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Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag. Wunderprächtig! SRF2 hat mich, wie üblich mit Bezug auf #meToo, heute morgen darauf eingestimmt.

Die Welt auch gesellschaftlich in Männer und Frauen zu teilen ist zwar schon ein altes Thema, in der heutigen Zeit kommt mir der Konflikt aber sehr konstruiert vor. Im Prinzip ist es doch ganz einfach: es gibt biologische Unterschiede (Hormonhaushalt, ein etwas anderer Körperbau, dazu die Geschlechtsorgane - Frauen gebähren nun mal!) und gesellschaftliche Rollen. Erstere sind nun mal so - an unserer biologischen Disponierung können wir nur wenig ändern (Geschlechtsumwandlungen lassen wir als Sonderfall mal aussen vor, okay?) und die gesellschaftliche Rolle ist im Wesentlichen eine Vereinbarung. Früher wurden über diese gesellschaftlichen Rollen auch Herrschafts- und Machtansprüche durchgesetzt. Das lag teilweise an der Organisation der Gesellschaft zu dieser Zeit, die den Gelderwerb hauptsächlich beim Mann verortete genauso wie der Mann auch die gesellschaftliche Ansprechperson war. Das hatte sich mit dem ersten Weltkrieg geändert als die Männer in den Schützengräben verreckten während Frauen zuhause die Granaten und Patronen zusammenbauten. Waren die 20er, die Zeit nach dem Krieg ausser der Zeit der grossen Depression auch die Zeit der Flapper, des Ragtime, Twist bis dato unerhörter Freiheiten kam die reaktionäre Gegenbewegung in den 30er, die auch nach dem zweiten grossen Schlachten weiterging. Die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung war in dieser Zeit möglich, aber modisch nicht angesagt. In den 70er und 80er Jahren (die 68er waren bezüglich der Geschlechterrollen eher reaktionär) entstand die gesellschaftliche Rollenverteilung, die heute noch vorherrscht. Frauen arbeiten, Männer auch. Kindererziehung wird aufgeteilt - wie man das aufteilt ist im Wesentlichen Vereinbarungssache - dort gibt es kein gesellschaftliches Dogma. Seit dieser Zeit wird auch daran gearbeitet, vorhandene Einschränkungen für Frauen abzubauen. Da entstehen interessante Effekte, wenn man Angebote für Frauen schafft, die es ermöglichen sollen, Erziehung und Beruf zu vereinbaren - setzen diese Vereinbarungen doch voraus, dass es die Frauen sind, welche die Erziehung übernehmen! Das grundlegende Problem der heutigen Zeit könnte (und vielleicht sollte auch) sein, diese gesellschaftliche Gleichheit nicht durch die Art, wie wir unsere Gesellschaft organisiert haben, zu erschweren. Das betrifft mehrheitlich einen Bereich, aus dem sich der Staat traditionell eher heraushält: die Wirtschaft. Bei dem Bereich, der direkter politischer Einflussnahme ausgesetzt ist sind die Themen im Grossen und Ganzen gesetzt, auch wenn es im Detail noch hapert. Viele der unter #meToo abgehandelten Themen sind durch die hierarchischen Strukturen in der Wirtschaft bedingt, weniger durch tatsächliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern (natürlich äussert sich die Art der Demütigung, der man ausgesetzt ist anders, je nachdem, ob man Mann oder Frau ist. Doch es geht darum, grundlegende Probleme zu lösen, oder?). Berufsfelder, in denen dieses hierarchische Arbeiten besonders stark ist sind  natürlich auch besonders stark betroffen: Orchester, Theater, Film, Ballett. Gleichzeitig finden sich in diesen künstlerischen Bereichen besonders oft und besonders ausgeprägt sensibele Personen. Leiden scheint zum Berufsbild zu gehören - doch muss man das hinnehmen? Wenn die unselige #meToo-Kampagne einen positiven gesellschaftlichen Effekt haben sollte, dann könnte es sein zu hinterfragen, wie man diese hierarchischen Machtstrukturen in Unternehmen kontrollieren kann und wie man erfolgreiche kooperative Modelle einführen kann, um die mehrheitlich militärische Organisation von Unternehmen zu ersetzen.
Ich sehe also zusammengefasst die politische und gesellschaftliche Situation von Frauen recht entspannt. Auch wenn an vorhandenen Problemen natürlich gearbeitet werden muss sind die Probleme vor allem in der Art, wie wir Wirtschaft organisiert haben begründet. Das ist nun aber generell ein Problem, nicht nur des Pay Gap und hierarchisch-patriarchalischer Strukturen, sondern die Maxime der Gewinnmaximierung ist angesichts der beschränkten Resourcen unseres Planeten nur über Raubbau möglich, Oder darüber, dass wir andere über's Ohr hauen. Unser Gewinn ist der Verlust der anderen. Und zu einem geringen Teil wird ein Gewinn auch über Inflation erzielt - das ist, grob und sehr kurz gesagt  die Blase, in der sich die Welt bewegt. Um diese Probleme zu lösen ist es sicher auch gut und hilfreich, die Detailprobleme zu lösen, doch auch das grosse Problem muss angegangen werden. Doch ich schweife ab - heute soll es schliesslich vor allem um Frauen gehen!

Ein Begriff, der heute immer wieder fällt ist "Weiblichkeit". Dabei ist erstaunlich, wie oft er verwendet wird und wie unterschiedlich ist, was frau darunter versteht. Klar ist eigentlich nur: es muss wohl irgendwas mit "Frau" zu tun haben, so in etwa "Frau-sein". Aber was soll das bedeuten? Das wird auch heute noch


mit stark sexuell konotierten, mehr oder weniger der aktuellen Mode entsprechenden Attributen versehen gesehen

Wobei manche Szenen über die Zeiten hinweg gradezu legendär und gleichermassen wirksam sind. Anita Ekbergs Szene aus "La dolce Vita" wirkt auch heute noch!

Daneben wird aber Weiblichkeit aber auch als soziales Konstrukt verstanden. Letzteren Begriff zu füllen ist natürlich beliebig (ich finde es einen intelektuellen Skandal, dass man so einen Scheiss tatsächlich studieren kann!). Weiblichkeit als Soziales Konstrukt  bedeutet "Weiblichkeit ist das, was man unter Weiblichkeit versteht". Damit ist es abhängig von Zeit, Ort, Erziehung dessen, der den Begriff benutzt, genau genommen sogar der aktuellen Laune dessen, der den Begriff grade verwendet. Kurz: ein vollkommen untauglicher Begriff.
Philosophen haben schon in der Antike versucht zu beschreiben, was das Wesen einer Frau ausmacht. Schopenhauer liefert einen zeitlich näher liegenden, aber uns fremd, fast komisch erscheinenden Versuch. Schaut man sich die Versuche dieser beiden Grossen an kann man feststellen, dass sowohl Platon als auch Schopenhauer in hierarchischem Denken verhaftet sind. Dass sich "-keiten" generell der philosophischen Frage nach dem Wesen entziehen scheint beiden entgangen zu sein. Letzten Endes sind wir Menschen. Ganz und rein im biologischen Sinn. Männlichkeit genauso wie Weiblichkeit sind zunächst nichts als biologische Eigenschaften und darüber hinaus, wie oben schon geschrieben, sozial vereinbarte Rollen. Das heisst, Weiblichkeit ist eine statistische Grösse ("x% der y nennen Attribut z weiblich") die ein Attribut einem Geschlecht zuweisen. Wobei sich das immer auf eine Grundgesamtheit bezieht, deren Zusammensetzung pro Aussage kritisch hinterfragt werden kann und muss. Statistische Aussagen gelten nur zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Umfeld (man schaue sich den Verlauf der berühmten "Sonntagsfrage" an - und auch den Effekt, den es hat, wenn man Zeitreihen anders begrenzt oder auch nur verschiebt, s. Lügen mit Statistik).

Wenn nun "Weiblichkeit" ein untauglicher Begriff ist und die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau weitgehend erreicht ist: Was feiern wir heute also?

Tags: #metoo, Gute Wünsche, gedanken, meinung, philo, schweinschen schlaus weisheiten, thomas mental chaos
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