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Brüderle und der Feminismus

Auf Twitter ging nun, nachdem der Spiegel einen Sexismusvorwurf gegen Brüderle plaziert hatte, der Hashtag #Aufschrei herum, unter dem Frauen ihre Erlebnisse zwitscherten.

todamax lese ich nun ziemlich täglich und dort fand ich einen Verweis auf Renés Artikel zum Thema. Sehr schön geschrieben, das Ganze. Und doch - nachdem ich irgendwann auch das Lesen des Mamablogs eingestellt habe, weil mich langsam anscheisst, wie grade Frauen versuchen, Genderproblematik zu konstruieren, wo es gar keine gibt und sich bei mir immer mehr der Eindruck etabliert, dass diese Art der Problembeschreibung das Problem sowohl reduziert (weil es weder die Ursachen noch das Problem korrekt beschreibt ) als auch "den Frauen" nicht dient, weil es eher dazu angetan ist, den "alltäglichen Sexismus" zu verstärken (in etwa: wenn sie schon anders sind und anders behandelt werden wollen dürfen sie sich nicht wundern ..)

Wenn jemand belästigt oder diskriminiert wird spielt es doch keine Rolle, ob Mann oder Frau. Das Problem ist für mich, dass Diskriminierung alltäglich ist – mal ist die Frau Opfer, weil sie Frau ist, mal ist es der Ausländer, dann wieder der Religiös andere (Wurst, welcher Religion oder Nicht-Religion), mal ist es der Behinderte, mal jemand, der Schuhgrösse 43 hat. Es geht doch um ein Verhalten, das auf Ausgrenzung setzt, um ein irgendwie geartetes, kuscheliges “Innen” zu schaffen, indem man auf die Bösen "da draussen" verweist.

Bei Frauen kommt natürlich als Besonderheit ein Element dazu: Es gibt ja auch das spielerische Element im Umgang mit Frauen und es ist hochgradig individuell, wann die Grenze vom Flirt zur Belästigung einer Frau überschritten ist. Natürlich gibt es auch ganz klare Fälle von Belästigung (besagtes Tittengrabschen und so Sachen zum Beispiel). Doch dort gibt es einen gigantisch grossen Graubereich, in dem das eine Individuum sich noch vollkommen wohl fühlt, die Spielerei vielleicht sogar geniesst, während eine andere das gleiche Verhalten unerträglich findet. Dann kommt es auch oft noch darauf an, wer handelt: Eine Anmache von Bratt Pitt, George Clooney oder Jonny Depp wird wahrscheinlich von den meisten Frauen anders beurteilt als eine von Rainer Brüderle.

Dieser Graubereich existiert übrigens in fast allen Bereichen: Ein tief religiöser, dezent humorloser Mensch wird sich leichter religiös diskriminiert fühlen als jemand, der zwar die Traditionen seiner Religionsgemeinschaft lebt, dem aber der Fanatismus fehlt. Und dieser wieder stärker betroffen sein als der nur nominelle Angehörige einer Glaubensrichtung.

Ich denke, in den meisten Fällen sollte eine Entschuldigung genügen – diese sollte dann aber auch selbstverständlich und einforderbar sein. Während in den extremen Fällen (angesprochenes Tittengrabbschen) eine Entschuldigung nicht mehr reicht. Für so etwas sollte bei uns kein Platz sein.

Bin ich nun Anti-Feministisch? Ich weiss nicht – aber ich habe mit dem Feminismus wenig am Hut. Frauen sind für mich Menschen – mit Besonderheiten, wie Schwarze, Weisse, Juden, Christen, Muslime, Menschenmit Schuhgrösse 43, Behinderte …
Diese Besonderheiten machen unser Menschsein zu einem guten Teil aus – ich finde es Quatsch, sie zu ignorieren – aber genauso ist es nicht hinnehmbar, jemanden wegen dieser Besonderheiten zu diskriminieren.
Eine gewisse Sonderrolle haben dabei noch das, was man “nachgesagte Besonderheiten” nennen könnte – bei Juden die krumme Nase etc., bei Mädels gewisse Rollenclichés: die sollten wirklich keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft haben.

Und was hilft dagegen? Aufklärung! Oder?

Tags: meinung, thomas mental chaos
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