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Neue Reihe "für die Jugend" (auf altertümliche Weise)

Manchmal hat es auch sein Gutes, krank zu sein.

Wenn im Fieber zwischen den Hustenschüben die Gedanken zu rasen scheinen sind es vor allem bittere Gedanken, die einen quälen. Gelegentlich mit einem Schuss Depression gemischt - da ich so ein Stimmungschaos aber selten aushalte, ohne zu lachen (was wieder zu schmerzhaftem Husten führt) hat das mentale Chais zu einem hoffentlich kreativen Gedanken geführt.

Ich werde nicht jünger - mein Vater war etwa ein halbes dutzend Jahre älter, bevor ihn ein Schlaganfall traf und sich sein waches Ich kurz darauf in die ewige Dunkelheit der Demenz verflüchtigte. Was also tun mit der kurzen Erdenzeit, die mir bleibt, nun da ich Schule, Lehr- und Wanderjahre genauso hinter mir habe wie den zwanghaften Teil des Erwerbslebens? In einem Fieberanfall kam mir der Gedanke, dass es seinen Grund hat, warum Alter und Erfahrung* so wenig gelten. Wenn man nun aber langsam beginnt, das Leben zu durchschauen und es nicht mehr existentiell gefährdend ist, sich erpressen zu lassen kann man in Versuchung kommen, seine Erfahrung weiter zu geben. Natürlich ist die Jugend nur widerstrebend bereit, von der Weisheit der Älteren zu lernen. Oft ist es auch Unsinn - mit dem Alter kommt eben auch nicht zwingend Weisheit. Humorlose Menschen neigen dazu, die Lügen, die ihr Dasein über lange Jahre bestimmten, auch im Alter weiter zu leben und eine Rechtfertigung, vielleicht sogar einen Sinn in ihrem Dasein zu finden - "unser täglich Selbsttäuschung gib uns heute"! Schau sie Dir an! Die gewesenen Wirtschaftsbosse und Manager - oder auch einfache Mitarbeiter. Am Ende bestenfalls eine Traueranzeige in der Zeitung wert "Im ehrenden Gedenken" - ein Standardtext, von einer Sekretärin anhand einer Akte verfasst. Für die meisten ist dieser Mensch, der sich und sein Leben in die Arbeit einbrachte  nicht einmal mehr Erinnerung. Zeit ihres Lebens redeten sie sich ein, etwas Sinnvolles zu tun. Doch was verstanden sie unter dem Begriff "Sinn"?

Ich möchte in einer kleinen Serie "für die Jugend" (auf altertümliche Weise) vor dieser Selbsttäuschung warnen. Vielleicht in einerm weiteren Serie entwerfen, wie man sein Leben gestalten kann und dabei sowohl Selbstbetrug vermeiden kann als auch, sich zu isolieren.

Doch soweit sind wir noch nicht. Zunächst einmal müssen wir die Welt erkennen als das, was sie ist.

Also ...

Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer,
Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze,
Durch mich geht man zu dem verlornen Volke.
Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer,
Geschaffen haben mich die Allmacht Gottes,
Die höchste Weisheit und die erste Liebe
Vor mir ist kein geschaffen Ding gewesen,
Nur ewiges, und ich muss ewig dauern.
Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!


* ich meine hier echte Erfahrung, nicht das, was man heute so nennt. Heute wird Routine als Erfahrung bezeichnet - das heisst, man macht ein und dieselbe Erfahrung: immer und immer wieder

Tags: für die Jugend, gedanken, philo, thomas chaos, thomas mental chaos
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