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Das Ende einer Zeit ...

Die Nachricht trifft einen wie einen Schlag – man will es nicht glauben. Und doch – wer würde bei einer solchen Nachricht lügen? Gestorben – plötzlich – Mitte 40.

Wenn es  tatsächlich einmal Momente gab, in denen das Hirn komplett stillstand, dann waren es die Nachrichten vom plötzlichen und unerwarteten Tod von Freunden, wie sich mich innerhalb eines halben Jahres 2 Mal erreichten. Glücklicherweise auf elektronischem Weg. Ich mag keine Floskeln und bin nicht sicher, ob ich überhaupt in der Lage gewesen wäre, Floskeln abzusondern. In mir war – nichts. Schockstarre?

Nach einem Moment (ich kann mich nicht mehr erinnern, wie lange diese Starre dauerte) kamen dann die Gedanken an die Angehörigen, Bekannte und Freunde auch seit Kinder- und Jugendtagen. Wie ging es ihnen? Doofe Frage eigentlich – die wohl auch mehr dem Gefühl der eigenen Hilflosigkeit in einer solchen Situation entspringt als wirklichem Interesse.  Natürlich interessiert man sich, will helfen, wäre gerne da – und doch fühlt man sich ungeeignet. Und obwohl ich mir geschworen hatte, niemals in solchen ernsten Situation in die Abgründe der Floskeln abzutauchen rutschen sie aus einem heraus. Vielleicht ist der Wunsch, sein Mitgefühl auszudrücken zu stark, vielleicht reicht die Sprache auch nicht aus, um den Zustand zu beschreiben, in den man selbst versetzt ist, vielleicht ist das Entsetzen zu gross, vielleicht ist es auch unmöglich, nicht nichts zu sagen? Jedenfalls kamen Wörter, die mir wie Floskeln vorkamen heraus.

Wahrscheinlich kennt diese Situation jeder:  man würde so gerne helfen, da sein – und ist verdammt dazu, nichts zu tun, sich mehr oder weniger floskelhaft zu äussern und mit Gesten sein Mitgefühl auszudrücken.

Das soll heute aber nicht mein Thema sein. Was mich beschäftigt ist, was diese zwei Verluste in mir selbst verändert haben. Sicher: Schon in jungen Jahren hatten wir Verluste, am eindrücklichsten ist das wohl letzte Treffen des Abi-Jahrgangs kurz nach dem Abitur in Erinnerung, als ein Klassenkamerad beim Fallschirmspringen umkam (sicher mit ein Grund, warum ich nie Fallschirmspringen werde). Unfälle gab es – und bei aller Dramatik war das etwas anderes. Sie haben mein tiefstes Inneres nicht angetastet. Nicht so, wie es die beiden lieben Toten in jüngster Zeit taten.

Nahe liegt es zu sagen, die Vorstellung von der eigenen Unsterblichkeit sei zerstört worden.
Tatsächlich passierte aber mehr. Mit dem Tod der lieben Freunde änderte sich die Gewichtung der Zeitebenen. Präsens bleibt weitgehend unangetastet, die Vergangenheit wird eher bedeutsamer während die Zukunft an Bedeutung verliert.
Man kann auch überspitzt sagen, dass die Zeit, in der man Neues freudig  begrüsste, vorbei sind und man sich langsam auf ein ständiges Abschiednehmen einstellt.


Tags: gedanken, meinung
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