lautenist (lautenist) wrote,
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Aurora

So dramatisch es ist: Die Ursache des Amoklaufs in Aurora in Batmankostümen zu finden hat etwas Spassiges. Dass Fake-Waffen verboten werden sollen hat schliesslich auch nur damit zu tun, dass sie von echten Waffen nicht zu unterscheiden sind und sich im Amiland jeder echte Waffen einfach organisieren kann. Man darum davon ausgehen muss, dass es sich bei Waffen im Kino um echte Waffen handeln könnte.
Den Zusammenhang zwischen Kostümierung und Amoklauf muss man mir erklären.

Der Spiegel findet nun die Ursache in mangelnder Präsenz in sozialen Netzwerken: Was für ein Dünnsinn! Hier hat der Gutmensch sich schon Gedanken gemacht, so dass ich der Einfachheit halber auf seinen Blog verweise.

Generell geht wie immer nach solchen unfassbaren Vorgängen die Suche nach Schuldigen vor sich. Und wie immer sucht man auf jemanden oder etwas, auf das man zeigen kann und dem klar und eindeutig die Schuld zugewiesen werden kann. In Deutschland waren es ja bekanntlich die „Killerspiele“ und Heavy Metal Musik, welche die Ursache für Amokläufe sind.
Ich bin mit Epikur (Zeitgeistlos) völlig einer Meinung in Analyse der Ursachen für Amokläufe. Bestenfalls würde ich noch ergänzen, dass Counterstrike sich vielleicht deshalb auf den Rechnern der Amokläufer fand, schlicht weil es ein sehr weit verbreitetes Spiel ist. Siehe auch den sehr guten Artikel auf den fliegenden Brettern.
Warum wird aber die Auseinandersetzung mit den wirklichen Ursachen unterdrückt?
Ich vermute, es geht darum, dass sich die Politik nicht in die Mitverantwortung nehmen lassen will – schliesslich führt die politische Gestaltung der letzten Jahre nicht nur zu Amokläufen sondern genauso zu Problemen auch noch in ganz anderen Bereichen: Von Ritalin für das Norm-Kind über Radikalismus, Bologna, Arbeitsplätzen, die einen nicht ernähren können bis hin zur Eurokrise: die erfolgreich durchgeführte Neu-Ausrichtung der Gesellschaft an ökonomischen Gegebenheiten (im Sinne des Neoliberalismus), die Gesellschaft, in der nur sogenannte „Leistungsträger“ etwas zählen wird uns als „alternativlos“ verkauft. Gleichzeitig findet sich keine nennenswerte Opposition mehr, die im legalen Rahmen gesehen wird und als Alternative dienen könnte (darüber, inwieweit die Kriminalisierung der Partei der Linken gerechtfertigt ist müsste ich genauer nachdenken). Was kann daraus anders entstehen als Resignation weiter Teile einer Bevölkerung? Des Teils, der nicht zu den „Leistungsträgern“ gerechnet wird und der als sozialer Abschaum diffamiert wird (Arbeitslose, Rentner, aber auch Menschen in ganz normalen Berufen).
Karl Popper nannte Demokratie eine Gesellschaft, in der wir eine missliebige Regierung ohne Blutvergießen wieder loswerden können. Das können wir zwar, aber wie sieht es aus, wenn wir als Alternative nur eine andere missliebige Regierung haben?

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But now to something completely different. Bohemian Rhapsody "A Capella":



Tags: gedanken, meinung
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