Regen, Schmerzen, also TV: Taboo, da Vinci's Demons

Langsam trudeln die letzten Filme meiner Frühjahrsexkursionen und — ferien ein. Vollkommen aus dem Zusammenhang hatte ich in Arolsen dieses Foto gemacht

Pentax 645N, Fuji Provia 100

Mich hat dieses Motiv aus mehren Gründen angesprochen: Das verblassende "Rosenthal Foto-Studio", das wunderbar altertümliche Schild über dem Eingang mit der antiquierten Schreibweise Color-Labor (selbst der Deppen-Bindestrich ;-) trägt hier zu meinem Gefallen bei). Für mich selbst war es natürlich auch lustig, auf Fujifilm eine Kodak-Werbung zu fotographieren.

Pentax 645N, Fuji Velvia 50, OW im April 2018

Die jährlichen Unwetter kommen dieses Jahr also im Juni. In der Folge bringen sie ein leicht abgeändertes Abendprogramm mit sich. Ich verspüre deutlich weniger Lust zu lesen und die allgemeine Stimmung ist etwas bedeckt. Dazu kommen einige lästige Beschwerden, über die man selten bis gar nicht spricht, die wohl zum Altern dazu gehören: Irgendwann tut das ein oder andere weh: In meinem Fall handelt es sich um das mir megapeinliche Rheuma (was ja nur alte Leute haben und bekommen). Dass das so weh tut hätte ich nicht gedacht. Nun tja: Jedenfalls verführt das dazu, sich vom TV berieseln zu lassen.
Hierzu habe ich mir zwei TV-Serien ausgesucht (und noch 2 in Petto — das miese Wetter soll schliesslich weitergehen).

Taboo

BBC produziert oft sehenswerte Serien nach meinem Geschmack. Das erzeugte bei mir eine positive Grundeinstellung. Die Fotographie der Serie ist denn auch sehr gelungen, von einigen Einstellungen abgesehen, die ein bisschen aussahen als hätte man einen Instagram-Filter drübergelegt.
Die Handlung ist diffus und wirkt wie aus einem Baukasten zusammengesetzt, bei dem der Autor hofft, die gewählten Elemente werden zum Schluss schon irgendwie eine Geschichte ergeben (Schwule, Inzest, Abenteuer, Outlaw, Kapitalismuskritik, ...) — tatsächlich herausgekommen ist etwas, was irgendwie schon spannend ist, bei dem ich mich aber die ganze Zeit fragte, was denn nun eigentlich die Handlung ist: Der Protagonist setzt sich im Konflikt mit der Ostindien-Company vor dem Hintergrund des 2.Unabhängigkeitskrieges 1812 (die Handlung spielt 1814) mit seinem Erbanspruch durch. Das kommt mir etwas wenig vor — wenn die Details nicht arg bemüht aus dem Baukasten zusammengesetzt wären und zumindest diese mehr als einen Griff in die Clichékiste bieten würden wäre das zu verschmerzen, doch die Autoren der Serie verpassen es, mehr als das Cliché zu bieten, so dass hier eine deutliche Einbusse am Sehvergnügen stattfindet.
Die schauspielerische Qualität ist sehr hoch, abgesehen von Tom Hardy, der mir zu sehr das Cliché darstellt und mir zu bemüht gegen die schwache Anlage seines Charakters anspielt (der Typus "cooler Held" kann nur selten schauspielerisch auftrumpfen).
Dass ich mich glänzend unterhalten habe, erstaunt mich vor diesem Hintergrund. Aus einem mir unerfindlichen Grund funktioniert die Serie einfach und entzieht sich einer objektiven Kritik. In einer objektiven Bewertung würde ich etwa 2 von 5 Punkten vergeben, vom Unterhaltungswert her hatte ich 4 von 5.
Als Fazit würde ich empfehlen, sich die Serie anzuschaun und sich selbst ein Bild zu machen.


Da Vinci's Demons

Hier handelt ess sich um eine Serie, die fantasievoll mit Anleihen bei der historischen Person Leonardo da Vinci Unterhaltungsfernsehen produziert.
Die Anzahl an Nackt- und Sexszenen lässt HBO als Auftraggeber vermuten, tatsächlich handelt es sich aber um eine Co-Produktion der BBC mit dem amerikanischen Kabelsender Spark. 

Einige gestaltende Elemente erinnern an Sherlock, die erfolgreiche Serie der BBC, die fotographische und optische Gestaltung ist meiner Meinung nach im Grossen und Ganzen gelungen. Wenig ist innovativ, wenig überrascht, aber störende Elemente sind mir auch keine aufgefallen.
Darstellerisch werden die Schauspieler nicht wirklich gefordert, da die Geschichte sehr banal ist (da Vinci sucht ein Buch). Auch hier wird eine banale Geschichte mit zur Zeit angesagten Elementen aus dem Baukasten ergänzt, dazu noch viel nackte Haut und explizite Gewaltdarstellung und fertig ist ein Serienkonzept. Die Anlehnung an eine historische Gestalt (da Vinci) geschieht dabei analog der Anlehnung an Doyles Sherlock in der gleichnamigen Serie: Begriffe und Elemente werden benutzt, aber vollkommen aus dem Kontext der wirklichen Geschichte (einmal die von Doyle, das andere Mal der wirklichen Vita da Vincis) gerissen. Funktioniert Taboo überraschenderweise so stellt Da Vinci's Demons für mich eine Serie aus dem Baukasten für die übliche Serienproduktion aus den USA dar. Titten und explizite Gewalt machen eine Serie nur im prüden Amerika zu etwas Besonderem, so dass die Serie mich nicht überzeugt. Fazit: Bestenfalls als Einschlafhilfe zu gebrauchen.


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