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Liebe und Beziehung

Über das Thema „Liebe und Beziehung“ zu sprechen und zu schreiben ist immer gefährlich, da man sich auf eine subjektive Ebene begibt und Aussagen von allgemeinem Wahrheitscharakter schwer zu treffen sind.
Gestern hatte ich bereits ausgeführt, wie sehr wir durch die Erfahrungen geprägt sind, die wir im Leben gemacht haben. Und grade wenn es darum geht, Nähe wirklich zuzulassen, jemand anderen als Teil seines eigenen Lebens zu verstehen sind wir (paradoxerweise) besonders von gemachten schlechten Erfahrungen geprägt. Ich habe beobachtet, dass viele vor der Entscheidung, jemanden in ihr Leben zu lassen abwägen, ob das nicht vielleicht zu einer Wiederholung der gemachten schlechten Erfahrungen führen wird. Das ist verständlich. Schliesslich sind diese Erfahrungen in der Regel schmerzhaft gewesen und man will sie nicht wiederholen.

Ich war von dieser Beobachtung dennoch erstaunt, denn sie ist negativ – sie will Leid vermeiden. Dabei geht es in diesem merkwürdigen Gedankenchaos, welches herrscht, wenn man sich für oder gegen jemanden entscheidet, doch eher um eine Entscheidung für die Zukunft. Um etwas Positives. Und in erster Linie geht es um Gefühle. Erst, wenn mich jemand fragt „was findest Du an ihr so toll?“ kommt eine Art Liste heraus. In aller Regel bei der fast unweigerlich folgenden Frage „Und was stört Dich?“ eine andere (deutlich kleinere).
In aller Regel ergeben sich die Probleme im Alltag – welcher Art die sind kann man nicht wirklich planen. Als sicher kann man nur annehmen, dass sich zwei Menschen, die eine Partnerschaft eingehen, immer arrangieren müssen. Sonst kann es nicht klappen. Worauf ich achten kann ist, dass ich mit jemandem reden kann, wir uns in den wesentlichen Punkten einigen können, dass ich meine Bedenken äussern kann, dass ich mich bei ihr geborgen fühle, dass ich ihre Nähe mag, wir gemeinsame Interessen haben, sie aber auch eigene hat und vor allem: Dass ich ihr vertraue. Dann ist es möglich, zu von beiden als fair angesehenen Arrangements zu kommen. „Ich, sie und wir“ sind meiner Ansicht nach in einer Partnerschaft gleichberechtigte Partner, die alle ihr Recht wollen. Und die man wahrscheinlich ohne Kompromisse und auch Abstriche nicht unter einen Hut bringen kann. Aber das „Wir“ bringt so viel, dass es die Einschränkungen beim „Ich“ locker kompensiert.
Da das dynamisch ist bringt es nichts, sich allzu viele Gedanken zu machen.
Im Vorfeld lassen sich ein paar Sachen klären. Die meisten solcher Fragen sind organisatorischer Natur. Und mit einem Hauch guten Willens lassen sie sich lösen: Du wohnst in Zürich und ich in Obwalden. Okay: Ein Wochenende bei Dir und eins bei mir. Wenn es mal nicht so klappt – reden wir drüber. Es ist eine Regel, kein unumstössliches Gebot.

All das ist von Datingagenturen natürlich nicht berücksichtigbar. Dort wird getan, als gäbe es objektive Parameter, um glücklich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Was mich erstaunt ist, dass auch im echten Leben viele in solchen Parametern zu denken scheinen und eine Art Checkliste führen gegen die sie den potentiellen Partner prüfen. Letzten Endes ist das doch nur der Versuch, eine bereits getroffene, vollkommen subjektive Entscheidung zu rechtfertigen. Eine Entscheidung für oder gegen einen Partner ist nun mal subjektiv und bedarf keiner Rechtfertigung. Darum hatte ich bislang auch nie nach einem Grund für eine Trennung gefragt oder dem Grund, nicht als Partner in Frage zu kommen.

Das war bislang, denn inzwischen lernte ich, dass es auch den Fall gibt, bei dem alles zu stimmen scheint und doch kommt man offenbar nicht als Partner infrage. Wahrscheinlich ist die Einschätzung, wonach „alles stimmt“ nur meine und ich mache den beliebten Fehler, von mir auf andere zu schliessen.

Was mich nun daran wieder erstaunt ist, wie und wodurch eine solche unterschiedliche Wahrnehmung der gleichen Situation entstehen kann. Projektion? Weil ich gerne hätte, das es so wäre nehme ich an, es ist auch so?

Unabhängig vom oben geschriebenen kam gestern die Frage auf, was denn eigentlich eine „Beziehung“ ist.  Da scheint es auch unterschiedliche Auffassungen zu geben. Für mich sind die Schlüsselbegriffe dessen, was eine Beziehung ausmacht „Vertrauen“, „Partnerschaft“ und „Zusammensein“ (Zusammengehörigkeitsgefühl). Partnerschaft bedeutet, dass man Probleme gemeinsam angeht, aber auch die schönen Momente im Leben gemeinsam geniesst. Wenn etwas auftritt, was einen beschäftigt ist der bevorzugte Ansprechpartner eben der Partner, denn bei ihm fühlt man sich gut aufgehoben und geht Aufgaben gemeinsam an. Aber auch das gemeinsame Träumen, Spinnen – eben Leben - gehört dazu. Dazu gehört nicht zwingend, eine gemeinsame Wohnung zu haben –„Leben“ würde ich anders beschreiben. Das Teilen meiner selbst gehört dazu. Und, den Partner anzunehmen – nicht kritiklos! Meine Partnerin hätte Kritik verdient – sondern sie ernst zu nehmen, auch mit ihren Träumen und vielleicht manchmal verrückten Ideen. Ihr sollte klar sein, dass ihr mir gegenüber nichts peinlich sein muss – denn ich stehe zu ihr, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Schliesslich betrachte ich sie als Teil von mir. Und als bereichernde Ergänzung um all das, was sie hat und ich nicht – und ich bin stolz auf sie deswegen!
Ein paar Negativbeispiele:
Wenn man den anderen in der Beziehung nur in einem engen Teilbereich seines Lebens zulässt ist das nicht Zusammensein. Zusammensein bedeutet, meine Partnerin darf dabei sein – aber sie muss nicht.
Wenn meine Partnerin sich nicht zu mir bekennt ist das nicht nur eine Beleidigung sondern widerspricht dem Wesen des Zusammenseins.
Es lassen sich wahrscheinlich unendlich viele Beispiele finden – und ich empfinde viel wohl als selbstverständlich, so dass ich darüber ohne konkreten Anlass gar nicht nachdenke.

Tags: gedanken, meinung, thomas mental chaos, trivia
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