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gelesen: Der Tod in ihren Händen von Ottessa Moshfeg

Die Zeit nennt sie "eine der eigensinnigsten Stimmen der neuen Weltliteratur". Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung urteilte "Ottessa Moshfeg ist verdammt nochmal genial". Ich kann mich diesem Urteil nur anschließen. Bislang konnte mich jedes ihrer Bücher vollkommen überzeugen. Literatur kann Kunst sein und Kunst kann auf hohem Niveau unterhalten. Das schafft die Autorin immer wieder, indem sie oft schräge und skurrile Charaktere erfindet, die sie liebevoll gestaltet. Diese ungewöhnlichen Charaktere spiegeln sich auch in der Struktur ihrer Werke. Immer wieder geht es in ihren Büchern nicht um das, was eine Inhaltsangabe nahelegen würde, sondern die Bedeutung der Geschichte geht tiefer — und noch viel tiefer. Viele (Amazon-) Reaktionen der Marke "was ist das für ein ödes Buch" belegen ja nicht, daß ein Buch schlecht ist, sondern zeugen von enttäuschten Erwartungen. Das kann von einem offenen Leser aber auch als willkommene Überraschung interpretiert werden. Auch der Tod in ihren Händen ist auf mehreren Ebenen überraschend und ein Vergnügen zu lesen. Der feine Humor, die sensible Gestaltung der Geschichte und des eigentlich einzigen Charakters. Bereits in diesem strukturellen Detail spiegelt sich das Thema der Einsamkeit wider, welches eines der zentralen Themen des Buches ist. Als weiteres Thema kommt noch Trauer und die Bewältigung der Trauer hinzu (die Protagonistin hat ihren Mann verloren. Ein Ereignis, das sie nicht verarbeitet hat). Und auch die Ehe selbst — oder allgemeiner gesprochen, wie sich eine Beziehung oft gestaltet findet sich in atemberaubender Dichte in diesem Buch abgehandelt. Die eigentliche Handlung tritt dagegen zurück. Sie erklärt und kommentiert die Geschichte quasi in Umkehrung der Erwartung. Wo sonst Charaktere einer erzählten Geschichte erklärt werden, um die Geschichte anzureichern und aufzuwerten dient hier die erzählte Geschichte dazu, den Charakter der 72-jährigen Vesta Guhl zu verdeutlichen.

Diese als Kriminalgeschichte zu bewerben ist schräg. Klar! Die erzählte Geschichte könnte man vielleicht so nennen, aber tatsächlich ist das Buch eine Geschichte über Einsamkeit und Trauer. 

Das Buch habe ich auf Deutsch gelesen, somit spielt auch die Übersetzung von Anke Caroline Burger eine wichtige Rolle, um das Lesevergnügen nicht zu zerstören. Wie bei allen ihren Übersetzungen hat sie einen sehr, sehr guten Job gemacht.
Das Buch ist schön gestaltet und der Wechsel zu Hanser sicher kein Fehler.

Ganz klare Leseempfehlung für Freunde gehobener Literatur. Für mich eine der besten Autoren des 21.Jahrhunderts
(Fußnote: ganz bewußt nehme ich hier das generische Maskulin, denn es sind Autoren aller Geschlechter angesprochen)

Eine 5-Sterne-Wertung würde ich hier überbieten wollen — die Frau und auch dieses Buch sind Extraklasse!

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