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gelesen: Schicksal von Zeruya Shalev

Der Roman von Zeruya Shalev begründet sich teilweise in der Geschichte der Autorin, deren Vater offenbar eine Weile in der Lechi aktiv war, einer Widerstandsbewegung gegen die Britische Mandatsmacht in Palästina, heute würde man sie, je nach Gesinnung, wahlweise als Freiheitskämpfer oder Terroristen einordnen. 

Das Buch handelt aber auch von Atara, der Tochter des ersten Mannes von Rachel (der , wie Rachel, in der Lechi aktiv war) und verwebt geschickt die Geschichte der beiden Frauen mit der Geschichte Israels. Daneben ist es ein sehr nahe am Menschen geschriebenes Buch und enthält viel aus dem Leben Gegriffenes um Beziehung, Erziehung und das Leben in Israel.
Der eigentliche Anlaß, der Start der Geschichte ist die Frage Ataras nach ihrem Namen, den Rachel beantworten soll. Diese Antwort ist recht unspektakulär, doch eigentlich beruht sie auf einem dramatischen Ereignis, das ich mir etwas besser ausgearbeitet gewünscht hätte. Doch ganz offenbar ging es der Autorin eher um die Wirkung, welche diese Ereignisse aus den 40ern in der Jetztzeit haben als um die Ereignisse selbst. Vor allem Atara, in der man ein (sicher verfremdetes, aber doch erkennbares) Alter Ego der Autorin erkennen kann, und ihr Empfinden sind Gegenstand dieses Buches. Rachels aus dem Gedächtnis der alten Frau erzählte Geschichte verblasst etwas dagegen und bleibt trotz Ich-Perspektive fern. Dabei finde ich grade diese Figur, ihre Familiengeschichte, ihr Leben in und nach der Lechi besonders spannend und hätte gerne mehr und genauer darüber gelesen. So ist der Roman, vor allem in den ersten 2/3 sehr kompakt und packend geschrieben. Zum Schluß driftet Shalev für meinen Geschmack etwas zu stark ins Pathos ab.
Alles in Allem ein hervorragendes Stück Literatur, sehr gut ins Deutsche übertragen von Anne Birkenhauer, vor dem Hintergrund der Geschichte Erez Israels ab den 40er Jahren inklusive der bis heute andauernden Konflikte, die insbesondere durch die beiden Protagonistinnen und ihr Umfeld personifiziert werden. Sprachlich hochstehend, doch oft werden Beschreibungen so formuliert, daß sich vor meinem inneren Auge kein natürliches Bild der beschriebenen Handlungen einstellen wollte. Und grade zum Ende hin, wenn die Gefühle sich kathartisch entladen wirkt die Sprache auf mich unnatürlich schwülstig. Das gibt beinen kleinen Punktabzug in meiner Wertung: 4,5 von 5 Punkten — doch man muß sagen: dieses Buch ist auf höchstem Niveau geschrieben und von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die etwas mit Literatur anfangen können.

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