?

Log in

No account? Create an account
Yesterday

lautenist


Thomas öffentliches Tagebuch

The world of a photographing lute enthusiast


Previous Entry Share Next Entry
Laute aufnehmen
Yesterday
lautenist
Es gibt wohl kein Instrument, das einen bei einer Aufnahme vor so grosse Herausforderungen stellt wie eine Laute.
Der Obertonreichtum sorgt bei vielen Mikrophonen für eine abstruse Verzerrung des eingefangenen Klangbildes. Ebenso sorgt er dafür, dass grade die hochwertigsten Instrumente auf Aufnahmen am schlechtesten klingen. Ein weiteres Problem des Lautenklangs ist die Räumlichkeit des Lautentons: an jeder beliebigen Stelle eines Raumes klingt das Instrument signifikant anders, was die Mikrophonierung extrem erschwert.
So ist es kein Wunder, dass kaum eine Aufnahme (auch professionell gemachte) den Klang so einfängt wie er von einem Konzertbesucher wahrgenommen wird. Viele Aufnahmen versuchen, den Klang dem einer Gitarre anzugleichen, andere werden so dicht am Instrument aufgenommen, dass der Zuhörer beim Abhören der Aufnahme unwillkürlich einen Schritt zurücktritt, weil er sich innerhalb des Instruments wähnt.

Ich selbst kämpfe nun seit vielen Jahren damit, das Instrument in Homerecording aufzunehmen. Wirklich zufrieden bin ich bislang mit keiner meiner eigenen Aufnahmen, auch wenn die letzten Aufnahmen sich anzunähern scheinen. Es bleibt noch viel zu tun.
Es finden sich im Internet auch zum Thema „Laute aufnehmen“ einige Hinweise und Ratschläge, die ich nur empfehlen kann, kritisch zu hinterfragen; von welcher Seite her mag ich an Homerecording herangehen? Nehme ich eine „gut“ gemachte Aufnahme als gegeben, auch wenn das Ergebnis klanglich nicht überzeugt? Oder gehe ich vom Ergebnis aus und stelle mir mein Equipment so zusammen, dass der Klang meinen Erwartungen entspricht?
Die meisten Aufnahmen gehen vom Soundtechniker aus, der naturgemäss auf sein Equipment vertraut und auftretende Probleme beim Mixen korrigiert. In der Regel ignoriert ein Klangtechniker die Räumlichkeit der Laute und versucht, das Instrument möglichst nah abzunehmen, in der Annahme, dort sei der Klang des Instruments am natürlichsten und somit der ideale Ort, ihn einzufangen.
Die Musiker nun wieder wollen gerne den Klang so haben, wie er beim Publikum ankommt und setzen den Zuhörer gerne irgendwo in den gedachten Raum. Welche Position der Zuhörer dort hat ist von Musiker zu Musiker verschieden. Die einen sehen ihre Zuhörer in der ersten Reihe, andere lieber etwas weiter hinten. Ich zähle zu denen, welche den Zuhörer in die dritte oder vierte Reihe des Konzertraums setzen würden, um ihnen in ihrem Wohnzimmer ein ansprechendes Lautenerlebnis zu bieten.

Als Aufnahmegerät sehr populär bei Lautenisten sind die Produkte aus dem Hause Zoom. Ich selbst habe viel mit dem Zoom H2 und dem Videorecorder Zoom Q2 aufgenommen. Tatsächlich konnte ich damit unter bestimmten Bedingungen ganz brauchbare Ergebnisse erzielen, doch waren mir die Ergebnisse zu weit weg vom Lautenklang (sprich: Das Aufnahmegerät verändert den Klang massiv) und die Ergebnisse waren nicht steuerbar. Ein Livemitschnitt eines Konzerts konnte super gelingen oder katastrophal – je nach Raum und der Möglichkeit, das Gerät zu positionieren. Das ergibt ein sehr hohes Frustrationspotential, was mich dazu veranlasst hat, dieses Aufnahmesetup zu verwerfen.


(Aufnahme mit einem Zoom Q2)

Sehr gute Ergebnisse konnte ich mit Mikrophonvorverstärker, Tascam DAT-Recorder und AKG C1000-Mikros erzielen. Bei dem DAT –Gerät ist und war das Problem die Analog-Digital Schnittstelle des PCs. Ansonsten ist das immer noch eine empfehlenswerte Konstellation.
Aktuell nehme ich mit 2 Behringer B5 oder 2 AKG C1000 und einem Tascam DR-100 auf. Für die Mikrophonierung benutze ich XY-Positionierung etwa 2 bis 3 Meter vom Instrument entfernt. Die Ausrichtung der Mikros wählte ich zunächst parallel auf einer Höhe zum Instrument, nun positioniere ich sie etwas von oben herab nach unten, knapp über die Laute gezielt.
Alternativ benutze ich ein Blue Yeti und nehme direkt in den Rechner auf. Hier ist das Klangbild „weicher“ als mit den B5/C1000.


(aktuelles Setup - Blick von etwas vor meiner Sitzposition bei der Aufnahme)

Nachdem man nun aufgenommen hat, muss man den Klang leider trotzdem noch etwas manipulieren und in einem Soundeditor mit dem Equalizer vor allem die Höhen herunterregeln, um ein halbwegs natürliches Klangbild zu erreichen. Aber auch der Bass muss etwas abgesenkt werden. Interessanterweise wird er dadurch eher deutlicher.
Das Schwierige dabei ist, den Klang so anzupassen, dass er auf unterschiedlichen Wiedergabegeräten ähnlich und gleichmässig gut klingt. Da bin ich zur Zeit noch am Üben. Die Einstellungen, die auf den Boxen gut klingen müssen noch lange nicht auf dem Kopfhörer brauchbar sein und selbst, wenn die beide gut klingen muss es noch nicht bedeuten, dass die Laute auch auf einer Stereoanlage gut klingt.
Als Tool setze ich hier Produkte von Magix (Samplitude und Video De Luxe) ein, die intuitiv recht gut bedienbar sind und qualitativ auf einem guten Niveau.

Somit bin ich beim „Wie aufnehmen“ denke ich auf einem recht guten Weg, denke ich. Auch wenn der Prozess noch lange nicht abgeschlossen ist. In der Videogestaltung würde ich gerne noch optisch etwas mehr bieten und will in Zukunft mit mehreren Einstellungen filmen (was mehrere Takes benötigt, um entsprechendes Material zu bekommen – und entsprechend mehr Aufwand für die Synchronisierung – schliesslich spielt man kaum 2x hintereinander exakt gleich. Oder ich arbeite mit mehreren Videogeräten – das Q4 liegt ja noch herum). Klanglich sehe ich noch sehr viel Potential. Hier werde ich wohl um Experimente nicht herumkommen, bis ich eine akzeptable Klangqualität erreiche.

Das nächste Problem ist: „Was aufnehmen?“ Da muss ich ebenfalls noch  dran arbeiten.
Eigentlich dienen die Aufnahmen im Homerecording für mich vor allem dazu, mich selbst und meine Interpretation der Musik zu kontrollieren. Als solches sind sie per se nicht geeignet, veröffentlicht zu werden. Leider bin ich doch immer wieder in Versuchung, solche naturgemäss auch spieltechnisch (noch) nicht perfekten Aufnahmen zu veröffentlichen – in der Intention der Frage an (Internet-) Freunde: „Lohnt es sich, in dieses Stück Arbeit zu investieren?“.
Als Beispiel hier meine gestrige Aufnahme einer Falkenhagen-Suite:

Die Frage erscheint mir legitim und auch das Vorgehen. Doch habe ich dennoch ein schlechtes Gefühl dabei – als würde ich mich viel zu früh mit einem Produkt an eine Öffentlichkeit begeben (selbst wenn diese Öffentlichkeit aus Freunden besteht).

Der eigentlich Spass beim Aufnehmen ist es, qualitativ in jedem Bereich gute Aufnahmen zu erzeugen. Darum sollte man zusehen, nur Stücke zu veröffentlichen, zu deren Aufnahme man selbst ohne Einschränkung  stehen kann. Schliesslich wird man anhand dieser Aufnahmen auch beurteilt. Das macht Veröffentlichungen sehr heikel und man sollte sich lieber einmal zu viel als einmal zu wenig überlegen, ob man etwas veröffentlicht oder nicht. Dem Zuhörer und –seher sind die Begleitumstände einer Aufnahme nämlich herzlich egal.

Hier noch eine Aufnahme, welche meinen Klangvorstellungen recht nahe kommt.







 

  • 1
Bei dem ersten bei dem zweiten Video kam mir spontan dies in den Sinn.
Könnte es sein, dass dort ein solches Instrument verwendet wurde?

Nein - das scheint ein Synthi zu sein, der ein Cembalo imitiert ...

Okay. Das wäre auch im Bereich des Möglichen.
Erinnerte nur sehr stark daran.

  • 1