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Bürgermeisterwahl

Bei uns wird Anfang November der Bürgermeister neu gewählt. Eigentlich ein No-Brainer: die Verwaltung scheint zu laufen und auch sonst habe ich keine negativen Beobachtungen gemacht. Doch dann sah ich seine Wahlwerbung: Mehr Wohnraum. Das kann ja nur bedeuten, daß neue Baugebiete ausgewiesen werden sollen. Laut seiner Seite (bei der CDU)  soll sich die Gemeinde dort aktiv beteiligen. Das stört mich aus zwei Gründen: Einmal und ganz zuvorderst ist es nicht der Job des Bürgermeisters — er leitet die Gemeindeverwaltung, die umsetzt, was die Gemeindevertretung beschließt. Aus der Verwaltung heraus können nur Vorschläge kommen. Nicht mehr. Die Formulierung "Die baurechtlichen Einflussmöglichkeiten auf Bauträgerprojekte sind im Rathaus „Chefsache“" ist somit bewußte Täuschung des Wählers. Zum zweiten finde ich es widersprüchlich, sich einerseits gegen die MTZ-Stadt auszusprechen, aber den Forderungen des Umlandverbandes dann doch nachzugeben und doch weiter das Gemeindegebiet zuzubetonieren. Die Idee, die Gemeinde müsse wachsen, widerspricht dem Bürgerwillen (der natürlich in sich widersprüchlich ist: Einerseits wollen sie bezahlbaren Wohnraum, andererseits aber auch zu ihrer Wohnung kommen — also funktionierende Infrastruktur), der sich bislang bei jeder Gelegenheit gegen neue Baugebiete ausgesprochen hat. 

Und allzu lange hat der Widerstand gegen die MTZ-Stadt nicht gehalten. Sie wird kleiner als angedroht, aber sie kommt:

Dabei ist klar, daß Zu- und Abfluß des Verkehrs, egal ob über die Königsteiner Straße oder die B8 (und beide zur A66) das Chaos zwar nicht im Ort verstärken, aber direkt vor der Haustür. Den Pendlern nun dürfte aber egal sein, ob sie im Ort oder kurz danach im Stau stehen.

Wobei ich hier davon ausgehe, daß der Bürger (also wir Einwohner Sulzbachs) erkennen, was die Dorfpolitiker genauso wie die der Region einfach ignorieren: die absolut unzureichende, teilweise marode Infrastruktur. Die Verkehrsproblematik ist seit sicher 30 Jahren (oder sogar mehr) akut und es wurde nichts (sinnvolles) getan: Die Kreisstraßen wurden verengt, was aber außer gefährlichen Situationen keine Entlastung gebracht hat. Daraus wurde nun der (falsche) Schluß gezogen, man müsse den Verkehr nur noch weiter erschweren, dann werde er schon weniger. Wird er nicht. Sulzbacher Einwohner wollen zu ihrer Schaff und abends zurück zu ihren Wohnungen. Die Behauptung, der Verkehr sei Durchgangsverkehr (gemeint sind Mitarbeiter von Procter&Gamble, für die die kürzeste Strecke durch den Ort ist, statt sich durch den Stau um den Ort herum zu quälen) ist dabei so eng gedacht, daß sogar Kommunalpolitiker den Unsinn der Behauptung kapieren könnten. Außerdem stimmt sie nicht einmal! Den Zählungen zufolge ist der größte Anteil des Verkehrs "hausgemacht".
Der ÖV ist eine Katastrophe und immer weniger in der Lage, die Mengen zu bewältigen. Dazu kommt, daß die S-Bahnen in den 60er Jahren gebaut wurden und mehr als nur in die Jahre kommen. Der Zustand der Straßen ist teilweise nicht gut — und der Ausbau für den Radverkehr ist eher als mangelhaft zu beurteilen.
Hochwasser ist ein Thema — war es früher auch schon, aber je dichter bebaut wird (im gesamten Gebiet des Sulzbach, also von der Quelle bis zur Mündung) desto weniger ist der (lokal die) Bach in der Lage, die Wassermengen zu bewältigen.  Gleiches kann man von der gesamten Infrastruktur sagen.  Die Dorfpolizei reduziert sich auf die Rolle als Knöllchenschreiber. Zur öffentlichen Ordnung und Sicherheit trägt sie wenig bei: regelmäßig wird beispielsweise im Park, im Arboretum und auf Feldern Sauerei hinterlassen. Doch ich schweife ab — denn auch diese Themengebiete werden von der Verwaltung umgesetzt und nicht beschlossen. Natürlich hat ein Bürgermeister Einfluß — unbestritten! Doch mich nervt diese unsinnige Werbung. Darum überdenke ich noch einmal, ob ich Bociek wählen soll. 

Mit unserem Metzger, Oli Weber, hat sich ein Gegenkandidat gefunden, der im Ort gut vernetzt ist. Ob er den Herausforderungen einer modernen Verwaltung gewachsen ist? Da dürfen Zweifel angebracht sein. Doch werde ich verstärkt auf seinen Wahlkampf achten.

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