lautenist

gelesen: alles, was zu ihr gehört von Sara Sligar

Ein bißchen ratlos bin ich nach dem Lesen von Sligars Debüt-Roman. Gekauft habe ich ihn mir, weil es sich um einen Kriminalfall handelt, der sich mit dem Tod einer Fotografin beschäftigt. Auseinandersetzung mit Kunst und Künstlerleben versprach die Kritik.

Reflektionen über Kunst und Künstlerleben findet man allerdings nur sehr oberflächlich. Die Fotographie als Kunstform spielt eine untergeordnete Rolle und reflektiert vor allem den Charakter der Künstlerin, deren Nachlass die Archivarin (ein Kitschbild des Clichés einer heutigen Frau westlicher Prägung — ich frage mich nur, ob Sligar das bewußt ist) ordnen soll und der Vermutung nachgeht, die Künstlerin sei getötet worden. Hinweise entnimmt sie dem Tagebuch der Toten. Dieses Tagebuch ist noch der am besten geschriebene Teil des Buches. Da bin ich mir mit den Kritikern einig. Auch damit gehe ich mit der Kritik einig, daß eigentlich niemand in diesem Buch wirklich sympathisch dargestellt wird. Differenzierte Charakterstudien sucht man allerdings vergebens. Alles bleibt Cliché. Das mehrmals wiederholte "Männer sind so" genügt als Erklärung. Überhaupt wird die Clichéhaftigkeit an dem Aufhängen an #meToo und dem Männerbild sehr deutlich. Daß Frauen wenig besser wegkommen macht die Sache nicht besser. Eine Lovestory auf dem Niveau der Twilight-Romane paßt da natürlich auch ins Bild, macht den Roman aber nicht besser. Die begeisterten Rezensionen der Presse sind mir vollkommen unverständlich. Lesen die sonst nur Kinderbücher oder Julia-Hefte?

Gut ist er nicht, dieser Debütroman von Sara Sligar. Aber, sehr zu meinem Erstaunen, bei allem Ärger doch sehr unterhaltsam. 

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