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Der böse Russe war's natürlich


Wer ist Schuld? Eine Frage, die vor allem aus den USA zu uns kommt. Amis brauchen jemanden, auf den sie mit dem Finger zeigen können. Das war bei 9/11 schon so (da war es Osama - auf keinen Fall waren die Anschläge eine Reaktion auf die amerikanische Politik im Nahen/Mittleren Osten), nun braucht man eine Entschuldigung für Trump und da Fingerzeigen mit mangelnder Analyse gepaart auftritt kramt man den bösen Russen aus, der die amerikanische Wahl manipuliert haben soll. Klar! Das sind herrlich einfache Erklärungen, die sogar ein durchschnittlicher BILD-Leser versteht! Spricht man einen beliebigen Ami an, wird es allerdings schwer, jemanden zu finden, der meint, seine Wahlentscheidung sei durch russische Manipulation entstanden. Nun sei es eine gezielte Kampagne gegen Clinton gewesen. Auf Facebook. Diffamierung und so. Wie sich das von den Wahlmanipulationen der Amis unterscheidet ist nicht ganz klar - vielleicht, weil sie etwas friedlicher ablaufen als die Versuche der USA?

Nun soll das Netzwerk der Bundesregierung angegriffen worden sein. Klar war es der böse Russe


Wie lächerlich Behauptungen vom "bislang sicheren Netz" sind ist jedem, der schon mal über die Bedeutung von Port 80 am Computer nachgedacht hat klar. Wie ein Netzwerk funktioniert und - als Sonderfall - wie das Internet funktioniert lässt sich hier nicht referieren. Zusammengefasst lässt sich sagen: ein sicheres Netzwerk gibt es nicht. Gleichzeitig wird das Abschnorcheln der Daten durch die Amis per ordre de mufti für beendet erklärt. Was die Enthüllungen von Snowden anbelangt ist erstaunlich, wie wenig unternommen wird, um den Spionen Einhalt zu gebieten. Vor einiger Zeit habe ich mal geschaut, wer tatsächlich Daten saugt. Da fallen vor allem Zugriffe aus China auf.
Die Frage nach digitaler Sicherheit wird gestellt. Die Beantwortung ist allerdings unbefriedigend - genauso wie man Geld immer wird stehlen können ist in einem Netzwerk immer ein Zugriff von aussen möglich. EIn Netzwerk definiert sich schliesslich genau dadurch.
Der Digitalisierungs- und Netzwerk-Hype, inklusive der kaum effektiv zu regulierenden sozialen Netzwerken (Google, YouTube, Instagram, Twitter, Facebook etc) ist sehr wahrscheinlich eine Überreaktion - wer Daten in die Cloud legt darf sich nicht wundern, wenn sie abgeschnorchelt werden, IoT wird oft sinnfrei eingesetzt. Die Digitale Revolution mag viele Vorteile bringen, doch sie ist sicher kein Allheilmittel.
Politisch gesehen findet man im Netz genau das, was die Libertären so gerne wollen - eine Art staatenloser Zustand. Das Individuum befindet sich dabei andererseits in einem Umfeld, welches es kaum zu durchschauen vermag - vielleicht erklärt das den Rückfall in Esoterik und Mythen?
So ein bisschen ist man an diese Szene aus Pulp Fiction erinnert - die Erklärungen sind oft nicht wirklich falsch, aber sie stimmen trotzdem nicht.

Versuchen wir also eine logische Ableitung: Dass Daten abgesaugt werden ist also banal, dass sie benutzt werden wahrscheinlich. Spionage, vor allem Wirtschaftsspionage, evtl. politische Erpressung, gezielte Indiskretionen - all das ist nicht nur möglich, sondern sher wahrscheinlich. Gemacht werden sie von allen - China, Russland, die USA, die Briten und natürlich auch Deutschland werden auf diesem Feld aktiv sein. Warum also wird uns immer wieder der "böse Russe" präsentiert?

Was mich in dem Zusammenhang entsetzt ist, wie wenig unabhängiger und kritischer Journalismus betrieben wird. ARD und ZDF sowie der grösste Teil der kommerziellen Presse scheinen unkritisch hinzunehmen, was ihnen vorgesetzt wird. Ich erinnere mich daran, dass noch kurz bevor Assad zum Inbegriff des Bösen wurde er als Demokrat und Hoffnung für den Nahen Osten präsentiert wurde. Wie Bin Laden und die Mudschahedin gesehen wurden kann man in einem Film der Rambo-Reihe schauen. Das sind die gleichen, die nun als IS und üble Terroristen militärisch bekämpft werden. Könnten diese Umbewertungen den Zweck haben von dem "Übeltäter USA" abzulenken? Oder generell dazu dienen, bei innenpolitischen Problemen einen äusseren Feind zu kreieren? Das sollte aber doch jedem mit einem auch nur durchschnittlichen Langzeitgedächtnis bewusst sein - halten die uns für so doof?

Tags: gedanken, meinung, thomas mental chaos
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