lautenist

gelesen: Eurotrash von Christian Kracht

Wenn Du Deutschland liebst, dann besuche es lieber nicht

Jorge Luis Borges

stellt Christian Kracht seinem Roman voran. Seine scharfzüngigen  Kommentare zu Zürchern und Deutschen (in der Schweiz) gleich zu Beginn seines Familienromans nahmen mich sofort für das Buch ein.
Auch wenn der Roman, eine Art Familiengeschichte, ausschließlich in der Schweiz spielt, ist sie eng mit der deutschen Geschichte und prominenten Namen der jüngeren deutschen Geschichte verwoben. 

Christian Kracht beherrscht die deutsche Sprache und kann sie virtuos einsetzen. Das ist etwas, was ich im Jahr bei vielleicht einem oder zwei Autoren sagen kann, die ich gelesen habe. Ein Vergnügen schon deshalb.
Doch auch die Geschichte rund um die Medien- und Kunstszene mit vielen wunderbaren Seitenhieben, die beim Lesen für Schmunzler und auch einige Lacher gesorgt haben, ist unglaublich virtuos gestaltet und könnte als Autobiographie durchgehen, ist es aber nicht, selbst wenn viele biographische Details passen.
Eines der besten Bücher, die ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. 5 von 5 Sternen.

Das Buch selbst ist von Kiepenheuer & Witsch angenehm und in einer Qualität gestaltet, die es inzwischen auch wert ist zu erwähnen.

Der Begriff Eurotrash sei ein "postmodernes, degeneriertes, trendiges oder veraltetes europäisches Kulturphänomen, das sich als Avantgardekunst maskiert“.
Bei den Simpsons wurde die Bezeichnung für deutsche Rucksackreisende verwendet, die sich überheblich verhielten und einen gewissen Antiamerikanismus zur Schau stellten.

Witzige Randnotiz: Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt) schreibt auf dem Umschlag eine Würdigung Krachts und des Buches. Im Buch selbst gibt sich Kracht an einigen Stellen als Kehlmann aus oder wird mit ihm verwechselt

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