lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
lautenist

Vom Versagen der 4.Gewalt

Wie es um die Intelligenz der Ganser-Fanboys bestellt sein muss zeigen Aussagen wie die, die ich nun auf Facebook fand. Nach der Ablehnung der NoBillag-Initiative werde weiter die Wahrheit unterdrückt (kein Link zu FB). Dass es ohne SRF auch keine TV-Präsenz von Ganser gegeben hätte scheint zu den  Jungs nicht durchgedrungen zu sein.
Dass Ganser seine Fans hat und diese treu ergeben seine Aussagen nachbeten macht die Aussagen nicht relevanter. Für die, die es nicht wissen: Ganser promovierte über Operation Gladio, die bekannte Geheimarmee, die nach dem Muster der Nazi-Werwölfe für einen Guerilla-Krieg im Fall einer sowietischen Invasion aufgestellt wurde. Seine Thesen, Gladio wäre an Terroranschlägen im Auftrag der NATO beteiligt gewesen wird überwiegend kritisch gesehen.
Ganser zweifelt die Erklärungen zu den Anschlägen vom 11.September 2001 an und hält anhand der bekannten Fragwürdigkeiten eine Verschwörung möglich, wonach die Anschläge von den USA durchgeführt wurden, um die folgenden Kriege zu rechtfertigen. Dabei ignoriert er Augenzeugenbrichte und hält für möglich, eine Cruise Missile sei für die Einstürze verantwortlich. Das verspätete Eintreffen der US-Luftwaffe, der Einsturz von WTC 7 etc. nimmt er als Indizien für einen «inside Job». Dass die Ereignisse alles andere als glaubwürdig erklärt werden sollte aber nicht dazu verleiten, auch noch die steilste These fraglos zu glauben. Es existieren Lücken in der Darstellung der Ereignisse. Bevor man aber eine Bewertung abgibt sollte man die Lücken füllen und nicht mögliche Lückenfüller anhand der These auswählen, die man grade favorisiert (in Gansers Fall ein Inside Job, um die folgenden Kriege zu rechtfertigen).
Ganser kritisiert die Leitmedien im Zusammenhang mit seiner Buchveröffentlichung über illegale Kriege. Sie würden unkritisch die Sichtweise der Aggressoren übernehmen und impliziert, sie seien politisch gesteuert. Auch hier vermischt er Nachvollziehbares mit unbelegten Behauptungen, die sich auch nicht logisch aus dem Belegten ergeben. Kein Wunder, dass die wissenschaftliche Karriere Gansers beendet war, kaum dass sie begonnen hatte (Dissertation 2005, Entlassung 2006).

Was lobenswert ist und den Tatsachen entspricht ist, dass die USA und ihre Vasallen (oder Verbündete – einige Staaten hatten und haben wirklich die Option, sich aus den militärischen Operationen der USA herauszuhalten. Muss ein Staat einen Krieg mitmachen kann man nicht von einem Verbündeten sondern muss vielmehr von einem Vasallen sprechen) viele illegale Kriege führten und führen, teils mit hanebüchener Begründung. Dass das Militär aus dem Vietnam-Krieg gelernt hat und eine unabhängige Berichterstattung verhindern will, ist seit dem Golfkrieg 1991 und der Erfindung von «embedded» Journalisten für den nächsten Krieg von Sohn Bush Tatsache. Damals in den 90ern durchaus kontrovers diskutiert, wird es heute nahezu kritiklos hingenommen. Während des Golfkrieges von 1991 ergab sich noch ein deutlich abweichendes Bild zwischen traditioneller Berichterstattung und der Berichterstattung, die durch die embeds  verbreitet wurde. Wurde von letzteren das Bild eines chirurgischen Kriegs mit Präzisionswaffen geschaffen lieferten die traditionellen Berichte das gegenteilige (und zutreffende Bild) von massiven Schlägen gegen die Zivilbevölkerung (Tatsächlich waren lediglich 7 Prozent der Bomben "intelligent" und von diesen verfehlten noch 40 Prozent das Ziel. Bei den ungelenkten (also "unintelligenten") Bomben trafen 70 Prozent nicht wie beabsichtigt.). Dass sich die Medien in den Dienst einer der kriegsführenden Parteien stellen, ist durchaus kritikwürdig. Die Annahme «wir sind die Guten» liegt vielen dieser Kriegsberichterstattungen zugrunde und muss bei neutralem Blick deutlich revidiert werden. Die Selbstdarstellung der westlichen Führungsmacht als friedliche, demokratische Nation zu hinterfragen ist sicher genauso angemessen wie auch die veränderte Arbeitsweise der Medien. Von den Medien als «Systemmedien» zu sprechen greift aber zu kurz, weil es die 4.Gewalt als Diener des Staates sieht und somit Propaganda unterstellt. Tatsächlich aber ist guter Journalismus möglich und findet auch noch statt. Michael Moore lieferte bereits einige erfolgreiche Beispiele («Fahrenheit 9/11», «Where to Invade Next»), in denen auf Ungereimtheiten hingewiesen wurde. Auch SRF, ARD und weitere als Systemmedien diffamierte Sender bringen guten Journalismus zustande. Fehler in der Berichterstattung als bewusste Täuschungen hinzustellen bedarf allerdings des Belegs. Den bleiben die Lügenpresseschreier aber schuldig,




Wie im oben verlinkten Zeit-Artikel angedeutet sollte man sich viel deutlicher machen als bisher, wie die Durchkommerzialisierung aller Lebensbereiche die offene, demokratische Gesellschaft zerstört, nicht nur, wie dort angenommen, die Rolle der Medien als unabhängige Kontrollinstanz.

In diesem Zusammenhang kann man auf den letzten Abstimmungssonntag blicken und froh sein, dass die Schweiz mit über 70% der Stimmen die NoBillag-Initiative abgelehnt hat. Was die Wähler letztlich zur Ablehnung bewogen hat lässt sich schwer sagen, doch mir persönlich sind die Aspekte wichtig, dass sich das Schweizer Stimmvolk gegen die Kommerzialisierung der schweizer Medien wandten und damit gutem, um Neutralität gemühten Journalismus weiterhin eine Chance bieten.

Weiterhin fand ich es bedeutsam, dass den blau-braunen, neoliberalen von SVP und Gewerbeverband  eine Schlappe zugefügt werden konnte. Argumente können sich durchsetzen und es hat sicher viel gebracht, die heuchlerische Intention der Initianten frühzeitig zu entlarven, welche eine Umorganisation als Intention behaupteten, wo es faktisches Ziel war, den Service Public der öffentlich-rechtlichen Medien einzustampfen. Die Ganser-Boys sind schlussendlich sicher eine Minderheit, die ich zunehmend am esoterisch-rechten Rand der Gesellschaft verorten würde und die am Abstimmungsergebnis sicher kaum EInfluss hatten. Dass sie dem Neoliberalismus und den "Sünneli-National-Populisten" um Klöppel und Blocher nahestehen macht sie nicht grade sympathisch und vielleicht kann man sie als krakelende Spinner abtun. Die breite Front (Querfront) um Ken Jebsen, Daniele Ganser, die Achse des Guten, Compact-Magazin und Weltwoche welche Rechtsextreme mit Verschwörungstheoretikern vereint ergibt meiner Ansicht nach allerdings eine gefährliche Melange aus berechtigten Fragen, die interessante Diskussionsansätze bieten könnten mit einer erstaunlichen Resistenz gegenüber Fakten, einer einerseits kritischen Weltsicht, die sich aber andererseits der Forderung nach Belegen für ihre "alternative Sicht" verschliessen. Im Ergebnis erzeugt das neben berechtigter Kritik eine Stimmung, in der nicht diskutiert werden kann - die typische verschwörungstheoretische Kultur, in der "SIE" die Wahrheit unterdrücken.Ein konstruierter Konflikt, in dem eine Diskussion unmöglich wird, da der Zweifel den Beleg ersetzt und die Forderung nach dem Beleg der Zweifel gegenübergestellt wird - eine Art selbstreferentielles System.

Tags: meinung, schweinschen schlaus weisheiten, thomas mental chaos
Subscribe

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 11 comments