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Marais du Viguereit

Leider verzögert sich offenbar das Entwickeln der Filme, so dass ich von meinen Ferien nicht ganz chronologisch berichte und heute bereits einen kleinen Vorgriff mache. Mittwochs war ich, ein echtes Highlight in der Camargue besuchen, das Marais du Viguereit. Weder die Website noch sonst ist dieses Reservat besonders hervorgehoben - doch in ihm verbirgt sich die ursprüngliche Camargue. Für mich unter vielen wunderschönen Plätzen dort einer der schönsten, wenn nicht der schönste überhaupt.

Er liegt etwas ab und mehr als einmal fragte ich mich beim Fahren der Schotterpiste und wenn ich zwischen dem Ausweichen von sehr tiefen Schlaglöchern und dem Versuch, dabei nicht in die tiefen Abwasserrinnen zu rutschen Zeit fand, einen Gedanken zu fassen, ob ich wohl auf dem richtigen Weg sei? Reis und Schilf auf der einen Seite, die unvermeidlichen Pferde und Stiere auf der anderen ging es mehrere Kilometer - gefühlt in's Nichts. Hinter mir eine dicke Staubfahne - ob man sich so auch in New Mexico fühlt? Wahrscheinlich wird dort wenigstens der Rücken mehr geschont.

Angekommen war das Empfangshäuschen mit kleinem Shop im Umbau. 3 € sollte ich zahlen. Auf einen 10er konnten die Mädels aber nicht herausgeben und hätten gerne Münzen gehabt, die ich aber nicht hatte. Also haben sie gekratzt und mir mein Wechselgeld in 10- und 20-Cent-Münzen gegeben. Mein Portemonnaie wurde deutlich schwerer, ich aber nicht reicher.
Wie heute scheinbar überall üblich wird Statistik erhoben und ich sollte  Auskunft geben, woher ich käme, wie ich von dem Platz erfahren habe und so weiter - weil die Mädchen wirklich zerknirscht wegen des Problems mit dem Wechselgeld schienen (in Frankreich scheint es die Bezahlung mit Kreditkarte eher die Regel als die Ausnahme zu sein) gab ich Auskunft - sogar wahrheitsgemäss. Prinzipiell ist diese Datensammelwut einfach nur noch lästig. Das mag den Anbieter einer Dienstleistung oder Gewerbes vielleicht interessieren, aber warum erheben sie diese Daten? Um Werbung zu schalten wohl - und daran soll ich mich beteiligen?


Kaum verlässt man das Häuschen und betritt die Bretter, die den Besucher über den Sumpf führen betritt man eine andere Welt. Die allgegenwärtigen Moskitos bleiben, klar, aber es herrscht Dschungelluft; feucht, noch feuchter als sonst schon in der Camargue! Vorsichtig schiebe ich mich durch das Schilf und erkunde die Wunderwelt der ursprünglichen Camargue.
An dieser Stelle könnte ein Exkurs über den Volkscharakter der Frenchies stehen - inklusive den vermuteten Ursachen. Ich lasse es lieber - jedenfalls kann man sich vorstellen, wie sehr mich eine Gruppe munterer Franzosen (also französisch sprechender Menschen) begeisterte, die lautstark jedes Tier be-"o lala" te und ebenso lautstark jedes Tierchen dem jeweils nächsten zeigen musste. Dass die (natürlich mit dicken Bestimmungsbüchern versehene) Truppe mir die eigentlich an Besucher gewohnten Tiere vertrieb und mich zu einer Zwangspause (mit Internet, Facebook etc) trieb.
Die Stille dieser ansonsten einsamen Orte schätze ich sehr. Man kann lauschen und hört auf einer ganz anderen Ebene - man meint, das Leben selbst zu hören. Der krasseste Gegensatz zu meinem Alltag, in dem ich viel höre, mit vielen Leuten reden muss, aber immer das Gefühl habe, mit sprechenden Zombis umzugehen.
Tja - auch die glorreiche französische Luftwaffe - alles andere als dem Leben zugewandt - muss mir den Gegenpol verdeutlichen, mir die lärmige Zerstörungskraft unserer Zivilisation vorführen.

gegen

oder



Es gab eine Zeit, da setzte ich unsere moderne Welt mit Kultur gleich, damit, dass die Menschheit etwas erschaffen hat. Heute kommt es mir vor als sei die moderne Menschheit nur da, um zu zerstören. Vielleicht ist das nur ein anderer Zugang zur gleichen Problematik. Die wunderbare Kunst der Vergangenheit, die unglaublichen Fortschritte der Wissenschaften waren in ihrer Zeit sicher auch zerstörerisch.
Muss der Mensch zerstören, um etwas zu schaffen? Per aspera ad astra? Mit solchen Gedanken beschäftigt, wanderte ich sundenlang durch das Gelände und genoss all die Wunder der Natur, die sich mir hier offenbarten. Kann eine Welt schlecht sein, die solche Wunder enthält? Was (oder genauer wer) ist das Problem?






















Tags: film, fotographie, gedanken, lautenistenleben, sam-oth, trivia photography
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