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"Borgen", "Occupied" und "Bad Bank" auf Arte und im ZDF

"Borgen" habe ich leider nicht komplett verfolgt, als es auf Arte lief. Ich fand die Serie aber gut und spannend. Darum habe ich sie mir auf DVD besorgt und bin sie nun am schauen. Natürlich sind einige Elemente sehr eingedampft und einige Elemente sind hart am Cliché und nicht immer glaube ich daran, dass die Gewichtung stimmt (Einfluss der Presse, der Wirtschaft, Rolle des Premier), aber sehr viel wird angesprochen und das sowohl unterhaltsam als auch interessant und spannend. Sehr empfohlen!


Nahezu Propagandacharakter hat dagegen "Occupied" - dort kann man sich die 2.Staffel noch in der Arte-Mediathek anschauen. Die Idee zu "Occupied" stammt von Thriller-Autor Jo Nesbø. Problematisch an dieser Serie sind die stereotypen Charaktere und die hanebüchene Handlung, die von bösen Russen, mutigen Widerstandskämpfern, einer genauso korrupten wie bigotten EU und naiven Kollaborateuren geprägt ist. Innerhalb dieser arg vereinfachten und durchaus fragwürdigen Weltsicht wird aber ein spannendes Szenario entworfen, das sich, so Nesbø, mit der Frage beschäftigt, wie wohl die heutige Generation auf eine Situation wie die deutsche Besetzung Norwegens im 2.Weltkrieg reagieren würde. Ich weiss nicht, ob ihm die Beantwortung im Buch besser gelingt, doch anhand der Personenzeichnungen der Serie würde ich diesen Versuch als gescheitert ansehen. Andere Kritiker sehen die Serie als vergleichbar zu dem empfohlenen Borgen an und loben die Darstellung der Frauencharaktere. Mir kommt es in beiden Serien schlicht realistisch vor: Es wird nur erwähnenswert, wenn man das eigentümliche derzeitige US-amerikanische TV-Abziehbild von Frauen als Massstab anlegt.
Trotz der Schwächen, insbesondere bei Charakterzeichnungen und den clichéhaften Charakteren eine spannende Serie, wenn ich auch nach dem Schauen an den Gegensatz zu "Kolberg" denken musste, der als Propagandafilm
abgestempelt wird. Auf subtile Art und Weise ist er das natürlich auch (im Unterschied zu Occupied - hier haut man mit dem Holzhammer die Bewertung der dramatis personae in die Köpfe des Publikums), aber das Thema "Verteidige die Heimat" und Patriotismus scheint nicht totzukriegen zu sein. Dass amerikanische Filme und Serien, selbst gefeierte wie Homeland (kein Vergleich zum sehr empfehlenswerten Israelischen Original!) diese Thematik bis zum Erbrechen bringen muss ich hoffentlich nicht erwähnen.

Wirklich sehr positiv überrascht hat mich "Bad Banks", eine rasant erzählte deutsche Serie, die man sich noch in der Mediathek anschauen kann.
Auch wenn ich nur für den kleinen Bruder von Banken, also Versicherungen, gearbeitet habe, lässt sich doch sagen, dass die Serie keineswegs so weit von der Realität entfernt ist wie man denken mag. Vielleicht stört mich die Oberflächlichkeit der Charaktere, die Schemenhaftigkeit, die man bei den erfolgreichen Bankern der Serie trifft, deshalb nicht, weil ich viele solche Typen getroffen habe. Unter einer als Professionalismus kaschierten kalten und nüchternen Oberfläche findet sich für solche Leute kein Raum, sich zu hinterfragen und die wenigen Ausflüge in das Innenleben zeigen, dass dort zerrissene Persönlichkeiten lauern. Dass diese Personen bewusst so gezeichnet sind erkennt man an einer Nebenfigur, einer Frau, die einer der Banker kennenlernt und anhand der in einer kurzen Szene die Arroganz und Charakterlosigkeit des Karrierebankers gezeigt wird.
Eigentlich erschreckend, aus was für Charakteren unsere Wirtschaftselite besteht und noch erschreckender, was uns als "Erfolg" verkauft wird (Tolle Wohnung, toller Partner, tolles Auto, viel Geld - alles hohl). Das Tempo der Serie entspricht der Hektik des Alltags dieser bedauernswerten Kreaturen. In den Momenten, in denen die Figuren zur Ruhe zu kommen scheinen wird deutlich, dass dieses Jagen nach Anerkennung Suchtcharakter hat (tatsächlich geht in Projekten oft der Adrenalinspiegel sehr hoch) und manchmal scheint durch, dass sie sich der Armseligkeit ihrer Existenz durchaus bewusst sind. Ausser Jana, der idealistischen Heldin der Serie, die ihre selbst erzeugte Lebenslüge (noch) glaubt und mit grossen Kulleraugen durch die Welt geht und immer weiter nach der Bestätigung jagt, die sie in der Wirtschaft doch nie finden wird. In diesem letzten Moment der Serie ist die einzige Schwäche (Achtung Spoiler!)- Jana scheint zu gewinnen
Fazit: Sehr gelungen und unterhaltsam inszeniert!


Tags: film, lautenistenleben, meinung, thomas mental chaos, trivia
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