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Schönheit

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, sagt man. Früher war man anderer Meinung und fand, sinnlich erfasste, qualitative Werte (Schönheit, Kunst, Musik, …) liessen sich objektiv erfassen. Man gründete eine philosophische Disziplin und nannte sie Ästhetik.

Tatsächlich ist es extrem schwer, Qualitäten, deren Natur es ja grade ist, nicht quantitativ messbar zu sein, objektiv zu erfassen. Man kann versuchen zu beschreiben, was man schön oder anregend findet, man kann darauf deuten und sagen „Das ist schön“, aber die Versuche, zum Kern der Sache vorzudringen scheitern.

Meiner Meinung nach scheitern sie genau deshalb, weil Schönheit (als leichter handhabbares Konkretum für „ästethisches Erlebnis“) kein Begriff an sich ist (a priori nicht existiert) sondern nur in Verbindung mit etwas anderem denkbar, also Attribut von etwas ist. Wie im vorherigen Beitrag dargelegt halte ich Schönheit im Wesentlichen für kulturell geprägt. Wahscheinlich lässt sie sich innerhalb eines Kulturkreises statistisch (quantitativ) erfassen („x% der Schweizer finden Angelina Jolie schön“). Ein allgmeiner Begriff dessen, was schön ist lässt sich daraus nicht ableiten. Anhand der üblichen Attributesammlung, mit der man begründet, Angelina Jolie sei schön lässt sich ausserdem erkennen, dass man eigentlich, wenn man sie „schön“ nennt, etwas ganz anderes meint, als wenn man einen Film schön findet oder ein Buch oder … Und im Fall von Angelina Jolie kommt es mir vor, als würde hier „sexy“ mit „schön“ gleichgesetzt (ich oute mich nun mal: Ich persönlich finde Angelina Jolie weder sexy noch schön).

Und da haben wir es wieder: Schönheit als solches gibt es nicht. Sondern Schönheit kann, je nach Kontext, etwas komplett anderes bedeuten.  Was wir eigentlich meinen, wenn wir von Schönheit reden, ist die ästhetische Qualität, die einem Objekt innewohnt. Und die ist, je nach dem Objekt (Buch, Film, Gemälde, Landschaft, …) vollkommen unterschiedlich. Selbst der Vergleich von gleichartigen Objekten, sagen wir einer Komposition von Bach mit einer Komposition von Beethoven, hinkt, da das Bezugssystem nicht zueinander passt.  Somit ist die Schönheit nur dem Objekt selbst innenwohnend und entzieht sich dem Vergleich.

Es ist also auch vollkommen unangebracht, sich mit irgendwelchen gephotoshopten Frauen aus Magazinen zu vergleichen. Die Frage wäre eher: Was finde ich schön an mir und warum tue ich das? Und im Umkehrschluss kann man fragen: Was finde ich nicht schön an mir und was kann ich tun, um diesen Mangel zu beheben?

Wenn wir das auf den Auslöser dieser Überlegungen, meinen gestrigen Kommentar auf Facebook („es gibt hübsche Mädels“) bezieht bedeutet das, ich befand mich in keinem Widerspruch – etwas hübsch zu finden ist ein subjektives Werturteil. Der Begriff meint in diesem Zusammenhang, „da waren ein paar Mädels nett anzusehen“. Diese Aussage strotzt ja gradezu vor Subjektivität  - und in gewisser Weise auch vor Chauvinismus, da ich gnadenlos auf das Äussere reduziert habe. Schauspielkunst? Who cares! In diesem Sinn war mein Werturteil negativ – da ich dem Film nicht viel mehr abgewinnen konnte als dass ein paar Schauspielerinnen nett anzusehen waren. 
Was ich nicht gesagt habe ist, ob ich ein solches Mädel interessant finden würde. Noch weniger habe ich Auskunft über die Attribute gegeben, die einen Menschen liebenswert machen oder für mich zu einem Erlebnis. Nicht einmal, dass die Mädels im Film auch nur ansatzweise diese Kriterien erfüllen würden. Und wer für mich schön ist … na! Das wissen wir doch alle, oder?

Tags: gedanken, meinung, schweinschen schlaus weisheiten, thomas mental chaos
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