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Frauenseiten ...

Ausgelöst durch einen gelesenen Online-Artikel, zu dem ich heute noch ein interessantes Gegenstück in der Bernerzeitung fand machte ich mir Gedanken über die Körper- und Schönheitsfixierung – und die heute scheinbar allgegenwärtige Geschlechterdefinition, die man durchaus zu recht „Genderkitsch“ nennen kann.

Beim Stöbern durch Online-Medien kommt es mir so vor als sei es Mode, die Frauenseiten früherer Tage durch Blogs zu ergänzen oder zu ersetzen, welche das Leben der modernen Frau nicht mehr wie früher durch Ratschläge für den perfekten Kaffeeklatsch zu bereichern sondern es werden Darstellungen wie im Mamablog der Tagi gewählt, welche pseudomodern genau diese offenbar zeitlosen Themen, etwas moderner verpackt, aufbereiten. Die immer gleichen Themen rund um Kinder, die eigene Attraktivität, Sex und Erziehung werden weiterhin als typische Frauenthemen gesetzt und wie vor 50 Jahren in Abgrenzung zum Mann, den das alles ja nicht interessiert (oder zu sehr interessiert), dargestellt. Ich habe diese Blogs eine Weile gelesen – quasi als Realsatire und staune, dass sich Frauen heute (wieder?) wie weiland in den 50er Jahren zu definieren scheinen – und das auch noch emanzipiert finden. Klar – die Problembereiche sind immer die gleichen geblieben, doch hätte ich von modernen Frauen mehr Selbstbewusstsein erwartet. Warum sich in Abgrenzung gegen den Mann definieren? Warum auf Unterschieden („wir Frauen denken und fühlen anders“) bestehen, die genau diese Unterschiede noch zementieren? Es gibt natürlich biologische Gegebenheiten, welche Unterschiede zwischen den Geschlechtern begründen, doch viele der in diesen Blogs anzutreffenden Annahmen über die Realität sind kulturell und erziehungsbedingt. Und mein Eindruck ist – da waren wir schon mal weiter im Rollenverständnis.

Die heutzutage ausgeprägte Körper- und Schönheitsfixierung, nicht nur bei Frauen, ist zum Beispiel ausgesprochener Unsinn. Diesem ganzen Wahn um das Aussehen liegt letzten Endes die (immer wieder wiederholte) Annahme zugrunde, ein gutaussehender Mensch sei erfolgreicher. Doch was meint hier Erfolg? Was ist gutes Aussehen? Man bekäme ein höheres Salär, man bekäme den attraktiveren Partner, man sei, kurz gesagt, rundum zufriedener. Doch ich frage mich: Sind diese als objektiv dargestellten „Erfolge“ wirklich ein Mass für Glück? Oder wird hier nicht auf der einen Seite definiert, was Erfolg ist und gleichzeitig ein Wettbewerb in Gang gesetzt, diesen Erfolg zu erreichen und gleichzeitig noch ein Grund für das Scheitern geliefert - der Konkurrent sah halt besser aus. All diese Annahmen begründen sich im Vergleich gegen andere oder gegen einen pseudoobjektiven Index, der faktisch aber willkürlich gesetzt wird – und dessen Bedeutung für unser Wohlbefinden auch einen Vergleich nach Aussen bedeutet, statt gegen eine andere Person halt gegen eine „objektive“ Grösse.
Ich bin mit meinem Salär unzufrieden? Also muss ich schauen, dass ich besser aussehe? Ist das Salär überhaupt wichtig? Inwieweit ist der BMI ein brauchbarer Index für mein Glück? Natürlich kann ein Individuum für sich bestimmen, dass es sein Glück über materielle Dinge oder das Aussehen definiert – aber kann man das sinnvoll für alle Individuen einer freien Gesellschaft behaupten? Ich persönlich zweifele daran, dass man durch solche Äusserlichkeiten zu dauerhaftem Glück finden kann. Sind andere Lebensentwürfe nicht genauso denkbar, berechtigt und führen genauso zum Glück?

Für mich ein gewichtiges Argument für andere Modelle: sie müssen nicht auf Abgrenzung, nicht auf dem Wettbewerbsgedanken gründen!

Meine Obermieterin meinte mal zu mir, sie schaue kein Fernsehen mehr, weil sie die ganzen schönen Menschen nicht mehr sehen könne. Sie hat recht – mich nerven nicht nur die durch die Werbung transportierten Botschaften, auch die Inhalte dessen, was abseits von Werbung transportiert wird ist Blödsinn. Wo sind all die Charakterköpfe geblieben? Alles wird auf ein Bild hin poliert, das man selbst definiert hat. Keine Reibungspunkte mehr, die einen zur Auseinandersetzung anregen. Waren diese Auseinandersetzungen nicht bereichernd? Sind es nicht grade diese Reibungsflächen, die unser Leben bereichern?

Im Übrigen ist meine Partnerin auf jeden Fall die Hübscheste, Liebste, Intelligenteste und ich liebe ihre Erfolge – genauso wie ich an ihren Misserfolgen teilhabe. Wenn ich denn eine hätte – vielleicht sollte ich doch mehr auf meinen BMI achten?

Tags: gedanken, meinung
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