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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


April, April ...
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Die Flucht vor dem Grau und Weiss in den sonnigeren Süden war ziemlich erfolgreich. Die Temperatur war verglichen mit den 0-2Grad hier angenehm zwischen 17 und 22 Grad, ich hatte viel zwar schon gesehen, aber im Frühling ohne Heerscharen an Touristen waren die Leute vor Ort entspannter und so etwas wie einen Spazergang auf der Stadtmauer von Aigues Mortes, an den bei um  die 40 Grad im Sommer kaum zu denken war, war sehr schön. In der nächsten Zeit könnten einige Fotos kommen ... Fotos! Ich wollte ja vor allem abgelaufene 220er Mittelformatfilme aufbrauchen, die sowieso nicht mehr hergestellt werden und die von der Farbanmutung (es handelte sich um Kodak Portra 160) sehr zu der Region passen könnten. Dazu noch abgelaufenen Velvia 50, den ich für Architektur, olle Steine und so benutzen wollte - und seit längerem hatte ich auch meine digitale Nikon (D750) mal wieder mit, da ich für sich bewegende Ziele (also vor allem Vögel) lieber die Digiknipse nehme. Da macht es halt weniger Loch im Portemonnaie, wenn man für ein Sujet mal 20 Bilder durchrauschen lässt. Faktisch war es gar nicht mal so schlimm. FIlm zu fotographieren trainiert! Doch ca. 2500 Fotos sind es doch geworden.



Auf der politischen Bühne haben es die Briten geschafft, dass sich auch andere Nationen lächerlich machen bei dem Versuch, Russland den Anschlag auf den ehemaligen Doppelspion und seine Tochter in die Schuhe zu schieben. Es wird fleissig Stimmung gemacht und kalter Krieg gespielt. Ich hoffe, die grössere Anzahl Bürger ist schlau genug, die Inszenierung zu durchschauen.
Einmal wird aus einem Anschlag auf Britische Bürger plötzlich ein Anschlag auf Britannien, dann wird auf der Basis von Hörensagen (irgendwann haben die Russen mal so ein Zeugs produziert. Ob das verwendete Zeugs aus Russland kam oder von wem es benutzt wurde wissen wir nicht, aber die Russen sind doch böse - das wissen wir doch. Darum halt!) ein Konflikt provoziert. Und die Verbündeten machen das alberne Spiel mit!

Deutschland hat Puigdemont festgenommen. Formal mag das seine Richtigkeit haben (auch wenn ich und andere zweifeln). Irgendwie müssten wir ja eigentlich davon ausgehen können, dass bei Partnern wie Spanien - oder wie oben erwähnt den Briten - rechtsstaatliche Prinzipien gelten, Menschenrechte und so. Dass es manchmal allerdings schlauer wäre, in die andere Richtung zu schauen, wenn ein Partner offensichtlich nur eine politisch unliebsame Meinung strafrechtlich verfolgen will. Nun tja - die Demokratien dieser Tage scheinen nicht mehr viel Wert darauf zu legen, das Mäntelchen zu tragen, welches den faulen Kern verdeckt.
Spanien jedenfalls sollte sich fragen, ob es sich einen Gefallen tut, indem es einen Repräsentanten einer Region verfolgt. Man kann und darf von seiner Politik halten, was man will. Das ist das eine. Das andere aber ist, dass er ein legitimer Repräsentant seiner Region ist. Demokratisches Verständnis ist in Spanien wohl Fehlanzeige.

Ein weiteres Thema für Demokraten ist sicher der polnische Umgang mit ihrer Geschichte. Es ist durchaus diskutabel, ob und inwieweit es polnische Kollaboration gab, nicht nur in der Frage der Judenverfolgung. Dass man nun per Gesetz verbietet, sich mit dieser Frage zu beschäftigen ist Gesinnungszensur. Hier wird eine Meinung (mehr ist sie nicht - da es ja nicht erlaubt ist, zu belegen oder zu widerlegen) per Gesetz vorgeschrieben. Toller Rechtstaats sowas - ein paar Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Freiheit von Forschung und Lehre fallen mir ein, die hier verletzt werden.


Das Ende der Globalisierung - auf Telepolis
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Das neoliberale Gequake über die "Chancen der Globalisierung" weicht dem daumendick aufgetragenen Heimatkäse, der die ausartenden sozialen Widersprüche in den krisengeschüttelten Metropolengesellschaften zukleistern soll.

Lesebefehl!

Türkei - das Drama im Nahen Osten
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Der Eindruck wird immer stärker und grenzt an Gewissheit: Erdogan will das Osmanische Reich wiederbeleben. Die Ideen des grossen Atatürk scheinen den Politikern um Erdogan nicht mehr zeitgemäss. Zwar gab es bereits zu Zeiten Kemal Atatürks Verfolgungen der kurdischen Minderheiten, die revolutionäre Leistung bestand aber dennoch durch die Zerschlagung der osmanischen Herrschaftstraditionen, die Hinwendung zur westlichen Gesellschaft mit Demokratie, Gewaltenteilung und Achtung der Grundrechte. Für den Staat an der Grenze zwischen dem stark vom Islam geprägten Nahen und mittleren Osten und Europa war dies in Folge immer eine Herausforderung. Ich brachte es gerne auf die Formel "Die Türkei beweist, dass westliche Werte und Islam vereinbar sind". Die aktuelle Lage in dieser Weltregion, welche von den wiederholten Invasionen der USA (und ihrer Verbündeten) geprägt ist und wie die Vorgänger von vor 1000 Jahren die eigentliche Motivation durch einen religiösen Konflikt verdecken zu unvergleichlichem Blutvergiessen führen berühren natürlich auch die Türkei.


(der tote Atatürk)


Dass Erdogan hierbei ein sehr gefährliches Spiel treibt, indem er die Kreuzzüge des Westens ausnutzt um seine Fantasien umzusetzen kann nur gelingen, solange die USA es sich nicht leisten können, die Türkei angemessen zu sanktionieren.

Was mich in diesem Zusammenhang erstaunt ist der Rückhalt, den Erdogan in der Heimat geniesst.
In vielen Weltgegenden scheint die Moderne, der Fortschritt in Verruf zu kommen - "Entfremdung" fällt mir als Stichwort ein. Doch kann das die gegenwärtigen Tendenzen in der Türkei erklären? Schliesslich ist die Türkei seit 100 Jahren ein weltlicher Staat und auch die osmanischen Traditionen sind seitdem kaum mehr als Folklore.
Ich kann hier nur vermuten: Einmal könnte der stark ausgeprägte Unterschied zwischen Stadt und Land eine Erklärung bieten - westliche Freiheiten und Lebensstil sind tendenziell eher urban. Verstärkt wird das sicher noch durch das Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land. Dann darf die Rolle des Militärs sicher nicht unterschätzt werden. Gegen das Militär kann in der Türkei niemand regieren. Und auch das Militär ist eher konservativ und auf Traditionen aus. Die vielen Auslandstürken könnten von der Ausländer- und insbesondere Islamfeindlichkeit in Erdogans Lager getrieben worden sein. Ein vermeintlich starker türkischer Staatschef als Gegenpol zur diskriminierten Situation im Gastland.

Die westliche Welt ist natürlich nun in einer verzwickten Lage - oder könnte es sein, wenn sie nicht wie üblich Heucheln würde und eine erstaunliche moralische Flexibilität an den Tag legen würde. Einerseits führt und unterstützt man die Kreuzzüge der Amis - da muss man doch eigentlich fragen: Tun die Türken etwas anderes? Für sie ist das "Stückchen Kuchen" doch viel näher! Andererseits hat man grade erst die Kurdischen Milizen ausgebildet und ausgerüstet, um gegen den IS zu kämpfen und zuhause vor den Fernsehschirmen ist noch nicht vergessen, dass die Kurden die "Guten" sind, die heldenhaften Peschmerga. Ein Schelm, wer sich an die Glorifizierung der Mudjahedin zu Beginn der 80er erinnert fühlt. Einer der bekanntesten Führer dieser von den USA unterstützten Helden hiess Osama bin Laden. Viele der ehemaligen Freiheitskämpfer, dieser Helden von einst sind nun entweder als Taliban oder IS-Kämpfer Verkörperung des Bösen.
Ich meine ja, das ist Absicht: die USA können ihre Kriege nicht gewinnen, also destabilisieren sie die Region bis sie in einem quasi herrschaftslosen Zustand ist. Das erleichtert die Ausbeutung des Rohstoffs, um den sich alles in dieser Region zu Beginn des 21. Jahrhunderts dreht. Tatsächlich haben die Briten, welche den IS militärisch bekämpft keine Mühe, Öl vom IS zu kaufen und in London zu handeln. Auch Assad wurde umgewertet. Nachdem er die Führung Syriens übernommen hatte wurde er zunächst gefeiert - und tatsächlich war und ist Syrien ein vergleichsweise modern verfasster Staat mit einer liberalen Politik gewesen. Bis Misernten und ein kleines Problem mit der Streckenführung einer Ölpipeline zu Aufständen führten. Dass diese Aufstände nicht unterstützt wurden ist sehr unwahrscheinlich, vor allem, wenn man an die inzwischen mehr oder weniger offiziellen Aktionen der CIA im Umfeld des Bürgerkriegs in der Ukraine denkt (ich halte eine CIA-Unterstützung oder -"Inspiration" des Massakers auf dem Maidan für sehr wahrscheinlich. Das geleakte Interview mit Victoria Nuland spricht von 5 Milliarden für den Umsturz.)

Zusammengefasst empfinde ich bei aller berechtigten Kritik an Erdogan Türkei-Bashing nicht hilfreich. Das hohe Ross steht westlichen Nationen schlicht nicht zu. Wie man die Krise bewältigen kann und dabei die Interessen aller Beteiligter auf der Basis der UN-Charta wahren kann ist leider sehr heikel. Mir würde niemand einfallen, der genug persönliche Autorität besitzt und der nicht direkt mit korrumpierten Systemen in Verbindung gebracht werden kann, der eine Vermittlerrolle glaubwürdig übernehmen könnte. Nelson Mandela ist mir spontan eingefallen. Leider steht der nicht mehr zur Verfügung. Danach lange nichts mehr. Auch das sagt viel über die aktuelle Lage in der Weltpolitik, oder?

Ein Held (Nelson Mandela)

Und wieder mal ...
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Cambridge-Analytica wird zum Skandal erhoben.

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene (fundiert begründete) Meinungen zum Thema, die beide eine gewisse Berechtigung und Stärken und Schwächen im Gedankengang haben:
Sascha Lobo schliesst auf SPON

Das ist das Vergehen von Facebook: dem Umsatz jede Vorsicht bei der gesellschaftlichen Wirkung sozialer Medien zu opfern. Von Fake News über Hetze bis zu Propaganda - Facebook hat es über Jahre nicht ernsthaft interessiert, was auf seiner Plattform geschah, solange ausreichend Werbung geschaltet wurde.

Dagegen äusser Fefe in einem Interview für Meedia:
Die Vorstellung halte ich für hochgradig naiv, dass Facebook quasi versehentlich den größten Datenhaufen in der Geschichte der Menschheit aufgehäuft hat, und gar nicht weiß, was sie da tun. Nichts davon war Zufall, alles war Absicht. Die Software ist nicht vom Himmel gefallen. Die hat jemand geschrieben, mit dem beauftragten Funktionsumfang, und der ist dafür fürstlich entlohnt worden.

Wenn Facebook jetzt so tut, als seien irgendwas an der Situation nicht klar oder ein Versehen gewesen, erinnert mich das an die Beteuerungen der Tabaklobby, dass der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs noch nicht klar belegt sei. Es ist schlimm genug, dass der Trick damals funktioniert hat (und beim Klimawandel wieder zu funktionieren scheint). Wir sollten auf so einen plumpen Trick nicht wieder reinfallen.

Gemeinsam ist beiden die Feststellung, dass Facebooks Geschäftsmodell Werbung ist. Beide unterscheiden sich in der Bewertung des Tatbestandes, Die von Sascha Lobo halte ich zumindest für zu mild. Generell hat Lobo oft eine Sichtweise, welche das zugrunde liegende Problem ausblendet. Das ist etwas, was ich an Fefe sehr schätze. Wer das Interview mit ihm liest wird feststellen, dass er sehr genau erkennt, wie schädlich Werbung ist.

Was man in diesem Zusammenhang allerdings auch sehen muss, wie abhängig viele Geschäftsbereiche - und in Folge viele Menschen - von Werbung sind. Nach Regulation zu verlangen macht es notwendig, eine scharfe Trennung zwischen Information und Werbung zu ziehen. Werbung sind eben nicht nur irreführende Versprechungen, sie kann genauso das Apothekenschild sein, das mir hilft mich zu orientieren oder der Flyer der Band, die auf ihr Konzert aufmerksam machen will. Oder der Hinweis der örtlichen Restaurants, welche über Weihnachten wann geöffnet haben ... alles Werbung! Aber nicht notwendigerweise irreführend - natürlich positiv-wertend. Will ich Interesse für eines meiner Konzerte wecken werde ich sicher nicht die negativsten Abschnitte aus Rezensionen früherer Auftritte wählen!
Werbung wie die auf Facebook unterscheidet sich von Werbung, die wir gewöhnlich dulden würden dadurch, dass sie nicht notwendigerweise als solche gekennzeichnet ist. Sie hat keinen Informationsgehalt, sondern verbreitet tatsächlich irreführende Versprechungen (Die berühmte Zahnarztfrau, Autowerbung ....). OCEAN als Basis zu verwenden, wen man wie erreicht ist letzten Endes eine Verfeinerung bekannter Methoden, die - und nun kommen Facebook als Dealer ins Gespräch - aufgrund der Sammelungen der Datenkraken sehr fein die Zielgruppen und Botschaften abstimmen, mit denen diese Zielgruppen angesprochen werden können. Das findet nicht nur auf den Plattformen selbst statt sondern mit den von uns gesammelten Daten wird gehandelt. Die Masse bedeutet hier zunächst einmal einfach, dass man beeindruckt wird von der grossen Zahl. So um die 2 Milliarden Profile - Plus all dem, was über die Buttons abgesaugt wird. Da kommt einiges zusammen. Unter anderem auch Messfehler. Denn während beispielsweise im aufgeklärten Mitteleuropa eine schwule Partnerschaft tendenziell positiv bewertet werden könnte sieht die Situation im amerikanischen Mittelwesten wahrscheinlich anders aus. (Natürlich hinkt das Beispiel - es soll nur das Problem illustrieren, innerhalb der Datenmasse die Bezugsgrössen jeweils fein genug zu kalibrieren). Recht unterhaltsam über die sich ergebenden Probleme schreibt übrigens Trevanian bereits Ende der 70er Jahre in seinem - nennen wir es mal Thriller - "Shibumi", wenn er von dem Supercomputer der Muttergesellschaft ("big thought") spricht. Dass sie nicht unrealistisch sind zeigt das im Link beschriebene Problem mit der Farbkodierung von Terroristen. Um das System intuitiver zu machen werden auf dem Computer der Muttergesellschaft linke Terroristen rot markiert, IRA Kämpfer grün etc - in dieser Logik wurden dann Black Panther-Aktivisten schwarz dargestellt. Schwarze Schrift auf schwarzem Grund ist allerdings schwer lesbar und in Folge blieben die Aktionen der Black Panther-Aktivisten monatelang nicht beobachtet.


Gleichzeitig stört uns die Vorstellung, manipuliert zu werden. Wir erliegen zu gerne dem Irrglauben, wir seien werberesistent. Das ist allerdings niemand - Wie man Werbung sinnvoll regulieren könnte muss ich mir allerdings erst noch überlegen. (ich habe den Eindruck, so schnell gehen mir hier nicht die Themen aus)

Vermischtes
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Mein Held dieser Tage ist ein Vogel - ein kleines Vögelchen, der Schlagschwirl, hat geschafft, wozu die Gesellschaft auf anderem Wege nicht fähig zu sein scheint.
Dank des Schlagschwirls darf ein Open Air rechtsradikaler Gruppen in Thüringen nicht stattfinden. Danke! Danke! Danke!



Ich war ja so ein Typ, der nach dem Abi nicht wusste, das er eigentlich machen soll. Ich war politisch und gesellschaftlich interessiert, hatte mir ein gradezu romantisches Verhältnis zur Natur bewahrt, war Leseratte - vor allem von Zeugs, das andere kaum mit der Beisszange anpackten (man nennt es Weltliteratur) und Musik prägte mein Dasein anders als es für einen Teenager meiner Zeit üblich war nicht nur passiv, sondern ich war auch aktiv dabei. Nicht grade die Interessenlage für eine erfolgversprechende Karriere, newa?
Zuhause war die Situation auch - nennen wir es "heikel". Dass ich überhaupt Abitur machen durfte war wohl nicht unumstritten. "Wir sind eine Arbeiterfamilie" hörte ich nicht nur einmal. So hatte ich dort einen gewissen Kampf, meine Weiterbildung überhaupt durchzusetzen. Da meine Interessen nicht auf etwas zeigten, was unmittelbar in einen Beruf münden würde war ich in den Diskussionen nicht in der besten Position. Meine Eltern sahen eine Handwerkerlehre für mich vor.
Damals kamen die umliegenden Unis (Marburg, Giessen, Mainz, Frankfurt) an die Schulen, um für ihre Lehranstalten zu werben und ich besuchte verschiedene Vorlesungen, um einen Eindruck zu bekommen, was denn für mich geeignet sein könnte. Jura fand ich interessant - bis ich eine Vorlesung besucht hatte! Besonders interessierte mich Sinologie - ich fand es auch nicht ganz uninteressant, dass das damals in Trier angeboten wurde. Einer Stadt, die ich interessant und "hübsch" fand - und weit genug von zuhause weg war. Damals war mir nicht bewusst, dass Sinologie vor allem von Anhängern Maos gewählt wurde. Das war ich nämlich keinesfalls. China, DDR und die Sowjetunion waren interessante, alternative Gesellschaftsmodelle, von denen wir aber eher die negativen Seiten wahrnahmen, also: Worin scheitern sie, kaum, worin sie gut waren. Die Hippies, die 68er wurden tendenziell viel positiver rezipiert. Wobei die RAF verdammt wurde. Dass Ulrike Meinhoff alles andere als doof war und ihr Gang in den "bewaffneten Widerstand" begründet (wenn auch falsch) war - das war damals kaum mehrheitsfähig.
Und natürlich konkurrierte dieses Interesse mit der Selbstbeschäftigung, die für Teenager nun mal wesentlich ist. Ich finde auch heute noch diese Menschen, vor allem auch ganz junge, die sich auf ein paar Gebiete reduzieren widernatürlich. Gilt es als junger Mensch nicht, vor allem die Farbigkeit der Welt zu erfahren?
Im Ergebnis konnte ich mich nicht entscheiden, auch weil meine Eltern mir ein Studium nicht bezahlt hätten und ich aufgrund der finanziellen Situation meiner Eltern kaum mit öffentlicher Förderung (Bafög) zu rechnen gehabt hätte. Den Schritt, mir diese Förderung zu erstreiten (ich hätte rechtlich ja Anspruch darauf gehabt) war mir letzten Endes doch zu extrem.
Durch diese Diskussionen war ich zu beschäftigt - und aus falsch verstandener Ehrlichkeit ("natürlich könnte ich jemanden töten" - den Unterschied zwischen dem Abschlachten auf Befehl und einer menschlichen Notlage konnte ich damals argumentativ nicht fassen) landete ich dann auch für 15 Monate bei der Army. Und anschliessend in einer kaufmännischen Ausbildung - ich! Kaufmannsgehilfe! Ich bin vollkommen untauglich für diese Tätigkeit!
Die C64 und Amigas waren Spielzeug. Nun kam ich mit der Welt der IBM Grossrechner in Berührung und damals war man noch ein kleiner König, wenn man sich mit so etwas wie APL auskannte. So wechselte ich in die EDV (wie man damals noch sagte: die Abteilung hiess "Referat Datenverarbeitung im PSW" (Personal- und Sozialwesen/Werksverwaltung) und *hastenichgesehen* habe ich Lohn- und Gehaltsabrechnung programmiert. Damals schon fand ich, das sei einer der letzten Jobs, in denen man halbwegs kreativ sein konnte - wenn auch nur auf sehr reduzierte Art und Weise. Bald kam zur Programmierung von Grossrechnern mit Cobol auch die Arbeit am PC und in Netzwerken mit Turbo Pascal und dann Delphi dazu, irgendwann wurde Delphi zu meinem Bedauern durch C# ersetzt. SAP/ABAP war ein Thema, auch Jva, EJB etc. Die Firmen wechselten im Verlauf der Zeit - und mit den Jahren auch das Berufsbild. Von der Gehaltsabrechnung ging es zu Versicherungslösungen, der Polizei und nun in die Industrie.  Kreativität wurde immer mehr in eine immer schmallere Ecke gedrängt bis zum Schluss nur noch "Problemlösungskompetenz" übrig blieb. Was schön war ist, dass sich immer noch ein Rest an Leuten findet, die wie ich in diesen Job gekommen sind. Nachgewachsen sind oft stromlinienförmige Akademiker, die vor Professionalität nur so strotzen, das sich bei ihnen aber vor allem durch ihr Managergehabe negativ äussert. Nachteil, wenn man älter wird: Mit solchen Leuten habe ich nun immer mehr zu tun. Und mein berufliches Umfeld macht immer weniger Spass.

Den akademischen Teil habe ich übrigens dann später nachgeholt. Mit Philosophie lag ich bei meinen Interessen goldrichtig, Deutsche Literaturwissenschaft war ein Traum! Lesen, dass man kaum hinterherkommt - kann es eine angenehmere Art von Stress geben? Psychologie war eher eine Spassbremse (ausser Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz und seiner Nachfolger - generell ist Psycho zu bemüht darum, Naturwissenschaft zu sein und muss sich mMn arg verbiegen, um diesen Anspruch einzulösen) und Soziologie überraschend tiefgründig. Ich hatte das Gefühl, wirklich etwas für das Leben gelernt zu haben. Dass ich mich dann "zum Spass" anschliessend noch entschied, fundiert das Spiel von Laute und Gitarre zu erlernen war für mein Leben dann prägend.
Ernähren tut mich aber nach wie vor die olle Kaufmannslehre mit den Zusatzausbildungen aus dem Bereich der Informatik.



Die Kälte, das Grau hängt an. Ich muss raus - wir haben da so einen Projektleiter. Die Kompetenz im Person. Reihenweise kündigen die Leute. Ich bleibe noch als einer der wenigen, die sich auskennen. Da hatte ich ein Gespräch mit ihm, welches Kommunikationsstrategien dieser Projektmanager entlarven kann

Er: "Willst Du mitgestalten oder nur Ausführen?"
Die ehrliche Antwort wäre: "Nein, will ich nicht, da Du unter Mitgestalten verstehst, ich Deine Defizite kompensieren - und falls etwas falsch läuft darf ich den Buh-Mann spielen"
Die Antwort war dann aber (da ich in der IT bin und nicht direkt dem Projekt unterstehe): "Das kann ich nicht entscheiden. Da wende Dich mal an meinen Chef"

Die Kommunikation ist hier ja suggestiv und manipulativ. Tatsächlich ist die Frage auch gar nicht als Frage gemeint. Sondern eigentlich unterstellt mir der Projektleiter hier, ich würde die Mitgestaltung verweigern. Dagegen habe ich mich natürlich verwahrt und darauf hingewiesen, dass das nicht der Fall ist.
Solche Pseudokommunikation, die nicht auf einen offenen Austausch und gegenseitiges Lernen aus ist sondern sich der Höflichkeit, der guten Kinderstube als Machtmittel bedient mag ich nicht. Denn die eigentlich und ehrliche Antwort wäre natürlich unhöflich, gradezu beleidigend gewesen. Darum gibt man eine andere - evtl. lügt man sogar. Diesmal hatte ich Glück und musste nicht lügen. Eine solche Kommunikation bringt aber nichts - vielleicht kann der Projektleiter seinen Willen durchsetzen, hat sich dabei aber als unhöflich und inkompetent offenbart. Warum unhöflich, fragt Ihr? Die Frage impliziert, ich wolle blockieren, ich sei ein Mensch, der sich nicht einbringt in die Arbeit. Und dadurch zeigt sich auch die Inkompetenz. Diesem Projekt unterstellte Mitarbeiter müssen mit einer solchen Kommunikation umgehen. Ein konstruktives Arbeiten bedeutet in einer solchen Umgebung einiges an Selbstverachtung.

Genug geschimpft!

Solche Gespräche führen dazu, dass ich der Kälte, dem Grau des Wetters und der Kälte und dem Grau des Umfelds mit grosser Freude die Sonne Süd-Frankreichs entgegensetzen werde und nach einigen Jahren wieder einmal Ferien mache.
Nicht sehr fantasievoll, weil ich schon in der Camargue war. Tatsächlich hatte ich auch Ziele in Italien ins Auge gefasst. Vor allem zuerst nach England! Da will ich nochmal hin vor dem Brexit! Oder auf den Balkan. Aber Preise und Verfügbarkeit führten dazu, dass ich wieder nach Südfrankreich fahre - obwohl mein Französisch nur sehr rudimentär vorhanden ist.
Und angesichts Schneegestöber und Nebel und 2-stelligen Minustemperaturen hier freue ich mich wie Bolle darauf

Deutschland, Deine Heuchler - heute: Steinmeier
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Was ein Land Wert ist zeigt sein Verhältnis zu China, sagt man. Da schneiden die westlichen Länder, natürlich auch Deutschland, nicht sonderlich gut ab.
Neu war mir aber, dass der damalige Aussenminister und jetzige Ersatz-Kaiser, der Bundes-Präsi Steinmeier Anfang 2008 folgendes von sich gab

Die Bundesregierung hält wie alle Vorgängerregierungen an der Ein-China-Politik fest. Sie beinhaltet die Zugehörigkeit Tibets wie auch Taiwans zum chinesischen Territorium.

Dass ist ein Skandal, der nicht genügend angeprangert werden kann. Tatsächlich passiert ist aber - nichts.
Kurzfristigen und nichtssagenden Wirtsschaftsinteressen wurden hier kurzerhand Prinzipien wie Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit geopfert.
Skandal ist nicht nur, dass die Bundesrepublik einen demokratischen Rechtsstaat zugunsten eines autokrativen, menschenrechtsverachtenden Staates fallenlässt, weil er einen grösseren Markt verspricht. Beschämend ist auch, dass der jetzige Bundespräsi offenbar keine Ahnung von Geschichte hat. Ist Taiwan der Rest der 1912 gegründeten Republik China, die durch Mao im Bürgerkrieg geschlagen wurde, nachdem die Kommunisten sich am Krieg gegen Japan nicht oder kaum beteiligten und die durch den enorm verlustreichen Krieg geschwächten Kuomintang nach dem Krieg den Roten nicht mehr viel entgegenzusetzen hatten und nach Taiwan flüchteten. Taiwan steht für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte und quasi in der Kontinuität Chinas. Die Volksrepublik ist nach dem Sieg Maos zwar der ungleich grössere Teil Chinas, aber völkerrechtlich und faktisch handelt es sich bei der Volksrepublik um die unrechtmässige Abspaltung. Taiwan war Gründungsmitglied der Vereinten Nationen.


Chiang Kai-Shek

Mao Tse-Tung


Tibet nun ist ein selbstständiger Staat, der durch die Aggression der Volksrepublik okkupiert wurde.
Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags stellt auch zutreffend fest:

„Die Staatengemeinschaft geht zwar davon aus, dass Tibet Teil des chinesischen Staatsverbandes ist, doch wurde der Status Tibets nicht geklärt. Zum Zeitpunkt der gewaltsamen Einverleibung in den chinesischen Staatsverband war es ein eigenständiger Staat. China hat keinen wirksamen Gebietstitel erworben, weil es dem Grundprinzip des aus dem Gewaltverbot hervorgehenden Annexionsverbots entgegensteht. Die Effektivität tatsächlicher Herrschaftsgewalt über ein Gebiet vermag keinen Gebietserwerb zu bewirken.“


Der 14.Dalai Lama

Dass es sich um völkerrechtlich und auch logisch zwei vollkommen unterschiedliche Sachverhalte handelt dürfte offensichtlich sein. Dass die GroKo von damals sich in der Tradition "aller Vorgängerregierungen" befände stimmt so nicht. 1971 hatte Albanien, der damals einzige Verbündete der Volksrepublik eine Resolution in der UN eingebracht, die zum Ausschluss der Republik China aus der UN führte.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen […] beschließt, all die Rechte der Volksrepublik China instandzusetzen und die Vertreter ihrer Regierung als die einzigen legitimierten Vertreter Chinas in den Vereinten Nationen anzuerkennen und von nun ab die Vertreter Chiang Kai-sheks von dem Platz zu entfernen, den sie zu Unrecht in den Vereinten Nationen und all ihren Organisationen einnehmen.

Die Bundesrepublik Deutschland nahm übrigens erst 1972 diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik auf während es bereits 1957 eine Deutsch-Chinesische Gesellschaft gab, zu dessen Mitgliedern Deutsche wie Taiwaner zählen.

Der unter anderem durch die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand bekannte Heinrich Harrer floh, von Brad Pitt verkörpert, wie die meisten durch den Film "7 Jahre in Tibet" wissen, zusammen mit dem Dalai Lama nach Indien, nachdem er vorher aus britischer Internierung in das neutrale Tibet geflohen war. Ein sehenswerter Film, auch wenn man Harrers Versuch, sich von seiner Rolle als Profiteur des Nazi-Regimes zu befreien nicht ausser Acht gelassen werden sollte.


Was da abgeht ist ein Skandal, oder? Menschenrechte? Demokratie? Bedeuten offenbar nichts in Merkels "marktkonformer Demokratie" - und die Spezialdemokraten? Unterscheiden sie sich? Wenn Ihr einen dieser Heuchler seht: fragt sie nach China, nach Tibet - und nach Saudi-Arabien. Und heutzutage könnte man noch die USA, Türkei und einige weitere Länder ergänzen. Doch dazu später mehr.


Ein paar Fotos
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Hier treibt das Wetter seltsame Blüten - nein! eigentlich keine Blüten. Leider! Die wenigen Tagen, in denen sogar mal die Sonne heraus kam und sie der ewigen Trübnis einen Hauch Licht entgegensetzte und damit Hoffnung auf Frühling erzeugte ist nun passé und der Winter ist wieder zurück. Weiss und grau sind wieder die beherrschenden Farben - auf dem Boden das schmutzige Grau von altem Schnee, manchmal überdeckt vom weiss frischen Schnees. Die Sicht ist geprägt von dem schmutzigen grau-weiss des Nebels, der einen oft nur wenige Meter schauen lässt und nicht, wie der Herbstnebel die Welt in Watte hüllt sondern in Schmutz wie ein alter Lumpen.
Das ist der Grund, warum es in diesem Jahr bislang nur wenige Fotos gab - ich habe vor einigen Tagen einen Film vollgeschossen, den ich zu Weihnachten begonnen hatte. So eine lange Periode von überwiegend Sauwetter hatten ich in der Zentralschweiz noch nicht, seit ich hier lebe.

Die letzte Woche brachte aber die Gelegenheit zu ein paar Fotos.

Manchmal bietet das wolkige und neblige Wetter sogar schöne Momente


ein paar weitere Bilder mit dem Trioplan Objektiv ...Collapse )

Der rote Himmel kündigt den Wetterwechsel an - seitdem ist wieder Winter


Der böse Russe war's natürlich - Nachtrag
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Kommt es nur mir schräg vor, dass die Russen mit einem Nervengift Papa und Tochter eines Spions vergiften sollen, wo es doch unzählige andere, deutlich unauffälligere Methoden gegeben hätte? Klar ist es möglich und da Papa ein Ex-Spion war könnte das schon ein Agentending sein. Hier gilt für mich allerdings zunächst in dubio pro reo. Vor allem, weil die englische Regierung auch von einer Riesenladung Inkompetenz abzulenken hat.

Nachtrag zum Nachtrag: Das Pantoufle sagt es:  [...] strahlt jede Bond-Schmonzette mehr Realitätssinn aus als eine britische Premierministerin bei ihrem Versuch, Gehirn durch Twitter zu ersetzen.


Flugtaxis oder das Dilemma der modernen Mobilität
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Dorothee Bär verbreitet zur Zeit kräftig Heiterkeit mit ihrer Idee des Flugtaxis - und erntet einen Shitstorm wegen eines unangebrachten Tweets.

Prinzipiell könnte das cool sein, wie der Auftritt dieser Firma belegt, oder?  https://lilium.com/

Allerdings sind auch elektronisch betriebene Drohnen keine Lösung - man kennt es aus "Das 5.Element" - ob am Boden oder in der Luft


Das Problem ist die Konzentration auf zu engem Raum und nicht das Fortbewegungsmittel.


Ein Problem sind natürlich auch die in Flugverkehr gesteckten Resourcen. Eine Übersicht findet sich hier. Mit dem Vorschlag will sich die gute Doro wohl als innovationsfreudig, kreativ und *hastenichgesehn* selbstdarstellen. Sie offenbart aber nur Ignoranz und Inkompetenz.

Natürlich ist es nicht immer so einfach, solche Aktionen zu entlarven. Es lohnt sich aber immer ein Blick auf das eigentliche Problem, auf das Problem, das dem Vorschlag zugrunde liegt. Im Zusammenhang mit Politikern ist das in der Regel gesellschaftlicher Art. Nun hat es wenig Aufwand gekostet, Doros Vorschlag als ungeeignet zu entlarven (man stelle sich nur die Situation im Tweet vor, der ihr den Shitstorm eingebracht hat, wenn jeder Zugreisende ein Flugtaxi bestellt hätte - Chaos wäre vorprogrammiert! Dazu kann man sich die Kosten denken. Man kann auch überlegen, was passiert wäre, wenn jeder Fahrgast ein normales Taxi bestellt hätte - genauso chaotisch: Taxis sind die individuellste Möglichkeit, sich ohne eigenes Gefährt fortzubewegen, aber die bei weitem am wenigsten wirtschaftliche und ökologische). Das ergibt sich bei Doro schon aus der Situation.
Das Problem ist aber doch eigentlich, dass die wirtschaftlichen Prozesse seit der Industrialisierung nicht mehr nah am Wohnort stattfinden. Es gab nun nicht mehr den heimischen Bauernhof oder Handwerksbetrieb, auf dem gelebt und gearbeitet wurde sondern man musste sich zu einer Werkhalle begeben, in der viele Menschen zusammen arbeiten. Dieser Weg ist im Laufe der Geschichte immer weiter geworden (in der Schweiz beträgt er durchschnittlich 14,5 Kilometer) und der Anteil Betroffener immer grösser. Von ca. 10% überhaupt Betroffener 1900 die ca. 2 km Arbeitsweg hatten auf heute nahezu jeden (4,7% sind nicht betroffen), der einen Arbeitsweg hat, der im Schnitt weltweit 25 Minuten dauert. In der Schweiz werden 70 Minuten Arbeitsweg nach Google-Recherche noch als zumutbar empfunden. Die Zahlen sollen hier nicht das Problem sein. Es geht nur darum zu belegen, dass unsere Form zu wirtschaften von denen, die daran teilnehmen verlangt, mobil zu sein. Ob das ein Manager ist, der schnell mal von Zürich nach Berlin, London, New York oder Tokio jettet oder ein kleiner Arbeiter, der mit seinem Auto oder der Bahn "ins Büro" fährt ist dann in einem weiteren Schritt interessant. Problem ist die Notwendigkeit, mobil zu sein - sicher nicht die Art des Gefährts. Wir haben nun im Zeitverlauf Verhältnismässigkeiten zwischen dem Fortbewegungsmittel und der zurückzulegenden Entfernung. Dazu gibt es Untersuchungen. Mir fehlt dabei die Berücksichtigung der Betriebsgrössen. Ich vermute, dass je grösser die Betriebsstätte (Firma) desto weiter der Arbeitsweg. Einfach aus dem Grund, dass mehr Leute an ein und denselben Ort wollen und der Platz in der Nähe begrenzt ist. Dazu kommt, dass international die Lebenshaltungskosten in der Nähe solcher Zentren höher sind als in grösserer Entfernung. Abgeleitet von dem Problem, dass unsere Art zu Wirtschaften uns nötigt, mobil zu sein haben wir also ein Problem mit einer Verknappung des Raums und dadurch bedingt ungleiche Kostensituation Zentrum/Peripherie. Ein Phänomen, welches in diesem Zusammenhang noch interessant ist ist der zyklische Wechsel zwischen Stadt- und Landflucht. Zur Zeit zieht es diejenigen wieder in die Städte, die es sich leisten können. Vor einigen Jahrzehnten war es genau umgekehrt. Hier spielt eine Rolle, wie wir Lebensqualität definieren. Ein hier in der kleinen Schweiz in diesem Zusammenhang sehr massives und viel diskutiertes Problem ist das der Zersiedlung. -> den Wohnraum, den eine Person für sich beansprucht ist alleine seit 1970 um ca. ein Viertel gewachsen von etwas unter 30 qm auf über 40.



Natürlich wird der in Städten sowieso knappe Lebensraum dadurch nicht mehr - und die Preise steigen.

An der Art des Wirtschaftens will wahrscheinlich keine der grossen Parteien etwas ändern, auch wenn das Homeoffice in vielen Bereichen sowohl praktikabel wäre wie es auch Lebensqualität heben würde, die Notwendigkeit zur Mobilität verringern, ökologisch helfen und in den meisten Fällen wohl auch sozial eher bereichernd wären (Familie-Beruf wäre zum Beispiel kein Thema mehr - wen interessiert Väter-/Mütterzeit, wenn Familie kein Antagonist zum Arbeiten mehr ist?).
Eine weitere Idee könnte sein, Anreize für Unternehmen zu schaffen, aus den Ballungsräumen hinaus zu gehen. Das würde ausserdem einen Beitrag zur Entwicklung leisten. Dabei muss man dann natürlich Aspekte des Naturschutzes beachten. Das wäre eine sinnvolle Diskussion - Flugtaxis sind es nicht!
Diesel wird nach dem Skandal verdammt. Das ist natürlich auch nur teilweise berechtigt, denn unsere Fixierung auf das Auto ist problematisch. Verbrenne ich fossiles Material, egal welche Art von Brennstoff ich dabei verwende, erzeuge ich nicht nur Schadstoffe - ich opfere gleichzeitig einen Teil Erdgeschichte sowie einen wertvollen Rohstoff meiner Mobilität. Elektromobilität kann keine Lösung sein solange zur Erzeugung der Elektrizität fossile Brennstoffe benutzt werden. Klar: Hier in Obwalden wird nahezu ausnahmslos Ökostrom erzeugt, doch selbst bei meinem Elektroroller müsste ich berücksichtigen, dass zu seinem Bau, vor allem seiner Batterien, sicher kein sauberer Strom verwendet wurde. Ich gehe von einem leichten Plus bei Elektro aus, weil Unternehmen potentiell effektiver gegen Luftverschmutzung vorgehen können als das im Individualverkehr bei Verbrennungsmotoren passiert. Hier habe ich keine verwendbaren Untersuchungen gefunden.

Das ist natürlich wieder nur ein Anriss einer Problembeschreibung. Von anderem Ort (um nur ein Beispiel zu nennen: Wie spielt Naturschutzes in die Problematik hinein? Stichwort "Rückkehr der Wölfe", Wildkatzen, Wildbrücken) betrachtet wird das Problem noch komplexer und es besteht noch mehr Notwendigkeit, Interessen abzuwägen, Kompromisse zu finden - und sich zu streiten.


"Borgen", "Occupied" und "Bad Bank" auf Arte und im ZDF
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lautenist
"Borgen" habe ich leider nicht komplett verfolgt, als es auf Arte lief. Ich fand die Serie aber gut und spannend. Darum habe ich sie mir auf DVD besorgt und bin sie nun am schauen. Natürlich sind einige Elemente sehr eingedampft und einige Elemente sind hart am Cliché und nicht immer glaube ich daran, dass die Gewichtung stimmt (Einfluss der Presse, der Wirtschaft, Rolle des Premier), aber sehr viel wird angesprochen und das sowohl unterhaltsam als auch interessant und spannend. Sehr empfohlen!


Nahezu Propagandacharakter hat dagegen "Occupied" - dort kann man sich die 2.Staffel noch in der Arte-Mediathek anschauen. Die Idee zu "Occupied" stammt von Thriller-Autor Jo Nesbø. Problematisch an dieser Serie sind die stereotypen Charaktere und die hanebüchene Handlung, die von bösen Russen, mutigen Widerstandskämpfern, einer genauso korrupten wie bigotten EU und naiven Kollaborateuren geprägt ist. Innerhalb dieser arg vereinfachten und durchaus fragwürdigen Weltsicht wird aber ein spannendes Szenario entworfen, das sich, so Nesbø, mit der Frage beschäftigt, wie wohl die heutige Generation auf eine Situation wie die deutsche Besetzung Norwegens im 2.Weltkrieg reagieren würde. Ich weiss nicht, ob ihm die Beantwortung im Buch besser gelingt, doch anhand der Personenzeichnungen der Serie würde ich diesen Versuch als gescheitert ansehen. Andere Kritiker sehen die Serie als vergleichbar zu dem empfohlenen Borgen an und loben die Darstellung der Frauencharaktere. Mir kommt es in beiden Serien schlicht realistisch vor: Es wird nur erwähnenswert, wenn man das eigentümliche derzeitige US-amerikanische TV-Abziehbild von Frauen als Massstab anlegt.
Trotz der Schwächen, insbesondere bei Charakterzeichnungen und den clichéhaften Charakteren eine spannende Serie, wenn ich auch nach dem Schauen an den Gegensatz zu "Kolberg" denken musste, der als Propagandafilm
abgestempelt wird. Auf subtile Art und Weise ist er das natürlich auch (im Unterschied zu Occupied - hier haut man mit dem Holzhammer die Bewertung der dramatis personae in die Köpfe des Publikums), aber das Thema "Verteidige die Heimat" und Patriotismus scheint nicht totzukriegen zu sein. Dass amerikanische Filme und Serien, selbst gefeierte wie Homeland (kein Vergleich zum sehr empfehlenswerten Israelischen Original!) diese Thematik bis zum Erbrechen bringen muss ich hoffentlich nicht erwähnen.

Wirklich sehr positiv überrascht hat mich "Bad Banks", eine rasant erzählte deutsche Serie, die man sich noch in der Mediathek anschauen kann.
Auch wenn ich nur für den kleinen Bruder von Banken, also Versicherungen, gearbeitet habe, lässt sich doch sagen, dass die Serie keineswegs so weit von der Realität entfernt ist wie man denken mag. Vielleicht stört mich die Oberflächlichkeit der Charaktere, die Schemenhaftigkeit, die man bei den erfolgreichen Bankern der Serie trifft, deshalb nicht, weil ich viele solche Typen getroffen habe. Unter einer als Professionalismus kaschierten kalten und nüchternen Oberfläche findet sich für solche Leute kein Raum, sich zu hinterfragen und die wenigen Ausflüge in das Innenleben zeigen, dass dort zerrissene Persönlichkeiten lauern. Dass diese Personen bewusst so gezeichnet sind erkennt man an einer Nebenfigur, einer Frau, die einer der Banker kennenlernt und anhand der in einer kurzen Szene die Arroganz und Charakterlosigkeit des Karrierebankers gezeigt wird.
Eigentlich erschreckend, aus was für Charakteren unsere Wirtschaftselite besteht und noch erschreckender, was uns als "Erfolg" verkauft wird (Tolle Wohnung, toller Partner, tolles Auto, viel Geld - alles hohl). Das Tempo der Serie entspricht der Hektik des Alltags dieser bedauernswerten Kreaturen. In den Momenten, in denen die Figuren zur Ruhe zu kommen scheinen wird deutlich, dass dieses Jagen nach Anerkennung Suchtcharakter hat (tatsächlich geht in Projekten oft der Adrenalinspiegel sehr hoch) und manchmal scheint durch, dass sie sich der Armseligkeit ihrer Existenz durchaus bewusst sind. Ausser Jana, der idealistischen Heldin der Serie, die ihre selbst erzeugte Lebenslüge (noch) glaubt und mit grossen Kulleraugen durch die Welt geht und immer weiter nach der Bestätigung jagt, die sie in der Wirtschaft doch nie finden wird. In diesem letzten Moment der Serie ist die einzige Schwäche (Achtung Spoiler!)- Jana scheint zu gewinnen
Fazit: Sehr gelungen und unterhaltsam inszeniert!




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