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Buchrezensionen der zuletzt gelesenen Bücher

Buchrezensionen sind häufig durchsetzt von Spoilern und es ist schwer, aus ihnen herauszufinden, welche Bücher der Rezensent nun warum genau mag. Eine komplette und durchkomponierte analytisch korrekte Besprechung kann und will ich hier auch nicht geben, vor allem deshalb nicht, weil ich nicht spoilern will. Ich freue mich aber, wenn wir über die Bücher sprechen - abweichende Meinungen sind dabei natürlich willkommen.
Wie kann ich also über Bücher sprechen, ohne das Vergnügen von potentiellen Lesern zu verderben? Ich werde versuchen, mein subjektives Leseerlebnis mitzuteilen, Sachen, die mich geärgert haben, mich gelangweilt haben oder auch, was mich begeistert hat. Ganz wird dabei nicht zu vermeiden sein, auf die Handlung einzugehen, aber ich versuche, nicht allzu viel zu verraten und das in einem Stil zu halten, wie ich in einem Gespräch unter Freunden ein Buch entweder empfehlen oder abraten würde. Das nur als Vorwarnung ...
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Nachdem ich das grandiose "Ich bin böse" von Ali Land und anschliessend "Der Ort" von Andreas Maier gelesen habe und ihn trotz verhaltener bis schlechter Kritiken super fand wollte ich etwas leichteres Lesen und las "Die Detektivin" von Nikola Hahn, der mit viel Lokalkolorit und sympathischen Charakteren aufwartete. Sprachliche Defizite waren vorhanden, aber im Grossen und Ganzen verschmerzlich.


Der darauf anschliessende und lose aufbauende "Die Farbe von Kristall" ist deutlich umfangreicher und wartet auf der positiven Seite mit realen Ereignissen (und Morden!) aus dem Frankfurt des beginnenden 20.Jahrhunderts aus, die in eine fiktive Handlung eingebettet sind. Das ist nicht ungeschickt gelöst, aber auch nichts Ungewöhnliches oder Neues. Die Charaktere, die im Grossen und Ganzen in der "Detektivin" bereits angelegt und charakterisiert sind werden hier weitergeführt. Statt die Charaktere zu vertiefen kommen sie mir aber nur fortgeführt vor. Es entsteht kein Bezug zu einer der Personen, was sicher auch an den in diesem Buch besonders hervortretenden sprachlichen Mängeln der Autorin liegen mag. Neben Begriffen aus der modernen Sprache ("Terminieren") und Handlungsweisen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts undenkbar gewesen wären benutzt sie einen Erzählstil, der wie aus einem Polizeibericht entnommen ist. Das reduziert mein Lesevergnügen erheblich. Es muss nicht alles korrekt sein, aber schön wäre es gewesen, in das alte Frankfurt entführt zu werden und für eine Schriftstellerin obligatorisch sollte sein, sprachlich mehr als einen Polizeibericht verfassen zu können. Empathie mit den Figuren zu schaffen und dabei nicht in Clichés zu verfallen.

Dass man einen Krimi auch sprachlich anspruchsvoll gestalten kann zeigt dagegen Daniel Mylow mit seinem Roman "Rotes Moor". Auch wenn einige sprachliche und gedankliche Konstruktionen im Buch zu schweben und sich der Logik zu entziehen scheinen schaffen sie doch die Atmosphäre, die Mylow offensichtlich erzeugen will. Auch wirken einige der eingestreuten Aphorismen weder "cool" (wie es Imogen Hutter, eine Polizeiassistentin im Buch nennt) noch geistreich. Zum Schluss hin gibt Mylow allerdings Gas, das Tempo steigt und das wunderbare Stimmungsbild mit den erwähnten Abstrichen wird plötzlich stringenter, so als wäre Mylow eingefallen, dass er das Buch ja auch zu Ende bringen muss und das passiert dann recht rasant, leider verfällt er für meinen Geschmack dann aber auch den Clichés des Genres. Für einen Erstling dennoch eine beachtliche Leistung. Die sprachlichen Defizite könnte ein verbessertes Lektorat sicher beseitigen. Sprachlich ist es nach Andreas Maiers suggestiver Sprachwahl sicher das beste der hier erwähnten Bücher. Auch dieses Buch bekommt von mir ein "empfehlenswert", mit kleinen Abstrichen.

Tags: buch, gedanken, prosa, trivia
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