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gelesen: Wo der Wolf lauert von Ayelet Gundar-Goshen

Ich mag Geschichten, die nicht eindimensional daherkommen. In diesem Sinn ist "Wo der Wolf lauert" von Ayelet Gundar-Goshen ein Fest, da es neben einer interessanten Kriminalgeschichte und einem ebenso interessanten Blick auf die Binnenstruktur einer westlichen Familie auch einen Blick auf das Leben als (israelischer) Gastarbeiter im Silicon Valley liefert. Auch Antisemitismus und Rassismus sind im Roman präsent. Auf sehr beeindruckende Weise beschriebt Gundar-Goschen neben den konkreten Ausformungen auch das sozialpsychologische Element dieser Form der Diskriminierung. Das Mobbing des Sohnes an der Schule und die angedeuteten gruppendynamischen Reaktionen sind genauso beachtenswert. 

Die aus Tel Aviv stammende und dort lebende Autorin lebte selbst in den USA und ist studierte Psychologin — das mag beigetragen haben, ihren Figuren psychologische Tiefe zu geben, sie psychologisiert aber glücklicherweise nicht. 

Ein Buch, das man verschlingt, das aber auch auf überschaubarem Raum (knapp 350 Seiten) unglaublich viel Inhalt bietet (der Ausdruck "dicht erzählt" trifft es hier nicht so recht, weil die Geschichte viel Tiefe und auch Breite bietet). 

Es ist nicht das erste Buch der Autorin, für mich allerdings ist sie eine Entdeckung und ich werde sicher noch weitere ihrer Bücher lesen. Eine Leseempfehlung!
5 von 5 Sternen.

Einzig ein paar Übersetzungen erscheinen mir etwas holprig ("Frischmann" für Erstsemester. An anderen Stellen im Roman wird dann aber wieder Erstsemester benutzt). Ich bin mir nicht sicher, ob sie auch im Hebräischen befremdlich wirken und darum auch so ins Deutsche übertragen wurden. Warum der originale Titel "Relocation" in diesen sperrigen deutschen Titel übertragen wurde, der im Roman zwar an zentrale Stelle erwähnt wird, aber den weitaus treffenderen Geist der Geschichte, der durch "Relocation" angedeutet wird, verstehe ich nicht. Vielleicht, weil der Begriff im Englischen mehrdeutig ist?  Das stört den Lesefluß aber nicht wesentlich, so daß ich die Übersetzung von Ruth Achlama generell loben würde. 

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