sehr unterschiedlich. Aber es klappte problemlos.



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Nach diesem Abschluss der Veranstaltung trafen sich diejenigen, die (noch) nicht zum Zug mussten noch zu Kaffee und Kuchen, bevor die Veranstaltung endgültig zu Ende ging. Ich brachte die Lauten ins Hotel und schloss für mich persönlich mit einem wunderbaren Essen in dem indischen Restaurant vis a vis der Oberkirche.
Montag ging es dann wieder zurück in die Schweiz.

Zusammenfassend lässt sich sagen: es ist wunderbar, dass sie vor vielen Jahren von mir ins Leben gerufenen Lautenistentreffen immer noch existieren. Fantastisch die Arbeit, die Wolfgang dort hineingesteckt hat. Vielen Dank dafür! Er fand genau das rechte Mass zwischen fixen Punkten, welche das Treffen strukturierten, zwischen Gemütlichkeit und Musizieren und somit ist er hauptsächlich verantwortlich für die super Stimmung, die an diesem Wochenende bei allen Beteiligten herrschte. Das Teilnehmerfeld ist ebenfalls erwähnenswert – und etwas Besonderes. Schliesslich waren sicher etwa die Hälfte der Teilnehmer nicht einmal Lautenisten! So ergab sich fast eine Stimmung, wie sie weiland bei den Musikantentreffen auf der Musikburg herrschte. Kurz: ich danke allen und finde keinen Ansatzpunkt für Verbesserungen. Eine super Veranstaltung, welche voraussichtlich am letzten Septemberwochenende 2014 seine 9. Auflage erleben wird.




 
 

Bericht auf art-tv.ch zum ersten Schweizer Lautenfestival
Yesterday
lautenist
http://www.art-tv.ch/10233-0-Haus-der-Musik-Rapperswil-1-Schweizerisches-Lautenfestival.html?reg=2062


Auf Art-TV.ch lässt sich ein Bericht über das 1.Schweizerische Lautenfestival anschauen.

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