lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
lautenist

Blau ist eine warme Farbe

Es mag ein Vorurteil sein, doch generell gehe ich davon aus, dass es bei französischen Filmen zwei Kategorien gibt: Absolute Spitzenklasse oder grottenschlecht.
Gestern Abend habe ich nun, warum weiss ich nicht, den Film „Blau ist eine warme Farbe“ (La vie d’Adèle – chapitres 1&2, ) geschaut.  Zunächst einmal war ich von Adèle Exarchopoulos beeindruckt, einer sehr hübschen jungen Schauspielerin, die ihre Rolle der Adèle sehr intensiv spielt, und dabei so etwas von süss bleibt, dass man als Mann leicht ins Schwärmen geraten kann.
Der Film handelt von der Beziehung zweier Frauen zueinander, kurz also ein Film über Lesben. Das genügt mir aber heute nicht mehr, um einen Film interessant zu machen. Liebe ist Liebe – egal ob hetero oder homo. Und keine Beziehung besteht nur aus Friede, Freude, Eierkuchen. Da ist es mir als Basis für eine Geschichte zu banal, dass es sich bei den Liebenden um zwei Frauen handelt.

Auf einer Filmlänge von 3 Stunden wird das schleichende Entstehen wie auch Vergehen einer Liebe gezeigt. Dabei bleiben mir die Motive, Gedanken und Gefühle der Protagonistinnen weitgehend unklar. Seltsam unscharf ist vor allem Adèle gezeichnet, während Emma (Léa Seydoux), vielleicht, weil sie den kantigeren der beiden Charaktere darstellt, mehr Profil gewinnen kann. Schade, denn die für einen europäischen Film lange Laufzeit hätte hier sicher Möglichkeiten geboten, grade der Person Adèle mehr Tiefe zu geben. So wirkt sie vor allem „süss“ und die Motive für ihre Beiträge zum Scheitern der Beziehung bleiben im Dunkeln und viel Potential wurde verschenkt.
Bekanntheit scheint der Film wegen ausufernder Sexszenen erlangt zu haben. Anfangs fand ich diese Szenen der Geschichte gegenüber noch durchaus dienlich, da sie sowohl die Leidenschaft als auch das Vertrauen – und auch den Wandel, den eine Beziehung im Zeitverlauf fast zwangsläufig durchmacht, sehr schön illustrieren: von zartem Erkunden über Leidenschaft hin zu Routine und gelegentlich auch Ablehnung. Ebenso die oft problematische Zeitverschiebung, in denen sich die Beziehung entwickelt. Während die eine noch in einer romantischen Phase verharrt, ist die andere bereits auf Distanz. Bei aller Notwendigkeit und Eindringlichkeit der Sexszenen muss ich allerdings ebenfalls sagen, dass sie mir doch zu ausufernd waren und andere Arten, den Protagonistinnen Tiefe zu verliehen nicht ersetzen können.
So bleibt das Vergehen der Liebe ein Rätsel und die Geschichte scheint mehr dahinzudümpeln. Dennoch gelingt es dem Film, blendend zu unterhalten. Die Rätsel der Beziehung  beantwortet man für sich selbst („bestimmt findet sie nun, dass …“). So dass ich den Film trotz genannter Schwächen uneingeschränkt empfehlen kann, nicht zuletzt dank der beiden Hauptdarstellerinnen.

Aufgrund der ausufernden Sexszenen finde ich die Altersfreigabe ab 16 allerdings etwas gewagt.
Tags: film, meinung, trivia
Subscribe

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 0 comments