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Eine andere Sicht auf das Urheberrecht

Auf dem Bildblog las ich vom Versuch eines deutschen Fotographen, den Abmahnwahnsinn, den das deutsche (und in ähnlicher Ausrichtung weitverbreitete) Urheberrecht (Copyright) bei Anwendung im Internet verursacht, auf die Schweiz anzuwenden. Dieser Versuch scheiterte grandios.
Spannend fand ich in diesem Zusammenhang vor allem, dass eine andere Sicht auf das Urheberrecht möglich ist. Gefreut hat mich, dass sie hier in der Schweiz geltendes Recht ist.
Der Abmahnwahn entsteht dadurch, dass sich düstere Charaktere zusammentun und sich die Unmöglichkeit zunutze machen, das Lizenzwirrwarr im Internet zu kennen und zu verstehen. Einzig rechtssichere Möglichkeit, im Internet zu publizieren ist - nichts zu publizieren. Ich bekam bei der Verwendung von Kompositionen seit jahrhunderten verstorbener Musiker schon Urheberrechtshinweise. So weit ich weiss steht "Happy Birthday" immer noch unter Urheberrecht, genauso Songs wie das Kufsteinerlied, welche von den meisten als (schlechtes) Volkslied angesehen würde. Daneben gibt es feine Unterschiede in den Fristen, je nachdem wo man sich auf dem Globus befindet. Weiterhin gibt es Länder, die es Erlauben, die Urheberschaft abzutreten, was dazu führt, dass einige amerikanische Künstler ihre eigene Musik nicht auf ihrem YouTube-Kanal vewerben dürfen.
Der gesamte Zustand wird weithin als unbefriedigend empfunden. Künstler verspüren den Wunsch, das Internet als Plattform zu verwenden und Geld damit zu verdienen (das hatte ursprünglich wohl mit Tauschbörsen a la Napster zu tun und den schwindenden Umsätzen der Musikindustrie) während viele Nutzer meinen, das Internet sei ein mehr oder weniger rechtsfreier Raum - man merkt das auch an vielen Kommentaren, bei denen sich Benutzer gross und nicht an die einfachsten Anstandsregeln gebunden fühlen. Wahrscheinlich, weil sie glauben, sie seien anonym unterwegs.
Das Problem mit Immaterialgut ist normalerweise über Lizensierungen gelöst. Problematisch an dem ganzen Thema sind Feststellung und Durchsetzung - was ist ein solches Gut? kann man noch beantworten. Aber ein John Dowland oder Basti Bach werden Rechte an ihren Kompositionen kaum mehr einklagen können. Dort haben wir schon ein erstes Problem: was soll der Unsinn mit der Vererbbarkeit von Rechten an geistigem Eigentum? Ist der Geist, der das Werk schuf erloschen kann es kein Eigentum mehr geben, oder?
Dann gibt es aber so etwas wie Aufnahmen - Schallplatten oder CDs von Konzerten. Die Interpretation von Werken kann als Kunst gelten. Schafft die Fixierung dieser Kunst aber ein eigenständiges Kunstwerk? Das ist schon heikler, oder? Also als konkretes Beispiel: Wenn ich Yesterday von den Beatles spiele (auf der Laute) ist klar, dass Lennon/McCartney die Komponisten waren (bzw. deren Rechtsnachfolger - die Rechte an den Kompositionen hatten sie an Michael Jackson verkauft. wer sie jetzt inne hat weiss ich nicht. Nach Deutschem Recht könnten sie meines Wissens nur die Verwertung verkaufen. Im Amiland wohl alle Rechte. Was M.Jackson dort erworben hatte ist also anhand der Presseberichte, die ich kenne, nicht klar). McCartney lebt noch, John Lennon ist nun seit fast 40 Jahren tot. Schon hier könnten Fristen zum Zuge kommen, der gewöhnliche Sterbliche würde das Lied, was wohl eines der bekanntesten Popsongs überhaupt ist, einem Volkslied gleichstellen. Ist es aber nicht - wenn ich es spiele brauche ich die Genehmigung. Aber von wem? Die Beatles haben die Rechte an M.Jackson verkauft, der ist auch tot. Und was soll das überhaupt? Dafür wurden dann Verwertungsgesellschaften gegründet, in Deutschland die GEMA. Bei denen muss man sich melden, wenn man Musik öffentlich darbietet. Meldet man sich nicht wird unterstellt, dass man betrügt (noch ein kritischer Punkt).
Meine Interpretation ist nun auch ein eigenes Kunstwerk, das ebenfalls dem Urheberrecht unterliegt und so weiter. Letzten Endes bedeutet das, jedes Stück Code, jede Musik, die irgendwo erklingt, jeder Text, den man zitiert - kurzum jedes Immaterialgut - wird in irgendeiner Form mit Rechten behaftet sein.

Nun gab es schlaue Köpfe, die meinten man könne einfach auf seine Rechte verzichten und es entstanden Unmengen an "Creative Commons"-Lizenzmodellen. Im oben erwähnten Rechtsstreit ging es um ein solches Foto, bei dem die Verwendung unter Bedingungen gebührenfrei gestattet wurde.
Das ändert aber nichts an dem Problem.
Es fügt den Möglichkeiten nur eine weitere hinzu - und angesichts der internationalen Dimension und den schier unendlichen Möglichkeiten kommt es immer zu Einzelfallbetrachtungen. Es muss jeder Einzelfall betrachtet werden - und das verletzt meiner laienhaften Meinung nach ein Rechtsprinzip, wonach ein Gesetz allgemein zu sein hat. So etwas wie das Lex van der Lubbe sollte es in einem Rechtsstaat nicht geben.

Wie also mit Urheberrechten umgehen?                                                                                                                                                                                

Eine neue Berner Übereinkunft muss her!
Ich finde, ein "Copyright Office" sollte eingerichtet werden, bei dem jedes Werk registriert werden kann, welches man urheberrechtlich schützen will. Dort eingetragene Werke erhalten eine Markierung wie das Copyright-Zeichen + einem Datum.
Dieses Recht sollte zeitlich beschränkt in Bezug auf die Eintragung sein, also die "Eintragung 2018" bedeutet dann, das Werk ist beispielsweise 2043 frei. Die bisherige Reglung ist Unfug!
Für die Eintragung kann eine Gebühr erhoben werden
Derjenige, der es unterlässt, eine vorhandene Eintragung zu kennzeichnen ist für die missbräuchliche Verwendung geschützter Werke verantwortlich

Eine solche Regelung würde für alle Rechtsicherheit bedeuten, dem Abmahnunsinn würde gestoppt und für komerzielle Anbieter keinen Nachteil bedeuten. Im Wesentlichen bleibt für Plattenlabels, Softwarehersteller etc. alles, wie bisher.


Tags: fotographie, lautenistenleben, music, philo, sam-oth, schweinschen schlaus weisheiten, thomas mental chaos
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