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Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


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Eine andere Sicht auf das Urheberrecht
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Auf dem Bildblog las ich vom Versuch eines deutschen Fotographen, den Abmahnwahnsinn, den das deutsche (und in ähnlicher Ausrichtung weitverbreitete) Urheberrecht (Copyright) bei Anwendung im Internet verursacht, auf die Schweiz anzuwenden. Dieser Versuch scheiterte grandios.
Spannend fand ich in diesem Zusammenhang vor allem, dass eine andere Sicht auf das Urheberrecht möglich ist. Gefreut hat mich, dass sie hier in der Schweiz geltendes Recht ist.
Der Abmahnwahn entsteht dadurch, dass sich düstere Charaktere zusammentun und sich die Unmöglichkeit zunutze machen, das Lizenzwirrwarr im Internet zu kennen und zu verstehen. Einzig rechtssichere Möglichkeit, im Internet zu publizieren ist - nichts zu publizieren. Ich bekam bei der Verwendung von Kompositionen seit jahrhunderten verstorbener Musiker schon Urheberrechtshinweise. So weit ich weiss steht "Happy Birthday" immer noch unter Urheberrecht, genauso Songs wie das Kufsteinerlied, welche von den meisten als (schlechtes) Volkslied angesehen würde. Daneben gibt es feine Unterschiede in den Fristen, je nachdem wo man sich auf dem Globus befindet. Weiterhin gibt es Länder, die es Erlauben, die Urheberschaft abzutreten, was dazu führt, dass einige amerikanische Künstler ihre eigene Musik nicht auf ihrem YouTube-Kanal vewerben dürfen.
Der gesamte Zustand wird weithin als unbefriedigend empfunden. Künstler verspüren den Wunsch, das Internet als Plattform zu verwenden und Geld damit zu verdienen (das hatte ursprünglich wohl mit Tauschbörsen a la Napster zu tun und den schwindenden Umsätzen der Musikindustrie) während viele Nutzer meinen, das Internet sei ein mehr oder weniger rechtsfreier Raum - man merkt das auch an vielen Kommentaren, bei denen sich Benutzer gross und nicht an die einfachsten Anstandsregeln gebunden fühlen. Wahrscheinlich, weil sie glauben, sie seien anonym unterwegs.
Das Problem mit Immaterialgut ist normalerweise über Lizensierungen gelöst. Problematisch an dem ganzen Thema sind Feststellung und Durchsetzung - was ist ein solches Gut? kann man noch beantworten. Aber ein John Dowland oder Basti Bach werden Rechte an ihren Kompositionen kaum mehr einklagen können. Dort haben wir schon ein erstes Problem: was soll der Unsinn mit der Vererbbarkeit von Rechten an geistigem Eigentum? Ist der Geist, der das Werk schuf erloschen kann es kein Eigentum mehr geben, oder?
Dann gibt es aber so etwas wie Aufnahmen - Schallplatten oder CDs von Konzerten. Die Interpretation von Werken kann als Kunst gelten. Schafft die Fixierung dieser Kunst aber ein eigenständiges Kunstwerk? Das ist schon heikler, oder? Also als konkretes Beispiel: Wenn ich Yesterday von den Beatles spiele (auf der Laute) ist klar, dass Lennon/McCartney die Komponisten waren (bzw. deren Rechtsnachfolger - die Rechte an den Kompositionen hatten sie an Michael Jackson verkauft. wer sie jetzt inne hat weiss ich nicht. Nach Deutschem Recht könnten sie meines Wissens nur die Verwertung verkaufen. Im Amiland wohl alle Rechte. Was M.Jackson dort erworben hatte ist also anhand der Presseberichte, die ich kenne, nicht klar). McCartney lebt noch, John Lennon ist nun seit fast 40 Jahren tot. Schon hier könnten Fristen zum Zuge kommen, der gewöhnliche Sterbliche würde das Lied, was wohl eines der bekanntesten Popsongs überhaupt ist, einem Volkslied gleichstellen. Ist es aber nicht - wenn ich es spiele brauche ich die Genehmigung. Aber von wem? Die Beatles haben die Rechte an M.Jackson verkauft, der ist auch tot. Und was soll das überhaupt? Dafür wurden dann Verwertungsgesellschaften gegründet, in Deutschland die GEMA. Bei denen muss man sich melden, wenn man Musik öffentlich darbietet. Meldet man sich nicht wird unterstellt, dass man betrügt (noch ein kritischer Punkt).
Meine Interpretation ist nun auch ein eigenes Kunstwerk, das ebenfalls dem Urheberrecht unterliegt und so weiter. Letzten Endes bedeutet das, jedes Stück Code, jede Musik, die irgendwo erklingt, jeder Text, den man zitiert - kurzum jedes Immaterialgut - wird in irgendeiner Form mit Rechten behaftet sein.

Nun gab es schlaue Köpfe, die meinten man könne einfach auf seine Rechte verzichten und es entstanden Unmengen an "Creative Commons"-Lizenzmodellen. Im oben erwähnten Rechtsstreit ging es um ein solches Foto, bei dem die Verwendung unter Bedingungen gebührenfrei gestattet wurde.
Das ändert aber nichts an dem Problem.
Es fügt den Möglichkeiten nur eine weitere hinzu - und angesichts der internationalen Dimension und den schier unendlichen Möglichkeiten kommt es immer zu Einzelfallbetrachtungen. Es muss jeder Einzelfall betrachtet werden - und das verletzt meiner laienhaften Meinung nach ein Rechtsprinzip, wonach ein Gesetz allgemein zu sein hat. So etwas wie das Lex van der Lubbe sollte es in einem Rechtsstaat nicht geben.

Wie also mit Urheberrechten umgehen?                                                                                                                                                                                

Eine neue Berner Übereinkunft muss her!
Ich finde, ein "Copyright Office" sollte eingerichtet werden, bei dem jedes Werk registriert werden kann, welches man urheberrechtlich schützen will. Dort eingetragene Werke erhalten eine Markierung wie das Copyright-Zeichen + einem Datum.
Dieses Recht sollte zeitlich beschränkt in Bezug auf die Eintragung sein, also die "Eintragung 2018" bedeutet dann, das Werk ist beispielsweise 2043 frei. Die bisherige Reglung ist Unfug!
Für die Eintragung kann eine Gebühr erhoben werden
Derjenige, der es unterlässt, eine vorhandene Eintragung zu kennzeichnen ist für die missbräuchliche Verwendung geschützter Werke verantwortlich

Eine solche Regelung würde für alle Rechtsicherheit bedeuten, dem Abmahnunsinn würde gestoppt und für komerzielle Anbieter keinen Nachteil bedeuten. Im Wesentlichen bleibt für Plattenlabels, Softwarehersteller etc. alles, wie bisher.



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Ich glaube, zu Happy Birthday gab es 'mal eine Entscheidung vor ein paar Jahren, die den Urheberrechtsstatus für nichtig erklärt hat bzw. nicht bestätigt. Das ist aber schon etwas her... Müsste man erst nach suchen.
Der Fall war aber einer der deutlich kurioseren, wo wohl niemand gedacht hätte, dass da irgendein Copyright drauf liegen könnte (geschweigedenn, dass es sogar noch gültig sein könnte).
Naja, typisch amerikanisches Copyright-System... Wenn da einer vor 150 Jahren etwas angemeldet hat, insofern es kommerziell verwertbar war, gilt das Ganze noch heute als urheberrechtlich geschützt, weil irgendeine Firma nachträglich die Vertriebsrechte aufgekauft oder verlängert hat (bei Filmen geht das wohl indem, dass man mit den Rechten einfach etwas macht - so z. B. zu einem Film eine Fortsetzung drehen).
Monopoly und Parker Brothers dürfte wohl auch bekannt sein, oder "Mensch ärgere dich nicht".
Wenn man sich die Muster der Vorgänge jeweils genauer anschaut, ergibt sich einem auch der Eindruck als wenn das heutige weltweit gängige Copyright-System im wesentlichen von dem amerikanischen Modell abgeleitet wurde. Weil - nationale Abweichungen wie z. B. für das Internetzeitalter oder wesentlich verkürztere Auslaufzeiten des Eigentumsrechts sind doch eher die Ausnahme, respektive Mangelware.
Und wenn sie nicht auslaufen, dann erben irgendwelche Kinder und Enkel die Rechte (Ehepartner hätte man ja noch Verständnis für, weil diese evtl. das geistige Erbe noch im Sinne des Verstorbenen verwalten aufgrund der besonderen Bindung zu einander; anders als erwachsene Kinder oder weiter weg liegende Verwandte, die keinen täglichen Umgang mit der Person hatten).

Ein bisschen was dazu konnte man lernen im Zuge mit dem Auslauf der Rechte auf diesen "netten Bestseller" von einem österreichischen Landstreicher, er es zum großdeutschen Diktator mal geschafft hatte.

Was mir noch einfällt als Sonderfall (muss es sein): Z. B. jegliches, was von Karl May geschrieben wurde.
In Foren ist das sowas wie ein stetiger Begleiter in den Erläuterungen zur Copyright-Wahrung in den AGBs, dass Leute bitte keine Zitate von Karl May bringen sollen, das wird konsequent und ohne Vorwarnung gelöscht.
Erklärung dazu war bisher noch nie irgendwo groß zu sehen, aber man kann sich seine eigene basteln: Zu Ost-Zeiten hielt sich hartnäckig das Gerücht Karl May Sachen seien verboten.
Wenn man dieses Detail von heute dazu sieht und ein klein wenig Ahnung mittlerweile von diesem Copyright-Chaos hat, dann kommt es eher mehr dazu hin, dass Karl May einfach nur jedes Mal kostet. Und für die Verhältnisse zu Ost-Zeiten, wo keine DDR-Mark im Ausland angenommen wurde - weil war per Dekret der USA nicht - war Karl May einfach nur verflucht teuer (!).
Wenn heutzutage allerdings noch solche Hinweise gängig sind, bitte nichts von ihm zu zitieren, dann scheint da ja auch heute noch irgendein Verwertungsrecht drauf zu bestehen. D. h. das war über lange, lange Zeit genau so aktiv; hatte nur irgendjemand privat recht wenig Berührung mit. Was heute mit dem Copyright-Chaos ein wenig anders geworden ist...

Historisch gesehen stammt die Idee eines Urheberrechts aus Europa, von Victor Hugo, also einem Franzosen. Der sah aber weniger die kommerzielle Seite sondern eher die korrekte Zuordnung eines Werks zu seinem Urheber.
Es dauerte dann noch etwas, bis man sich international einigte (immer noch ohne die Amis). Das war erst Anfang des 20.Jahrhunderts.

Das amerikanische System hat Vorteile, "Fair Use" zum Beispiel. Das geht schon weit über das Zitaterecht in Deutschland hinaus.

Die Fristen in Europa wurden übrigens nochmal verlängert - auf satte 90 Jahre. Meiner Meinung nach ein himmelschreiender Blödsinn. Jedes der Milliarden Fotos wird dadurch geschützt, jedes Landser- oder Julia-Heftchen. Wer braucht darauf einen Urheberschutz?
Das aktuelle System war schon immer Dünnsinn. Eigentlich haben wohl nur Springer und Konsorten Interesse daran, es zu bewahren, um so etwas wie Presseschauen zu verhindern. Dass deswegen niemand eine Zeitung mehr kauft kommt ihnen nicht in den Sinn. Klar lebt auch jemand wie Bohlen gut davon. Ist mir ja recht. Und Springer könnte nach meinem Modell jeden Artikel urheberrechtlich schützen lassen. Das würde halt kosten.

Ist ja interessant mit Karl May. Den Verlag in Radebeul gibt es doch schon ewig. Wenn ich mich recht entsinne, ist Charly 1912 gestorben. Das bedeutet, das Urheberrecht müsste spätestens Ende 1987 ausgelaufen sein.
Während des Studiums habe ich gelernt, dass die Texte posthum stark bearbeitet wurden. Die Originaltexte waren doch arg rassisch und chauvinistisch. Vermutlich hat sich der Karl-May-Verlag auf diese Bearbeitungen gestützt. Das ist eben das mit den Interpretationen, die ihrerseits dann auch wieder schutzwürdig sind.
Du siehst aber - es ist undurchschaubar. Und ich meine, das ist Absicht. Der verlinkte Fall von dem Versuch, in der Schweiz eine Urheberrechtsverletzung eines freien Werks durchzusetzen beruht ja, wie die ganze Abmahnerei auf dem Rechtechaos. Ich denke, da hätte man gute Chancen, das Gesetz zu kippen, da es nicht zu befolgen ist - selbst wenn man sich Mühe gäbe. Allerdings braucht man dazu Geld, Nerven und gute Anwälte. Für so einen Streit sind die eingeklagten Beträge dann zu gering. Und die Befürchtung wäre, dass das dann am Ende unter Verweis auf EU-Recht abgeschmettert würde.

Dass die Ost-Mark nicht konvertierbar war, genauso wenig wie der Rubel oder andere Ost-Währungen liegt daran,d ass die sozialistischen Staaten nicht am internationalen Währungsmarkt teilnahmen. Das war kein Diktat der USA, das war wohl eher Notwendigkeit im sozialistischen System. Du kannst nicht Sozialismus spielen und dann am Markt teilnehmen - ausser Du bist China.

Stimmt, Fair Use ist 'was, was komischerweise bei den Amerikanern existiert und bisher auch so bestehen bleiben darf.
So eine Regelung wünscht man sich hier regelrecht, damit das Affentheater um "irgendwas zugänglich machen, was man nicht darf" damit vom Tisch wäre. (Nehme aber an, auch das wird irgendwo seine Grenzen haben.)

Welche Ursprünge diese Art Copyrightsystem noch weiter in Europa hat, darüber bin ich dann auch nicht so weit im Bilde (wäre viel Nachforschen, denke ich).
Das kommerzielle Verständnis darum, was heutzutage herrscht, scheint aber doch sehr von den großen Konzernen aus Amerika geprägt. Erfunden haben sie die Sache vielleicht nicht (weil alles, als nach Amerika einst getragen wurde, kam 'mal urpsrünglich aus Europa), die große kommerzielle Auswertung von irgendwas hat aber irgendwo da mal angefangen. Umsonst können nicht Produkte und Marken, die heute noch existieren, den Weltmarkt dominieren und andere aufkaufen, wenn nicht jemand ein System für geistiges Eigentum bei sich schon früh installiert hätte, mit dem sich Konkurrenz auf Distanz zu halten geht, obwohl sie selbst genausoein Subjekt sind, was aufgekauft und eliminiert werden kann...

90 Jahre?! Und dabei wird doch eigentlich immer darüber philosophiert, dass die 70 Jahre, die bisher galten, in der modernen Zeit schon viel zu lang sind, weil sich die Kulturspirale von Kreation und Widerverwendung immer schneller dreht!
...Kannst mir glauben, dabei geht es im Wesentlichen nur um "Erfindungen schützen", Know-how, vielleicht auch noch kulturelles Gut, für die jetzigen inhabenden Firmen, die damit Geld verdienen, ihre Geld-verdien-Masche auf die nächsten Jahrzehnte weiterhin abzusichern. Nichts weiter.
Um irgendeinen kleinen Künstler oder Erfinder geht es dabei nur beiläufig, damit man etwas hat, um seine Wohltätigkeit gegenüber diesen vorzugaukeln. Im Wesentlichen geht es nur darum, dass die großen Firmen, die Know-How horten (mittlerweile zielgerichtet), auch in den nächsten Jahrzehnten Geld verdienen können durch Nichtstun - dadurch, dass sie die Hand aufhalten, wenn jemand etwas basierend auf ihren Patenten und Urheberrechten irgendetwas neues schafft.

Die Hintergründe konkret zu Karl May kenne ich dazu auch nicht, das ist erst mal nur, was sich mir selbst ergibt.
Das mit dem Spruch in Forenregeln denke ich mir aber nicht aus! Das kommt da regelmäßig drinnen vor. Irgendwas wird da also schon sein. Seltsam eben auch daran, dass selbst das Zitatrecht da nicht gilt oder lieber nicht angewandt wird! (Vielleicht gab's mal einen Rechtsfall, der darauf passt?)
Ich meine auch 'mal gehört zu haben, mit der ursprünglichen Geschichte zu Peter Pan war auch irgendwas. Dass irgendein (Kinder?-)Krankenhaus im UK heute immer noch Copyright daran hat und man die fragen muss, wenn man was damit anstellen will.
Auch so ein Kuriosum.

Ich will jetzt nicht viel zu der politischen Sache sagen, weil das ein wenig ausufernd sein würde...
Was aber Fakt ist: Von Anfang an wurde der zweite deutsche Staat im Osten hier als "illegitim" und quasi wie "nicht existent" gehandelt. Daraus hat man von amerikanischer Seite aus keinen Hehl gemacht, obwohl die erste Staatsgründung durch die allein beschlossene (!) Einführung der D-Mark von ihrer Seite ausging und der Abbruch der diplomatischen Beziehungen um eine Nachkriegsordnung in Mitteleuropa auch schon Jahre zuvor anfing, ohne offiziellen Grund, einfach so von heute auf morgen.
Um es kurz zu machen: Mitteleuropa hier wurde ein politisches Projekt von Übersee, und da Übersee zu der Zeit alle wichtigen Finanzwege in seiner Hand hatte (heute fast ungebremst auch noch so), konntn die bestimmten, mit welchen Zahlungsmitteln da einer aufkreuzen darf und mit welchen nicht.
Und da Mitteleuropa für sie ein politisches Projekt war, mitunter auch gegen Stalin selbst gerichtet um an die Resourcen der SU zu kommen, und da sie so ziemlich alles, was unter ihm gemacht wurde, als illegetim ansahen, infolgedessen, wurde es von Anfang an praktiziert, dass die DDR-Mark nichts wert war, die D-Mark hingegen gleich einen hohen Stellenwert bekam gegenüber Dollar und Pfund. Das war, um die Verfügungen der SU in Mitteleuropa weichzukochen - und, in gewisser Weise auch, um das Projekt Sozialismus damit evtl. ganz weichkochen zu können.
Die Russen konnte man nur nicht vom Finanzmarkt verdrängen, weil der Rubel zu der Zeit schon eine Weltwährung war, und weil sie u. a. auch eigenes Öl zu bieten hatten, also international nicht unbedeutetend zu machen gingen. Nebenbei - als großer Wirtschaftsraum hatte die SU auch ihre eigenen Strukturen und Verbindungen, die man nicht so einfach kappen konnte wie die kaum vorhandenen eines frisch gegründeten Zwergstaates in Mitteleuropa.
Dem entsprechend hat man Probleme wie das Einkaufen von Lizenzen in der SU zu der Zeit nicht so gehabt wie in Mitteleuropa, wo alle gemecket haben, dass sie nicht die neueste Popmusik kaufen konnten. In Kernrussland gab es diese Probleme nicht, da hat man alles in etwa so bekommen wie in den westlichen Gefilden - seltsamerweise andere europäische Staaten des Ostblocks hatten diese Probleme auch nicht, so z. B. die CSSR (von wo sich viele gern aus dem Urlaub Kaufkassetten in die DDR mitgebracht haben mit dem Kram, den man Zuhause nicht bekam). Polen, meiner Erinnerung nach, auch nicht. Obwohl der Zloty auch schon damals keine sehr hoch gehandelte Währung war, dass man damit hätte üppig Lizenzen aufkaufen können, ohne ein Vermögen (in Zloty) zu bezahlen...

Also, zu dem Thema kann ich nur empfehlen, sich mal wirklich reinzuknien in Rechere und am besten erst pauschal alles anzuzweifeln, was man mal gelernt hat, wenn man im Westen aufgewachsen ist. Denn da sind sehr, sehr viele Lügen und Verdrehungen unterwegs, insbesondere auch, was das Wirtschaftliche angeht.
...Im Übrigen, auch so ein Punkt, warum man die westdeutsche Variante von Links auch ablehnen oder als Denkender seine Probleme mit kriegen kann - weil sie sich nämlich auch darauf stützt/basiert, dass diese Lügen über den Ostblock allesamt wahr sind. Meint selbst, den funktionierenden Realsozialismus erst erfinden zu müssen, und hat dann doch keine Ahnung von Wirtschaft und globalen Strukturen - während das im Ostblock eigentlich schon mal Realität war, sonst hätte die Nummer wohl kaum über Jahrzehnte (!) bestehen können.
Man sollte dann, neben den systemeigenen Fehlern dieser Variante, nur auch etwas näher was über die eigenen Schummeleien wissen, damit man weiß, warum das westliche Model dagegen immer nur so eine gute Figur machen konnte.
Stichwort Londoner Schuldenkonferenz und so, die wirkliche Basis für das viel beschworene Wirtschaftswunder, oder der Marshall-Plan, der West Germany allein (!) systematisch mit geliehenem Geld vollgepumpt hat, weil es ein politisches Projekt war, und den Rest von Europa - France, UK -, in der Zeit genausoein Dasein fristeten ließ wie das für vom Krieg zerstörte Gebiete so üblich ist. Die beiden Länder waren nach dem Krieg nicht besser dran als das viel geschmähte sozialistische Osteuropa...
West Germanys schneller Wohlstand war nicht universal in ganz Europa nach dem Krieg.

So viel zu "eigene Basis kennen"...
Das alles wissen viele Linke aus West Germany nämlich nicht.
Gebahren sich aber wie die reinsten Snobs und baden nur in ihrer eigenen Suppe, weil sie es lieben, ihre eigenen Parolen gern zu hören.

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