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Probleme und Scheinprobleme

Die pädagogische oder auch Indoktrinierungswelle der Unterhaltungsindustrie geht mir ja bekanntlich auf den Zeiger.
Dort scheint ein starker Glaube vorzuherrschen, durch das Angebot bestimme man, was gedacht wird — und was richtig ist. Dass dabei nur von der Situation in den USA ausgegangen wird — geschenkt. Dass die Inhalte lächerlich sind. Ebenfalls geschenkt. Was mich wirklich aufregt ist, dass die, grade bei vermeindlich Intellektuellen, Erfolg haben.
Folgt man der Themensetzung scheint es keine wichtigeren Themen als Geschlechtergerechtigkeit, Rassismus, Homophobie und natürlich die allgegenwärtige Bedrohung durch den Islam zu geben. Und neu hinzugekommen ist der scheinbar ach so geliebte alte Feind: Die Russen.
Dumm nur, dass nichts davon wirklich ein Problem ist. Natürlich soll es keine Diskriminierung von Frauen geben — Diskriminierung generell ist zu bekämpfen. Doch gibt es die von Feministinnen beklagte Diskriminierung von Frauen? Tatsächlich ist das meiste, was die Mädels einfordern "gutes Benehmen" und darüber hinaus wollen sie eine Bevorzugung. Wenn Titelrollen nach Geschlecht vergeben werden sollen statt nach Rolle, wenn Führungspositionen in der Wirtschaft oder im Kunst- und Kulturbetrieb nach Geschlecht vergeben werden sollen ist das Diskriminierung und wirderspricht dem Gleichheitsgebot.
Wenn Hollywood mit dem Dampfhammer versucht, Geschichten mit weiblichen Heldinnen zu verkaufen und die fallen an der Kasse durch (wie das grausige Remake von "Ghostbusters") ist das Konsequenz dieser gezwungenen Konstruktion einer Geschichte. Problem von zu wenig Frauen in Titelrollen ist doch vor allem, dass es keine brauchbaren Geschichten gibt. Frauen in Geschichten zu zwingen löst das Problem nicht. Selbst in den 40er und 50er Jahren gab es bereits viele sehr gute Geschichten und erfolgreiche Filme. Hollywood krankt nicht an schwachen Frauenrollen sondern an guten Geschichten. Die Industrie investiert heutzutage viele Millionen Taler in einen Film und versucht, keine Risiken einzugehen, um diese Investitionen wieder zurück zu bekommen. Dadurch entstehen zwangsläufig Filme, die einer beschränkten Anzahl von Strickmustern folgen. Diese Strickmuster sind das Problem — das gleiche Strickmuster zu verwenden und die Rollenclichés umzukehren geht am Problem vorbei. Das Strickmuster zu ändern könnte tatsächlich bereichern. Und wenn dabei brauchbare Frauenrollen gebraucht werden — Bravo!
Was die Feministen tatsächlich beklagen und was tatsächlich ein Problem ist, ist dass es niemals grössere Freiheit gab. Das geht damit einher, dass das starre Regelkorsett der Zeit bis in die 70er und teilweise sogar die 80er nicht mehr gilt. Regeln bedeuten aber auch Sicherheit!
Die Frage, die sich stellt ist also nicht, ob man Frauen noch stärker priviligieren sollte sondern, wie "Anstand" und "Gutes Benehmen" etabliert und durchgesetzt werden können. Oder ob das, was gesellschaftlich erlaubt ist, immer und individuell verschieden neu verhandelt werden muss.


Das gleiche gilt analog für Rassismus. "Ausländer" (oft sind es ja nicht einmal Ausländer — Özil ist kein Ausländer!  Viele als Türken oder Yugos angefeindete Mitbürger sind keine Ausländer) sind nicht das Problem. Die Hautfarbe ist auch selten wirklich ein Problem — man braucht evtl. etwas Zeit. um sich an dunkelhäutige Menschen oder Menschen mit Kopftuch zu gewöhnen. Das stört vielleicht etwas das Vertraute. Aber wirklich ein Problem? Das sind alles Menschen wie Du und ich. Das Problem mit ihnen wird künstlich gemacht und geschaffen. Das tatsächliche Problem ist Wohlstandsverteilung. Und in enger Verbindung dazu steht die Bildung: sowohl die Chancen auf Bildung und als auch das Ausbildungsniveau selbst.

Der Islam — Religion generell — sollte für den modernen Staat keine Rolle spielen. Tatsächlich bedeutet die Trennung von Kirche und Staat aber auch, dass Menschen in zwei (mindestens 2) verschieden organisierten Sozialgemeinschaften ("Lebenswelten", Husserl)  leben. Die christliche oder muslimische Welt organisiert ihr Leben rund um ihre Religion. Weihnachten ist ein Beispiel aus der christlichen Welt: Davor kommt der Kaufrausch, dann das Fest selbst mit all seinen Gebräuchen, Juden haben ihre kollektiven Bräuche, Muslime genauso. Wie stark unsere moderne westliche Welt immer noch mit dem christlichen Glauben verknüpft ist ist bemerkenswert, Das war solange kein Problem, solange es keine nennenswerte Anzahl andersgläubiger Menschen in der Gemeinschaft gab. Nun gibt es Parallelgesellschaften zur christlichen Mehrheit. Das hat bereits bei Juden, Sinti und Roma schon in alter Zeit zur Ausgrenzung, sprich Diskriminierung, geführt. Die Versuche, die Organisation eines Gemeinwesens unabhängig von der religiösen Tradition, vom religiösen Leben zu gestalten sind bislang nur mässig erfolgreich. Hier gibt es tatsächlich ein Problem — die Ökumene könnte ein Beispiel geben, wenn sie muslimisches und jüdisches Leben mit aufnehmen würde und man diese Religionsgemeinschaften nicht immer noch ausgrenzen würde.
Dass der Islam tatsächlich "böse" sei und Terroristen gebären würde und die Lebensweise von Muslimen in Europa nicht ginge, ist so weitab jeder Vernunft, dass ich mir eine Beschäftigung an dieser Stelle schenke. Wie es kommt, dass in der Türkei, selbst in Saudi-Arabien Menschen friedlich und harmonisch zusammenleben, wenn die Vorurteile stimmen würden mag als Hinweis genügen. Auch die Millionen Türken oder muslimischen Yugos, die bei uns voll assimiliert leben sollten Beweis sein, dass an dieser Behauptung nichts dran ist.
Der Islam ist also nicht das Problem. Warum wird er also zu einem Problem gemacht? Es ist oben angedeutet: Mangelhafte Integration ist wahrscheinlich der Schlüssel.
Auf weltpolitischer Ebene kommt hinzu, dass Öl immer noch vor allem in Weltregionen gefördert wird, die überwiegend von Muslimen bewohnt sind. Und unser Reichtum wesentlich auch aus der Ausbeutung unter anderem von Energie beruht, die in der Erdgeschichte in Form von Kohle, Öl oder Gas konserviert wurde.

Folge der segmentierten, gruppenbezogenen Betrachtung der Probleme sind nicht nur ungeeignete Lösungsansätze, sondern auch die immer stärker zu beobachtende Insel-Mentalität auf den unterschiedlichsten Ebenen: "Wir" gegen "Sie": Deutsche gegen Ausländer, Amis gegen den Rest der Welt, Christen gegen Muslime, Männer gegen Frauen — aber nie reich gegen arm! Was aber das eigentliche Problem ist.

Oben bereits angedeutet wurde "Ausbeutung" als Problem. Ausbeutung passiert durch Reiche von Armen und von sich in der Erdgeschichte angelagerten Werten: Seien es Mineralien, sei es Öl, seien es Metalle.
Ausbeutung ist eine menschliche Eigenschaft. Schon der Mammutjäger entnahm der Natur etwas, um sich selbst zu erhalten. Problematisch wird Ausbeutung dann, wenn sich der Ausgebeutete nicht mehr regenerieren kann, die Jäger also mehr Mammuts erlegen als neue nachwachsen. Das führt im ersten Schritt zum Aussterben der Mammuts und in Folge bekommen auch die Mammutjäger Probleme und müssen sich eine neue Jagdbeute suchen. Das geht solange gut, solange es etwas gibt, wohin man ausweichen kann. Irgendwann sind diese Möglichkeiten aufgebraucht. Diese Zeit sehen viele, so auch ich, als bald erreicht. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Menschheit beschränkt sich darauf, nicht mehr zu entnehmen als sich regenerieren kann oder man schlägt sich gegenseitig die Köpfe ein, um sich in Konkurrenz mit anderen die knappen noch verbleibenden Resourcen zu sichern. Die USA folgen dem letztgenannten Weg. Nicht sehr zivilisiert — klar! Und naheliegenderweise auch nur von aufschiebender Wirkung natürlich!
Tatsächlich sind die Versuche der Weltgemeinschaft, eine kooperative Lösung der Menschheitsprobleme herbeizuführen ("Klimagipfel") bislang wenig effektiv. Und die Zeit drängt. Aber es führt kein Weg daran vorbei, wenn sich die Menschheit nicht selbst auslöschen will.

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