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Dominanzverhalten

Er will im Restaurant die Rechnung zahlen. Sie will das nicht und meint "ich will Dir nun keinen Vortrag über Emanzipation halten"

Das ist für mich schon seit der Schulzeit ein Reizthema: Emanzipation - was bedeutet das? Für mich bedeutet das "gleiche Rechte".
Respekt vor dem Mitmenschen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, das galt auch schon vor der Gleichberechtigung. Was also ist anstössig daran, wenn ich in einem Restaurant die Rechnung begleichen will? Unterstelle ich damit, sie könne das nicht? Oder bedeutet das "Dominanzverhalten"?

Ich wollte den Vortrag über Emanzipation dann doch nicht hören (wie gesagt: ein Reizthema für mich) und habe lediglich auf den "Gentleman" verwiesen - was zwar stimmt, aber es blieb bei mir das Gefühl, dass moderne Frauen unter Emanzipation noch ganz anderes verstehen. Wie könnte es sonst sein, dass ein für mich ganz normales Verhalten, welches nicht einmal etwas mit dem Geschlecht meines Gegenübers zu tun haben muss, zur Frage der Emanzipation wird? Ich vermute, hier wird "Dominanzverhalten" unterstellt.
Einen anderen Menschen dominieren zu wollen ist für mich zutiefst negativ besetzt - es zeugt nicht nur von mangelndem Respekt gegenüber seinem Mitmenschen. Es zeugt auch  von mangelndem  oder (genauso schlimm wenn nicht noch schlimmer) übersteigertem Selbstwertgefühl des sich so Aufführenden. Kurz: ich empfinde es als unangemessenen Umgang zwischen Menschen.
In der Wirtschaft wird ein solches Verhalten sicher oft als "Führungsstärke" empfunden. Eine naive Sichtweise, wie ich finde. Wie können Untergebene Respekt vor jemandem empfinden, der sich selbst nicht respektvoll verhält?
Im persönlichen Umgang werden solche Menschen selten gemocht - bestenfalls von Menschen, die extrem unsicher sind und nach Führung verlangen.

Der Gentleman dagegen ist höflich und aufmerksam, in der britischen Variante oft schon bis zur Selbstaufgabe (s. John Cleese in "Ein Fisch names Wanda"). Höflichkeit ist positiv.
Die Rechnung für ein gemeinsames Essen zu übernehmen hat aber noch eine weitere Dimension, die mir wahrscheinlich abseits von Höflichkeit und Dominanz wichtig ist. Der Begriff "gemeinsam" sagt es schon. Ein gemeinsames Essen ist ein gemeinsames Erlebnis und hinterher die Rechnung getrennt zu bezahlen trennt dieses gemeinsame Erlebnis hinterher ein Stück weit in zwei Einzelerlebnisse, die zufällig zur gleichen Zeit stattfanden.
Und damit schliesst sich der Bogen zur Höflichkeit - ein gemeinsames Erlebnis würde durch getrenntes Zahlen ein bisschen entwertet.

Zu kompliziert? Wer hat denn gesagt, dass nur Frauen kompliziert sind? *ggg*
DIe Lösung war aber gendertypisch einfach: ich versprach, das nächste Mal dürfe sie die Rechnung übernehmen und damit sind nun alle zufrieden.

Tags: gedanken, schweinschen schlaus weisheiten, thomas mental chaos
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