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Satori

Als grosser Fan von Trevanian und insbesondere seinen Büchern „Shibumi“ und „Katya“ war ich natürlich sehr gespannt (und auch skeptisch), wie Don Winslow die Aufgabe, eine Art Prequel zu Shibumi zu verfassen, lösen würde.

Die ersten Seiten des Buches zeigten schon, dass Winslow eher einen Thriller schrieb als ein vielschichtiges Werk voller Augenzwinkern, wie es Shibumi ist. Shibumi bekam wohl eher vom Verlag unter Marketinggesichtspunkten das Etikett „Thriller“ übergestülpt, doch dort ist die Agentengeschichte nur ein Rahmen, innerhalb dessen sich der eigentliche Inhalt bewegt. Trevanians Werke zeichnen sich dadurch aus, die Absurditäten des westlichen Lebensstils satirisch und voller Humor durch den Kakao zu ziehen. Viele subtile Andeutungen erschliessen sich dem interessierten Leser dabei nicht auf Anhieb. So muss man, um die Kapitelüberschriften in Shibumi (welche GO-Figuren beschreiben) und deren Bedeutung für die Handlung zu verstehen, sich mit GO beschäftigen.
Dass man einen Autor nicht ohne Weiteres kopieren kann war Winslow wohl bewusst. In seinen Anmerkungen schreibt er von der Entstehungsgeschichte des Buches und man erkennt, dass ihm die Schwierigkeiten wohl bewusst waren. Die Anstrengungen Winslows, Trevanians Vorgaben zu adaptieren sind erkennbar, doch wirken sie bemüht. Innerhalb des Thriller-Genres ist wohl kein Platz für das Augenzwinkern, durch das Eigenschaften des Helden wie dessen Proximitätssinn als Bestandteil der Satire hingenommen werden. Auch die Zeichnung der schönen Heldin Solange wirkt gekünstelt während das Gegenstück (Hana) im Original ein mit wenigen Strichen gezeichnetes Symbol voller Anspielungen und Inhalt gibt. Insbesondere das Verhältnis von Hel zu Solange wirkt (ebenfalls thrillertypisch) platt – man denkt eher an einen verliebten Teenager als an den Protagonisten aus Shibumi, dessen (zeitlich vor der Handlung Satoris liegenden) Verhältnis zu den Tanaka-Schwestern auf nur wenigen Seiten in Shibumi mehr an Tiefe gewinnt als das Verhältnis zu Solange auf den 600 Seiten von Satori. Vom Verhältnis zu Hana ganz zu schweigen.
Gleichzeitig muss man wohl annehmen, dass das heutige Publikum andere Erwartungen an einen Thriller hat als das Publikum um 1980 herum. So ist dieses Buch sicher eher für heutige Thriller-Fans geeignet als für Fans von Trevanian, Niko Hel und „Shibumi“.   

Die oben verlinkten Kritiken teile ich überhaupt nicht. Ich halte Shibumi auch 2012 noch für eine unterhaltsame, lehrreiche und amüsante Lektüre (wie auch die vielen Leute bestätigen, die ich mit „Shibumi“ als einem Buchgeschenk versehen habe) während Satori sich nicht sonderlich aus der Masse der gängigen Thiller heraushebt.

Nichtsdestotrotz war es eine unterhaltsame Lektüre, die allerdings in keinem Punkt an das Original heranreicht.

Tags: gedanken, meinung
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