lautenist (lautenist) wrote,
lautenist
lautenist

Mein Leben in der Anstalt, Erklärungsversuche (2.Teil)

Nachdem die Anstalt sich nun eines Drittels ihrer IT -Mitarbeitenden entledigt hatte und somit die Zukunft wieder rosig schien, dem Unternehmen plötzlich sogar Sprüche wie "Unser wertvollstes Kapital - unsere Mitarbeiter" einfielen (was hätte skeptisch stimmen sollen - die meisten Unternehmen werben genau mit dem, was sie kritisch finden - oder was als kritisch empfunden wird. So wurde nach katastrophalen Urteilen von Kunden über die Qualität der Beratung einer Bank genau diese Bank plötzlich zur "Beraterbank", "Alles, was ein Bier braucht" wurde zum Werbespruch für ein alkoholfreies Bier etc. ).
So dauerte es nicht lange, bis der neue Abteilungsleiter meinte, die IT müsse umorganisiert werden und aufgrund der Analyse von Beratungshäusern kam man zu dem (gar nicht) überraschenden Schluss, man solle die IT outsourcen (ein weiterer Euphemismus für die Entlassung eigener Mitarbeiter).
Gleichzeitig stand die Anstalt vor der anspruchsvollen Aufgabe, den Mitarbeitenden einerseits zu erklären, dem Unternehmen gehe es wirtschaftlich sehr schlecht und andererseits den Aktionären den wirtschaftlichen Erfolg zu präsentieren. 
Diese Kommunikationsleistung wurde gar nicht erst versucht: das Unternehmen kommunizierte nach Innen bis zum Ende des Jahres, wie schlecht es ihm ginge und wie schwierig die Lage sei. Davon war zur Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse keine Rede mehr. Eines der besten Ergebnisse der Unternehmsgeschichte war es nun.

Die Vernichtung von Arbeitsplätzen wegen eines maximalen wirtschaftlichen Nutzens von etwa 5% (wogegen gewaltige Risiken wie Know-How-Verlust, Verlust der Kontrolle über geschäftskritische Prozesse etc. stehen) muss nun den Mitarbeitenden vermittelt werden. Der Prozess der Übergabe an externe Dienstleister dauert eine Weile und in dieser Zeit muss die IT dennoch funktionieren und für die Übergabe wird auch deren Wissen und Mitarbeit zwingend gebraucht. Wie also das Spagat schaffen, einerseits zu verhindern, dass die Mitarbeiter weglaufen bzw. desillusioniert in eine Art Bummelstreik treten, sie aber andererseits entsorgt werden können?
Die Anstalt versucht, in den Mitarbeitern die Hoffnung auf den Erhalt der Arbeitsplätze aufrecht zu erhalten - ein widersinniges Unterfangen, denn die Jobs fallen weg. Nun meint die Anstalt, wenn man Zeit und Geld in die Hand nehme und sich umschule hätte man eine Chance, auf einem der wenigen (und im übrigen schon besetzten) Arbeitsplätze zu landen. 
Somit teilt sich die Belegschaft in zwei Lager: ein Lager klammert sich an die Hoffnung, es werde nicht so schlimm kommen und die Vernunft werde siegen, das andere Lager ist auf Stellensuche.

Tags: mein leben in der anstalt
Subscribe

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 0 comments