Sport ist Mord

Gestern bin ich durch Zufall mal wieder bei Lanz hängen geblieben.
Eigentlich ist mir der Typ zu schleimig, doch habe ich zugeschaltet, als Waldi Hartmann über die deutsche Fussball-Nati gelästert hat. Das weckte mein Interesse und die zwei Sportler, ein Fussball-Profi und eine Teilnehmerin der Paralympics, überzeugten. Dass Sportler nahezu zwangsweise doof sind ist sicher ein Vorurteil, welches ich natürlich immer wieder bestätigt bekomme. Nicht, dass sie nicht intelligent sein können! Oder eloquent. Oder ... In aller Regel, zumindest jedoch sehr häufig bedeutet die übertriebene Sportbegeisterung eine Reduzierung. Wenn man Sport treibt bleibt nicht viel Zeit für anderes. Dazu noch hormonelle Auswirkungen des Sports (Ausschüttung von Endorphinen) und der Effekt ist da. Dazu kommt natürlich noch, dass sich hartnäckig das Gerücht hält, Sport sei gesund. Natürlich bewegen sich die meisten von uns zu wenig und die Art zu leben, die wir etabliert haben, ist schlicht unnatürlich. Das lässt sich durch Sport, zumindest teilweise, kompensieren.
Viele Hobbysportler transportieren allerdings das sie umgebende, alltägliche Leistungsdenken auch in die Freizeit. Da lässt sich Sport natürlich trefflich für missbrauchen. Statt einer Oase, um dem Stress zu entfliehen wird auch die Freizeit verwendet, um Adrenalin zu produzieren — man fühlt sich an Crush aus "Findet Nemo" erinnert ("Du bist ein echter Adrenalinjunkie, Dude"). Das Hochgefühl nach vollbrachter Leistung scheint die Sportbegeisterten zu bestätigen. Nun soll jeder machen, was er will. Wer Sport treiben will soll das ruhig tun. In Massen ist es auch sicher gesund, sich zu bewegen und unterstützt den Kampf gegen Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen etc. Zusätzlich hat er einen sozialen Aspekt. 

Sportverletzungen kosten jährlich ca. 1,6 Milliarden Euro. Von den 23 Millionen sporttreibenden Deutschen verletzen sich jährlich 1,5 Millionen so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen. Natürlich soll das Unfallrisiko niemanden dazu verleiten, keinen Sport zu treiben. Untersucht wird nun nicht, wie intensiv und warum die Leute Sport treiben — ob dieses "an die Grenzen gehen"  Motivation ist oder ob Sport in einem vernünftigen Rahmen betrieben wird. Untersucht wird, welcher Sport die grösste Unfallhäufigkeit hat — welch Wunder: In Deutschland ist es bei Männern der Fussball (bei Frauen der Handball). Wie aussagekräftig eine solche Erhebung ist sollte evident sein. Tatsächlich gibt es Sportarten, die ohne ein grösseres Verletzungsrisiko kaum zu betreiben sind, zum Beispiel Skifahren. Wesentlichen Anteil am Risiko hat aber die Motivation, mit der der Sport betrieben wird. 

Risiko von Sportverletzungen (Quelle: https://www.researchgate.net/publication/281743401_Sportverletzungen_in_Deutschland)

Was ist ein vernünftiger Rahmen?

Skeptisch stimmt mich, dass Sport ein grosses Geschäft mit 17 Milliarden Euro Umsatz jährlich ist. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass Kapitalisten mir Gesundes andrehen wollen. Die Tendenz wird aber in jedem Fall dahin gehen, mir Sportutensilien eher als positiv verkaufen zu wollen, ohne meine individuelle Situation zu berücksichtigen. Das ist meine Aufgabe. Wie es eigentlich immer meine Aufgabe ist, mich gegen Werbung zu wehren. Im Umfeld von Sport wird es halt gerne mit dem "Aber es ist doch gesund" tot geschlagen. Diese uneingeschränkt positive Bewertung von Sport ist ein Dogma, welches nicht hinterfragt wird. Die Sinnhaftigkeit dieser Ideologie zu hinterfragen hat etwas Blasphemisches. Tatsächlich ist es auch heikel, da es das Mass ist, was den Sinn pervertiert. Würden und könnten wir unseren Alltag an dem ausrichten, was gesund ist wäre Sport nicht notwendig. Dass unsere abartige Art zu leben diese Kompensation notwendig macht ist die erste Perversität. Dass der Leistungsgedanke in die Freizeit übertragen wird der zweite. Die Ideologie, die quasireligiöse Verehrung für Gott Sport ist das Dritte. Die daraus folgende Vermarktung das Vierte ... 

Da es hier um gesundes Leben geht ist mein Appell sicher nicht gegen Sport gerichtet, sondern ich möchte dazu plädieren, einen vernünftigen Umgang zu finden. 

Mein eigener Ansatz beim Versuch, Pfunde zu verlieren, die vor allem durch das Aufhören mit Rauchen entstanden sind ist, natürliche Bewegungsmöglichkeiten wieder herzustellen. Im Alltag Helferlein, die zur (Bewegungs-) Faulheit verführten zu meiden. Das bedeutet, die Beine und Fahrrad statt Auto benutzen. Im Büro nicht nur zu sitzen, sondern Gelegenheiten, sich zu bewegen wahrzunehmen. Das klingt alles viel leichter als es in Wirklichkeit ist, da es mit Umstellungen von Gewohnheiten verbunden ist. Und den inneren Schweinehund zu überwinden ist sehr schwer! 

der innere Schweinehund ist schon süss
ohne Kampf geht es nicht


Error

default userpic

Your reply will be screened

Your IP address will be recorded 

When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.