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Ein Versuch über die Liebe (work in progess)

Liebe hat nichts damit zu tun,
was man bekommen möchte,
sondern nur mit dem,
was man selbst geben will.
(Katherine Hepburn)


Ein Versuch über die Liebe (work in progess)

Dieser kleine Text möchte sich dem Thema "Liebe" nähern und dabei insbesondere untersuchen, wie sich Liebe im Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Kollektiv verhält. Liebt man letzten Endes doch nur sich selbst und löst sich alle Liebe in Egoismus auf? Oder handelt es sich um ein Beispiel, in dem das Kollektiv vor das Individuum gestellt wird?
Biologistische Ansätze werde ich dabei versuchen zu meiden, da eine Reduktion auf Reiz-Reaktions-Schemata für die gestellte Frage nicht fruchtbar erscheint. Gleichzeitig möchte ich versuchen, den Begriff der Liebe weder auf das Erotische noch das Romantische zu begrenzen.
Weiterhin spreche ich (vornehmlich) von Menschen, da die Liebe zur Musik, Liebe zur Literatur der ähnliches eine gänzlich andere Qualität hat (wie darzulegen sein wird).

In der Philosophiegeschichte ist besonders Platons Schrift, das Symposion ("das Gastmahl") bekannt, in der die nichtsexuelle Liebe als ein Gegenentwurf zum Eros beschrieben wird. Für Platon war diese Liebe die höchste Stufe der Liebe, die sich in einem Streben nach höheren Idealen wie Wahrheit und Schönheit ausdrückt.

Doch was zeichnet Liebe eigentlich aus?
Häufig hört man, Liebe sei etwas, was von einem Individuum angestrebt wird. Wir haben ein Objekt, das wir anstreben. Die Besonderheit ist, dass dieses Objekt ganz Qualität ist. Es ist attraktiv für uns - erstrebenswert. Dieses Streben an sich ist eine urmenschliche Kraft, die sich aus der Disposition des Menschen als soziales Wesen erklären lässt. Die Befähigung zum Alphatier in einer Herde hängt von Qualitäten ab, die wir besitzen oder uns aneignen. Darauf zielen die biologistischen Erklärungen, die in der letzten Zeit recht populär sind. Sie scheitern aber daran, dass sie nur retrospektiv erklären können und die Freiheit des Willens nicht berücksichtigen. Wir können uns die Qualitäten, die wir dem zu liebenden Objekt gerne sehen möchten aussuchen, Liebe bewusst verneinen oder bejaen. Eine Erklärung, in der Liebe als das Streben nach einem begehrten Gut definiert wird, wird dem Wesen der Liebe offensichtlich nicht gerecht, da sie einen Besitz als Ziel oder Erfüllung hätte.
Wie Nietzsche in Die fröhliche Wissenschaft, §14 schrieb:
"Der Liebende will den unbedingten Alleinbesitz der von ihm ersehnten Person, er will eine ebenso unbedingte Macht über Ihre Seele wie ihren Leib, er will alleine geliebt sein und als das Höchste und Begehrenswerteste in der anderen Seele wohnen und herrschen."

Doch Liebe ist, wie ich versuchen werde darzulegen, ein Prozess. Gemäss obiger Erklärung wäre Liebe vollendet, sobald wir das begehrte Gut besitzen. (weiter auszuführen)
Der Ansatz, Liebe über das Streben zu beschreiben kann jedoch den Zustand des frisch Verliebseins erklären.

Meine Hypothese ist, dass es sich bei Liebe um einen Prozess handelt.
Vorteile dieser Hypothese ist, dass die Zeitdimension angemessen berücksicht wird, dass Entstehen und Verlöschen von Liebe erklärbar wird, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass Liebe zwar tief im Individuum verwurzelt ist, sich aber immer zwischen dem Individuum und einem oder mehreren geliebten Objekten abspielt.
Dieser Prozess lässt sich als infiniten Regress aus Anforderungen ("Prüfungen") von Aussen und der gemeinsamen Bewältigung beschreiben. Diese gemeinsame Bewältigung führt zu gemeinsamer Entwicklung, dem gemeinsamen Aufbau von Erfahrungen. Wobei sich Liebe als Gemeinsamkeit, als ein "Wir" definiert - in gewisser Weise als Manifestation des Herdengedankens (was im weiteren noch zu untersuchen sein wird). Liebe nennen wir ein gegenseitiges Verhältnis von liebendem Subjekt zu geliebtem Objekt.

Was sich mit dem Prozessgedanken nicht erklären lässt ist unerfüllte Liebe, die sich dadurch auszeichnet, dass das Individuum ein Objekt begehrt, ihm aber die Erfüllung verweigert bleibt.
Um Liebe als Prozess zu begreifen, müssen Phasen oder Stadien der Liebe definiert werden.
Hier ist die oben beschriebene Phase des Strebens als Start anzunehmen. In dieser Phase kann die Liebe zurückgewiesen werden und der Einstieg in den Prozess misslingen. Ist man erst einmal in den Prozess integriert scheitert die Liebe unter Umständen daran, dass gewisse "Prüfungen" nicht gemeinsam gemeistert werden. Ob eine gescheiterte Prüfung zum Scheitern der Beziehung führt hängt davon ab, wie diese Prüfung von den Liebenden bewertet wird (noch auszuführen und zu erläutern). Wird die Beziehung (als was ich die zweite Stufe der Liebe bezeichnen möchte) beendet gibt es die Möglichkeit, dass dies im Einverständnis aller Beteiligten geschieht und der Beziehungszirkel sich gütlich auflöst oder, dass die Bewertung der Prüfung unterschiedlich war und der Ausstieg aus dem Prozess oder Beziehungszirkel einseitig ist.

Nun gibt es ausser der romantischen Liebe a la Hollywood noch andere Ausprägungen der Liebe, die ich gerne untersuchen möchte.
Die Elternliebe zum Beispiel kann man als natürlichen Beitrag zur Arterhaltung verstehen, mit Schopenhauer vielleicht sogar als einen Instinkt annehmen (die vorkommende Verweigerung der Elternliebe möchte ich an anderer Stelle diskutieren. Es handelt sich um einen Ausbruch aus dem Prozess).
Diese Form der Liebe definiert sich ebenfalls über ein "Wir", über ein Kollektiv zwischen Eltern und Kind bzw. Kindern. Sie gehört, wie auch die erotische Liebe zu dem, was Schopenhauer "Sinn der Gattung" nennt und was für Platon die weniger entwickelte Form der Liebe darstellt.
Diese höhere Form der Liebe, bei Schopenhauer "caritas" oder "agape" (Mitleid), zeichnet sich durch eine moralische Dimension aus. Hier wird von ihm das Kollektiv weiter gefasst und um die moralische Ebene erweitert. Es entsteht Menschenliebe und erklärt die goldene Regel mit dem Kollektivgedanken.

Als eine Sonderform muss die Selbstliebe betrachtet werden. Die einzige Spielart der Liebe, die kein Kollektiv, die sich nicht in einem "Wir" befindet sondern nur im Individuum verhaftet ist, das "Ich" als Gegenstand haben.
Der in sich selbst verliebte Narziss betrachtet sich als fertig, nimmt sich selbst an und strebt nichts an. Er sieht keine Notwendigkeit, sich zu verbessern oder zu entwickeln. Diese Selbstverliebtheit hat nichts mit Liebe in dem hier besprochenen Zusammenhang zu tun, da die Selbstliebe alle Merkmale der Liebe nicht erfüllt: Den Prozessgedanken, "Püfungen" (als Beginn von Reifung und Entwicklung) kann es für den Narzisst nicht geben. Auch der Narziss in der Sage scheiterte an der Unmöglichkeit, dem logischen Widerspruch, sowohl liebendes Subjekt als auch geliebtes Objekt zu sein.

Nietzsches Gedanke, die Erfüllung von Liebe sei Herrschaft und Macht wohnt ein Widerspruch inne. Ähnlich wie Narziss nie eine Erfüllung in seiner Liebe zu sich selbst finden konnte so kann auch eine auf Macht und Herrschaft, im weiteren Sinne als Besitz verstandene Liebe nicht als erfüllbar angesehen werden, da sie den Willen des geliebten Subjekts ignoriert.

Liebe als Besitz ist eine einseitig gerichtete Beziehung. Ein kindlich-naives Streben, das entweder mit dem Erwerb des Gutes zuende geht oder die Gegenseitigkeit als bestimmendes Merkmal von Liebe vollkommen ausser Acht lässt.
Selbstverständlich sprechen wir in der Umgangssprache etwa von der "Liebe zur Musik". Doch auch in dieser Beziehung gibt uns etwas zurück, was vergleichbar der Liebe zwischen Menschen ist. Warum sprechen wir beispielsweise von "Liebe zur Musik" - wir meinen hier eine Annäherung an das, was wir von "wahrer" Liebe empfangen. Die Liebe zwischen Menschen bringt uns eine weite Palette von Gefühlen, die wir nur in einem Kollektiv erhalten können: Selbstverwirklichung, Gemeinschaftsgefühl, Bestätigung, Kritik - die gesamte Palette der emotionalen Attribute. Diese
werden aber überwiegend als positiv empfangen, da das Kollektiv Sicherheit bietet. In der Musik (oder der Literatur oder der Weisheitslehre) empfangen wir ähnliche Bestätigung und haben die Illusion uns in einem Kollektiv zu befinden. (weiter ausführen)
Nietzsches Liebe als Herrschaft kann all das nicht bieten.
Tags: philo
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