Aus meinem Bücherregal

Während ich unterwegs war hatte ich als Unterhaltung einige Bücher mit, die ich gerne vorstellen mag:

Kazuo Ishiguro Der begrabene Riese

Der aktuelle Literatur-Nobelpreisträger legt mit diesem Buch eine fantasievolle, poetisch geschriebene Easy Rider Geschichte aus dem Britannien der Zeit zwischen dem Abzug der Römer und der Artus-Sage vor.

Die aktuelleren Nobelpreisträger hatten mich üblicherweise literarisch nicht überzeugt, so war ich sehr gespannt auf Ishiguros Werk, nachdem ich die fantastische Verfilmung von Was vom Tage übrig blieb mit Anthony Hopkins und Emma Thompson gesehen hatte. Dieser Film bot Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Der Erzählstil Ishiguros ist sicher nicht jedermanns Sache. In einem Buch über das Vergessen, in einem Buch, das den leichten und lichten Nebel thematisiert, der mit der Thematik des Vergessens korrespondiert wird auch die Sprache und die Atmosphäre sich darauf einlassen. Das macht das Einlesen in das Buch nicht einfach. Es hat viel von einer Easy Rider Ballade, die im 5. Jahrhundert angesiedelt ist.
Sicher handelt es sich um keinen einfachen Stoff, doch wenn man sich erst einmal eingelesen hat wird man belohnt und bereut den etwas mühsamen Start keineswegs. Empfohlen für Leser mit Kondition und  Freude an fantastischer, niveuvoller Unterhaltung. 


Oliver Bottini: Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

Bottini scheint ein bekannter Autor von anspruchsvolleren Krimis zu sein. Dieses Buch war dennoch mein erstes von ihm. Ich muss dazu sagen, dass ich zwar immer mal wieder Krimis gelesen habe, sie aber prinzipiell nicht als ernstzunehmende Lektüre betrachtet hatte. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert.
In Zeiten, in denen Kinder- und Jugendbücher ernsthaft besprochen werden und oft auch wirklich sehr gut sind (Neil Gaiman! oder  Carlos Ruiz Zafón!) sind meine Vorurteile bezüglich Genre-Qualitäten nicht länger haltbar. Wenn sie es je waren. Es gab früher schliesslich bereits Agatha Christie, deren Werke durchaus eine gewisse literarische Qualität besassen. Oder A.C.Doyles Sherlock Holmes, die man zur Weltliteratur zählen darf.

Die sprachliche Qualität des Buches ist sehr hoch. Bottini kann deutsch — leider muss ich das heutzutage und nach einigen schlecht übersetzten oder schlecht oder gar nicht lekturierten Büchern hervorheben. Dabei wirkt seine Sprache dem Thema angemessen. Die Sätze sind korrekt gebildet und unterstreichen die jeweilige Stimmung der geschilderten Szene. Bottini beherrscht das "Wie" des Erzählens — zumindest im Krimi-Genre.
An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, Bottini musste der Versuchung, in Traumsequenzen oder Fantastereien abzuschweifen mühsam widerstehen. Das Gelang ihm! Was mich oft an S. Kings Büchern stört, das unnatürliche Psychologisieren und Abschweifen in Traumsequenzen, die wie Fremdkörper im Text stehen ist vermieden und die Handlung leibt dadurch straff und man hat beim Lesen nie das Gefühl, man können nun ein paar Seiten überspringen, ohne etwas Wesentliches zu Verpassen.
Die Handlung ist aktuell im Rumänien und MVP der 2010er Jahre angesiedelt und hat auch kritische Bezüge zu Problemen der Gegenwart in beiden Ländern, ohne mit erhobenem Zeigefinger Lösungen zu postulieren.
Die Figuren könnte man sich etwas tiefer gezeichnet vorstellen, was aber evtl. den zügigen, kompakten Erzählstil Bottinis gebrochen hätte.

Kurz: Es handelt sich um einen gut geschriebenen Krimi, den man sehr gut und flüssig lesen kann. Ein Buch, das hervorragend auf hohem Niveau unterhält. Perfekte Ferienlektüre!

Umberto Eco: Der Friedhof in Paris

Seit dem überwältigenden Der Name der Rose, dem wohl erfolgreichsten und bekanntesten Roman des Semiotik-Professors Umberto Eco bin ich Fan seiner Bücher. Aus mir nun unerfindlichen Gründen ging ich davon aus, er schreibe nicht mehr. Inzwischen ist er leider wirklich verstorben.
Mehr zufällig bin ich eines besseren belehrt worden und kann nun posthum die zwei mir bislang unbekannten Werke Ecos geniessen.

Begonnen habe ich mit diesem Buch, da der Beth Chaim, der Friedhof in Prag, auch in Wilhem Raabes Holunderblüte eine entscheidene Rolle spielt. Das ist nun eine der Geschichten, die mich sehr stark beeinflusst hat und die ich sicher schon ein dutzend Mal gelesen habe. 

Man kann zu dem Buch nicht sehr viel sagen, ohne zu spoilern.
Ungewohnt humorvoll geht Eco sein Thema an und in Rants gegen allerlei Völker und Religionen werden die Vorurteile, eigentlich sogar die Begrifflichkeiten von Religion und Nation benannt und alleine durch ihre Widersprüchlichkeit zerlegt. Das macht grossen Spass zu lesen. Die streitlustigen Dialoge der gespaltenen Persönlichkeit im Buch (es treten 3 Personen auf, die gemeinsam in Folge versuchen, die Historie der Hauptperson zu ergründen. Recht bald entsteht der Verdacht, es könne sich um ein und dieselbe Person handeln, die in drei Persönlichkeiten auftritt) sind eine sehr unterhaltsame Unterbrechung der eigentlichen Handlung, die sich exemplarisch um eine Verschwörungstheorie dreht. Eine, die es tatsächlich gab; die der "Protokolle der Weisen von Zion". Nebenbei lernt man viel über Verschwörungstheorien im Allgemeinen und Speziellen. Das Ganze ist noch sehr unterhaltsam in eine Geschichte gepackt. Ein grossartiges Buch! Leseempfehlung für alle!

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