lautenist

gelesen: Der Fall Alice im Wunderland von Guillermo Martínez

Ich wusste gar nicht, daß Lewis Carroll fotographiert hat. Und sogar recht viel für seine Zeit. Daß grade Alice Liddell, das Vorbild für Alice im Wunderland, auch auf eine Art und Weise fotographiert wurde, die wir heute mindestens anstößig finden würden (die Briten im viktorianischen Zeitalter aber gar nicht. Dort war kindliche Nacktheit weder obszön noch Carrolls Fotographien verwerflich).

Alice Liddell, fotographiert von Lewis Carroll
Alice Liddell, fotographiert von Lewis Carroll

Ob solche Fotos wie das oben von Alice anstößig sind? Ich kann mir schwer vorstellen, daß sich jemand daran aufgeilen kann, doch gibt es wohl kaum eine Perversion, derer der Mensch nicht fähig wäre.

Lewis Carroll hatte wohl selbst ein zwispältiges Verhältnis zu seinen Kinderbildern. Auf die Bilder selbst war er stolz, scheint aber befürchtet zu haben, pädophile Neigungen zu haben. 

In diesem Umfeld ist der Krimi von Martínez angesiedelt. Ein neues biographisches Detail aus dem Leben Carrolls soll neues Licht auf seine Beziehung zu den von ihm portraitierten Kindern werfen. Morde geschehen, die offenbar Carroll diskreditieren sollen und nach Referenzen aus Alice im Wunderland geschehen

Der Fall ist clever gestrickt, spannend und man merkt dem Buch Martínez' Bildung an. Auch der Aspekt der Bewertung historischer Kunst nach modernen Standards wird unaufgeregt angesprochen. Sehr, sehr gut gemacht! Sehr flüssig und in gutem Stil geschrieben ist es ebenfalls. Ich habe absolut nichts auszusetzen, aber sehr viel zu loben: 5 von 5 Sternen

Denn auch Übersetzung und Gestaltung des Buches sind hervorragend

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