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Habermas und das Primat der Gesundheitsfürsorge

Eigentlich schätze ich Jürgen Habermas und finde auch Vieles am unten stehenden Artikel bedenkenswert. Tatsächlich thematisiert er das Problem, daß die derzeitigen Regelungen zwar akzeptiert werden, aber mangels entsprechender verfassungsrechtlicher Bestimmungen nicht durch die Verfassung gedeckt sind. "Man kann nicht die Würde einer Person schützen wollen und deren Physis versehren lassen." ist einer der Punkte, die er anführt, um einen Vorrang der Gesundheitsfürsorge zu begründen.
Zurecht verweist er natürlich auf die Grundlagen,  "wozu ein auf Menschenrechte basiertes staatliches Regime überhaupt eingerichtet worden ist. In der Tradition des Vernunftrechts sollte dieses Ziel plastisch mit dem Übergang vom Natur- zum Gesellschaftszustand beschrieben werden. Für Hobbes ist der gewaltsame Tod das größte Übel, für Locke sind es die Gefahren für Leben, Freiheit und Eigentum; die Staatsgewalt soll also mit dem Rechtszustand die Sicherheit und den Bewegungsspielraum aller Personen und des gesellschaftlichen Verkehrs im Ganzen gewährleisten."
Was Habermas aber vollkommen außer Acht läßt, ist eine Relativierung der Gefahr und der getroffenen Maßnahmen. Die von ihm gestellte Frage ob es sich bei den "Maßnahmen" um "ganz normale Abwägung des Rechts auf Leben gegen jene konkurrierenden Grundrechte handelt, in die ja die Maßnahmen des staatlichen Gesundheitsschutzes tatsächlich tief eingreifen." handelt. 

Dabei wird von Habermas die Notwendigkeit der ständigen Abwägung und die Analyse der rechts- und staatsphilosophischen Probleme der aktuellen Politik gut und mutig analysiert, doch sehe ich das Primat der Gesundheitsfürsorge nicht als erwiesen oder gar bewiesen an. Habermas selbst spricht an, daß eine Verfassung das Zusammenleben im Kollektiv regelt und auch die Bedrohung physischer Unversehrtheit in unserer Gemeinschaft zugelassen (Verkehr, Rauchen, ... ) wird. Die Forderung, unser Heil durch staatliche Fürsorge quasi zu erzwingen mag zu aktuellen politischen Strömungen (vor allem bei den Grünen und Linken) passen, doch widerspricht sie dem in der Verfassung garantierten Primat der Freiheit (und Demokratie => "freiheitlich-demokratische Grundordnung"), die grade durch die aktuelle Coronapolitik ausgehebelt wird. 

https://www.blaetter.de/ausgabe/2021/september/corona-und-der-schutz-des-lebens

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