lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
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A legend


(This picture is taken from Anna black_syringa
and shows the place where it all happend)



Im OW gibt es ein Tal, das nur über eine schmale Strasse erreichbar ist. Diese Strasse führt über einen Pass. Die Alten sprechen ehrfürchtig vom "Pass der verwunschenen Seelen". Hier soll in grauer Vorzeit ein schreckliches Massacker stattgefunden haben, bei dem hunderte Menschen grauenvoll umkamen, die diesen Pass trotz der Warnungen der Städter aus dem Tal bestiegen. Auf schönstes Sonnenwetter folgte in minutenschnelle ein fürchterliches Unwetter, dem nicht ein Reisender entkam. Männer, Frauen und Kinder starben und niemals konnte geklärt werden, was genau an diesem Tag geschah. Die Städter sahen nur die plötzlich aufziehenden dunklen Wolken.
In der folgenden Nacht schliefen nur die ganz abgebrühten Seelen. Alle anderen hörten in ihren Träumen die Schreie der Sterbenden und spürten ihren Schmerz.

Nun warnen die Alten jeden Reisenden davor den Pass zu benutzen, da die Toten danach trachten, den glücklichen Lebenden ihre Freude zu nehmen und sie auf immer in den Wahnsinn zu treiben.

Nun geschah es, dass die Strasse einmal wegen eines Umgestürzten Krans gesperrt war. Eine junge frau, nennen wir sie Anna, wurde von ihrer neugier getrieben zu schauen, was denn passiert war. Sie lief los und bestieg den Berg - bei einem Wetter wie auf dem Foto oben!
Eine leise Brise wehte durch ihr Haar. Ihr fröstelte. So setzte sie eine Mütze auf. plötzlich war ihr, als würde sie Stimmen hören ...

"Anna - steig weiter hinauf!" ... aus vielen Kehlen schien es Ihr zugeflüstert zu werden. Sie versuchte, den immer drängender werdenden Stimmen zu widerstehen und richtete den Blick fest auf ihren Weg.
"Anna - steig weiter hinauf!" ... sie versuchte die stimmen zu verdrängen, doch wie aus tausend kehlen hörte sie das drängende Flüstern "Anna - steig weiter hinauf!" ... sie begann zu schwitzen. ihre schritte beschleunigten sich. sie lief und lief! Sie musste den Weg erreichen.
"Anna - steig weiter hinauf!" ... "Wenn ich doch noch diese Stimmen loswerden könnte" dachte sie verzweifelt. Obwohl sie durchtrainiert war ging ihr Atem immer schneller und der Schweiss rann in Strömen.
Plötzlich wurde der Himmel klar und ... keine Stimmen mehr!
Erschöpft setzte sich Anna auf einen Felsen und blickte um sich herum. Sie war kilometer vom weg abgewichen! Sie befand sich auf einer kleinen ebene etwa 300 Meter unter dem Gipfel. Während sie im strahlenden Sonnenschein stand waberten unter ihr dichte dunkle Wolken. Sie kannte den Ort und die Legenden,die sich um ihn rankten. Hier waren die Reisenden gestorben!
Was sollte sie tun? Bei der Wetterlage wäre ein Abstieg selbstmörderisch gewesen und so entschied sie, einen geschützten Platz zu Suchen, falls das Unwetter sie erreichen sollte oder sie einen Platz zum Übernachten bräuchte.

"Grüezi, junge Dame" hörte Anna plötzlich eine Stimme, die sie in dem schwerfälligen, singenden Dialekt der dortigen Bevölkerung ansprach.
Erschrocken fuhr Anna herum. Vor ihr stand ein etwa 60-jähriger Mann, der sie, auf einen langen Stab gestützt anlächelte. "bei diesem Wetter sollte man sich nicht in die Berge wagen. Wenigstens die Schuhe sind brauchbar", sagte er, sie mit freundlichem, doch kritischen Blick musternd. "wer sind Sie" fragte Anna erstaunt. "ich bin der Urs und lebe in der Hütte da hinten", er deutete mit einer leichten Kopfbewegung hinter sich. "ist nicht oft, dass sie jemand hier raus traut". "ich weiss nicht, wie ich hierher gekommen bin" gestand Anna errötend. Die Geschichte mit den Stimmen wollte sie lieber für sich behalten. "Lust auf einen Tee?", fragte der Mann, der sich als Urs vorgestellt hatte.
Erschöpft und dankbar stimmte Anna dem Vorschlag zu. Mit einer Geste bedeutete Urs Anna, ihm zu folgen.

nach einem stummen Fussmarsch von etwa 20 Minuten erreichten sie eine Lichtung in einem kleinen Fichtenwald. "Diese Hütte hat aber auch schon bessere Zeiten gesehen", dachte Anna ironisch, als sie die windschiefe Hütte sah. Sie erinnerte die aus Holz laienhaft zusammengezimmerte Hütte eher an ein Kartenhaus, das bei einem Windhauch zusammenfallen würde als an ein eBleibe, die auch den strengen Wintern des Obwaldener Berglandes standhalten könnte.
Während sie stehengeblieben war eilte urs der Hütte zu und winkte Anna zu, ihm zu folgen.
Wenig später knisterte und knatterte ein lustiges Feuer in einem altertümlich wirkenden Ofen.
Kuzr darauf sassen sich Anna und Urs schweigend bei einem wärmenden, herrlich dampfenden tee gegenüber. Nach kurzer Zeit überfiel Anna eine tiefe Müdigkeit und wenig später erschien es ihr unmöglich, noch eine Sekunde länger die Augen offen zu halten. Die Augen fielen ihr zu ...
Sie bemerkte nicht, wie Urs sie auf einige Schafsfelle bettete und mit dicken Wolldecken zudeckte.

Anna träumte.
"aaaaaaaaaaaaaaaaaanna" ... dunkel und hallig klang die Stimme. "aaaaanna - geh weg von hier". Im Schlaf bewegte sich Anna unruhig hin und her
"aaaaaaaaanna - hör auf mich! Wenn Du hierbleibst wirst Du sterben".
Sie versuchte, die Bilder von grausam entstellten Leichen, die in ihrem Traum erschienen zu verscheuen. "Aaaaaanna! Hör auf mich!" - die hallige Stimme gewann an Eindringlichkeit. "Wenn Du hierbleibst wirst Du sterben" ... schweissgebadet öffnete Anna die Augen.

in der Dunkelheit der Hütte konnte sie nur das schwache Glimmen der Glut im Ofen erkennen. Nicht genug, um etwas zu erkennen. Eine tiefe Unruhe hatte sie erfasst. Mehr kriechend als krabbelnd suchte sie Jacke, schnappte sich eine Decke und versuchte, anhand des Glühend des Ofens die ungefähre Richtung des Ausgangs auszumachen. langsam und vorsichtig setzte sie eine Hand vor die andere und bewegte sich langsam und vorsichtig. nach einer ihr endlos erscheinenden Zeit erreichte sie die wand. "hoffentlich fällt das haus nicht ausgerechnet "jetzt* zusammen", dachte sie während sie sich der wand entlang hangelte. Endlich erreichte sie die Tür. vorsichtig öffnete sie sie und krabbelte heraus. Geblendet vom Schein der Sterne brauchte sie einen Moment, um sich zu orientieren und Details der Umgebung wahrzunehmen. verzweifelt dachte sie an die Stimmen "nur weg von hier" ... "weg hier" ... sie richtete sich auf und begann zu laufen. immer hangabwärts, immer schneller.

nach einer ihr endlos erscheinenden Flucht erreichte Anna einen Punkt an dem sie die lichter des heimatlichen Dorfes sehen konnte. langsam begann es zu dämmern.

Sie stürzte nachhause ... nachdem sie ihre Geschichte erzählt hatte und allgemein erstaunen herrschte, denn von urs wusste niemand, niemand kannte ihn oder hatte ihn je gesehen. Und so wurde den düsteren legenden des Tals eine neue hinzugefügt: Die von urs, dem Bergbauern über dem "Pass der verwunschenen Seelen"

Tags: story
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