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Die Ereignisse des letzten halben Jahres

Leider ist der Eintrag recht persönlich geworden. We ein solcher Eintrag stört, doof findet oder unangemessen braucht gar nicht erst anfangen zu lesen.


Wie versprochen setze ich mich mit den prägenden Ereignissen des letzten Jahres auseinander. Keine Angst! Ich möchte hier nun nicht auf Menschen schimpfen sondern eher prinzipielle Erwägungen anstellen. Dazu muss ich aber kurz auf die Ereignisse eingehen, um die mich bewegenden grundsätzlichen Fragen verständlich zu machen.

Die besagte Freundin kannte ich seit Jahren und im Laufe der Zeit wurde das Verhältnis immer enger und persönlicher. Fast hätte man schon von einer Beziehung sprechen können (eine Weile lang hatte sie auch in Facebook eine Beziehung zu mir angegeben). Im Wesentlichen bestand diese Beziehung aber daraus, SMS zu schreiben, sich im MSN zu unterhalten und mit ihren Kindern Ausflüge zu unternehmen. Diese Wahrnehmung wurde von ihr nicht geteilt, sie sprach von Liebe. Da sie aber verheiratet war und diese Beziehung auch nicht aufgeben wollte war ihre Wahrnehmung ganz offensichtlich schon falsch.
Ich muss gestehen – der enge Kontakt zu ihr war angenehm. Besonders die Ausflüge mit den Kindern haben mir viel Spass gemacht. Schön war auch, zuverlässig jemanden zu haben, mit dem ich über meine Sorgen und Nöte sprechen konnte und die dabei immer auf meiner Seite war.

Nun hat die Freundin von heute auf morgen den Kontakt zu mir abgebrochen – ohne jegliche Erklärung und ohne, dass ich von ihr seitdem irgendwas gehört habe. Durch gemeinsame Bekannte kam dann heraus, dass sie wohl eine Affäre (oder auch was ernsteres – das weiss ich nicht) mit jemand anderem eingegangen ist. Das muss hier nicht Thema sein. Jedenfalls waren ihre Liebesbekenntnisse also offensichtlich gelogen (und dabei hatte ich mich grade mit dem Gedanken angefreundet) und ihr Verhalten mir, ihrem Mann, ihren Freunden und ihren Kindern gegenüber ein Betrug . Entweder sie liebte mich und dann betrog sie ihren Mann, indem sie mit ihm zusammenblieb oder mich, indem sie trotz anderer Interessen bei ihm blieb. Wenn es eine offene Beziehung gewesen wäre, wären dagegen die Heimlichkeiten nicht notwendig gewesen (bei allen Liebesschwüren bestand sie doch in Gegenwart von anderen aus ihrem Freundeskreis darauf, ich sei lediglich „ein guter Freund“) .
Ihre Kinder belog und betrog sie sowieso, weil sie ihnen ein heiles Familienleben vorspielt(e), das es nicht gab (oder gibt).
Dass es kein grosser Verlust ist, eine solche Person aus dem näheren Umfeld zu verlieren sollte offensichtlich sein. Klar – die Kinder vermisse ich! Es hat grossen Spass gemacht, mit ihnen etwas zu unternehmen.

Wie mies muss jemandes Charakter sein, wenn sie es schafft, anderen Menschen über Jahre hinweg nicht vorhandene Gefühle vorzuspielen?Was mich daran beschäftigt ist der Verlust an Vertrauen generell, an meine Menschenkenntnis. Wie war es möglich, dass ich mich so sehr in einem Menschen getäuscht habe? Warum überhaupt habe ich mich darauf eingelassen, wenn nun rückblickend doch so offensichtlich ist, dass ich nur benutzt wurde? Und natürlich unterschwellig (manchmal auch ganz offen) beschäftigt mich auch der Gedanke, ob es vielleicht doch an mir lag. Wenn ja ist eine Wiederholung dieser Szenerie ja nur eine Frage der Zeit. Ist meine Freundschaft so wenig wert?


Das ist leider doch etwas persönlicher geworden als ich dachte. Leider kann ich nicht vermeiden, auch meine Gedanken zum Tod der zwei Freunde aus einer persönlichen Sicht zu beschreiben.

Innerhalb von nur etwa einem halben Jahr sind zwei sehr gute Freunde plötzlich und vollkommen aus heiterem Himmel gestorben. Keine Unfälle, sondern durch Krankheiten – ich weiss nicht, ob das einen Unterschied machen würde, kann es mir aber gut vorstellen.
Jedes Mal kam die Nachricht unvorbereitet und löste einen Schock aus. Eine Binsenweisheit ist, dass der Umgang mit dem Tod eine schwierige Sache ist. Vielleicht sogar ein Tabuthema. Wir alle wissen, dass wir einmal sterben werden, doch verdrängen wir diesen Gedanken nach Möglichkeit. Das „Memento mori“ vergangener Jahrhunderte, welches uns an die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens erinnern sollte gilt heute ja nicht mehr. Nur für tröstende Worte oder im Zusammenhang mit der Sinnlosigkeit, an etwas festzuhalten (vor allem Geld und Besitz). Ansonsten leben wir, als seien wir ewig jung und lebten ewig. Nun wurde ich wiederholt mit dieser Vergänglichkeit konfrontiert und damit, dass wir uns etwas vormachen, wenn wir uns nicht bewusst sind, dass alles jeden Moment unseres Lebens vorbei sein könnte.
Einerseits gingen mir Erinnerungen durch den Kopf – seit dem ersten dieser beiden Todesfälle lebe ich viel mehr in der Vergangenheit. Erinnerungen sind allgegenwärtig und kommen plötzlich, doch zuverlässig immer wieder.
Andererseits nehme ich die Gegenwart anders wahr. Ich habe mich schon immer als jemanden verstanden, dessen Sinn und Zweck im Leben sein sollte, für andere da zu sein, anderen zu helfen, ihr Leben zu bestehen.  Diese Einstellung hat sich noch verstärkt. Auch wenn ich nicht aus meiner Haut kann und es Grenzen gibt, was ich für andere zu tun bereit bin sehe ich diese Einstellung immer mehr als richtig an. Wenn etwas von uns bleibt auf dieser Welt sind es doch die guten Erinnerungen, die andere an uns haben.

Und damit gerate ich in Widerspruch zu den oben angesprochenen (Selbst-) Zweifeln. Wie kann ich diesen Anspruch an mich selbst erfüllen, wenn ich daran zweifele, dass meine Freundschaft von Wert ist?

Beides zusammen führt zu einem zur Zeit nicht grade komfortablen Lebensgefühl und einer ungewohnt ernsten Einstellung zu vielem.


Dieser Eintrag ist nun doch sehr persönlich und auf mich bezogen geworden und ich überlege, wie ich den Dreh bekomme, eine erbauliche Weisheit für die Allgemeinheit aus diesen mich prägenden Ereignissen des letzten halben Jahres zu formulieren.
Die Frage nach Vertrauen und wo es enden sollte ist die eine Frage, die sich aufdrängt.
Die andere ist die nach Verlust.  

Dazu mehr später …


Tags: gedanken, memories, trivia
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