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Lobo über eine Regulierung von Facebook - Gedanken

In seiner jüngsten Kolumne meint Sascha Lobo, die Besonderheit Facebooks herausstellen zu müssen und spricht sich für eine Regulation aus.
Einen Punkt macht er meiner Meinung nach, wenn er die Bedeutung von Facebook in und für Länder hervorhebt, in denen es die einzige oder wichtigste Nachrichtenquelle ist.
Wobei ich ergänzen möchte: sowohl positiv wie negativ!

Was Lobo aber verkennt ist, dass es sich um ein Unternehmen handelt, welches nationalen Gesetzen unterworfen ist. Ein Gesetz um Facebook zu regulieren müsste aber international greifen.
Ein allgemeines gesellschaftliches Problem zeigt sich nur im Fall von Facebook aber ganz deutlich: Und das ist das Problem der Werbung. Im nationalen Umfeld mag man sie noch ansatzweise kontrollieren und regulieren können. Werbung per se versucht aber, uns etwas zu verkaufen - anzudrehen. Ob das Waschmittel, ein Partner ("ich parshippe jetzt"), Zigaretten (der HB-, der Marlboro-Mann, eine Bank ("Mein Haus, Mein Auto, ...")  oder eine politische Partei sind ist dabei vollkommen unerheblich. Ja, Emotionen spielen eine Rolle - die Emoticons in Facebook geben uns die von der Werbung erwünschten Gefühle vor. Aber das ist, wie sie auf uns wirken soll. Sie soll ein Produkt mit Gefühlen verbinden. Würde Werbung den Verstand ansprechen wäre sie sinnlos, zumindest deutlich weniger effektiv. Absicht von Werbung ist aber, Produkte mit Gefühlen zu verbinden. Und die sollen in Verkäufe münden. Eine Abgrenzung von Werbung, Information und Manipulation halte ich für sehr schwierig. Das ist oft Gefühlssache und dementsprechend geht das schnell in Beliebigkeit.

Facebook bietet nun einen fast schrankenlosen Zugang, Werbung nahezu unreguliert zu verbreiten. Dazu kommt noch, dass noch über die Daten, die vom Nutzer geschnorchelt werden, Werbung sehr zielgerichtet und effektiv gestaltet werden kann. Das ist das Geschäftsmodell von Facebook und das macht die Regulierung schwer. Was soll bei Versuchen einer Regulation herauskommen? Das einzige vorstellbare könnte etwas wie ein politisches Werbeverbot sein - ähnlich dem Tittenverbot auf Seiten der Facebook-Familie. Genauso lächerlich würde das auch rauskommen. Als Gesetz formuliert müsste es, um formalen Ansprüchen zu genügen, allgemein sein. Da es ja kaum gerecht sein kann, in Zeitungen und im Fernsehen politische Werbung zu platzieren, es auf Facebook aber zu verbieten.

Ganz grundlegend geht es bei den durch Facebook verursachten Problemen um die Folgen eines Kampfes, der schon ausgefochten wurde und der verloren gegangen ist: den um die Kommerzialisierung des Internets.
Das Internet war in der Anfangszeit schon eine tolle Sache - und viele meinten, wie schön es sei, endlich mal eine friedliche Technologie zu haben! Etwas, was Menschen weltweit verbinden kann. Doch irgendwann ging es darum, wie man diese tolle Sache zu Geld machen kann. Und damit begann die Kommerzialisierung.
Nie hätte ich damals gedacht, eine auf Werbung aufgebaute Wirtschaft könne sich im Internet etablieren. Das ist doch ein vollkommen substanzloser Wirtschaftszweig! Da lag ich ziemlich daneben. Substanzlos ist er zwar, aber es wird viel Geld geschoben und Firmen wie Google und Facebook machen viel Geld. Alles, um eine um ein paar Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit zu haben, damit das bei einer Kaufentscheidung beworbene Produkt gewählt wird. Eigentlich lächerlich, wieviel Geld dafür verpulvert wird, oder?

Aber zurück zu Lobos Artikel:
Warum melden sich Leute denn bei Facebook an und warum geben sie ihre Daten preis? Der Zweck für die Nutzer ist ja, Kontakte zu halten und zu pflegen, und ja! Emotionen zu teilen. Das ist für sie das Wesentliche. Und ja! Genau hier treffen sich die Interessen der Werbenden (also der zahlenden Kunden Facebooks) mit denen der Nutzer. Aber nur im Begriff. Ein Unternehmen, das Produkte (oder "Events") verkaufen will versucht heute, die Produkte mit Emotionen zu verbinden (warum sie das tun - darüber könnte ich mich auch lange auslassen). Während ein Nutzer vermeindlich ja auch etwas tolles Erleben will, was er dann teilen kann. Der von Lobo vorgeschlagene Begriff der "sozialen Infrastruktur" verkennt dabei aber den Unterschied in der Motivation (private Nutzer wollen ein Gefühl teilen, Kommerzielle Nutzer wollen mithilfe eines Gefühls etwas verkaufen) und den krassen Unterschied zwischen dem Anbieter (Facebook), für den Werbung der Zweck des Unternehmens ist und dem Nutzer, der in Facebook entweder eine Werbeplattform sieht oder als das "Internet 2.0" - als eine Basis, um zu kommunizieren, zu spielen - das "Dorf Internet" in seinen Facetten. Nur für die Letztgenannten stehen Emotionen im Zentrum.

Tags: gedanken, meinung, philo, schweinschen schlaus weisheiten
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