lautenist

Duden macht Politik

Der Duden hat die Funktion, die deutsche Sprache zu beschreiben. Bisher. In der letzten Auflage hat der Duden nun dem generischen Maskulinum eine weibliche Form gegenübergestellt, was praktisch die Abschaffung des generischen Maskulinums bedeutet. Es ist natürlich noch möglich zu sagen "Ich gehe zu meinem Arzt, das ist Frau Doktor xy" — die Darstellung im Duden legt aber nahe zu sagen "Ich gehe zu meiner Ärztin, Frau Doktor xy". Das geht heute auch. Ich betone damit das biologische Geschlecht meines Arztes, warum auch immer.
Tatsächlich ist es in den meisten Fällen doch Wurst, ob mein Arzt ein Mann oder eine Frau ist — der Begriff beschreibt eine Funktion oder Institution. Das biologische Geschlecht ist irrelevant.
Das gleiche gilt für Metzger, Terrorist, Sünder, Student, Politiker, Bürgermeister, Soldat, Mörder ....
Diese derzeit modische, übermäßige Betonung des biologischen Geschlechts kann man als sexistisch beschreiben, da sie einen Geschlechterkonflikt konstruiert, den es sprachlich gar nicht gibt. Denn dabei wird zwar neutral getan, aber tatsächlich behauptet, ein biologisches Geschlecht sei aggressiv dominant.
Wenn man Umfragen gestaltet, in denen scheinbar die Gleichsetzung von grammatikalischem und biologischen Geschlecht bestätigt wird (man würde bei einem Arzt eher an ein männliches Exemplar denken): bedeutet das dann eine durch die Struktur der Sprache verursachte Gewalt gegen Frauen oder mangelnde Bildung? Naja — es liegt nahe, daß das letztere der Fall ist. 


Wenn in den Öffentlich-Rechtlichen TV-Sendern gegendert wird schalte ich ab oder um. ZDF und ARD werden darum von mir kaum mehr geschaut (die anderen Sender wegen Werbung erst recht nicht). Bei dem Gestotter und der Feminisierung von Inhalten ("Ministerinnen", "Wissenschaftlerinnen") wird es schwer, den Inhalt vor lauter Gendern zu erkennen. Anders als Sexualisierung kann man das nicht nennen. Wiki nennt als erste zwei Punkte, die Sexualisierung beschreiben

  • die Fokussierung bzw. Hervorhebung der Sexualität innerhalb eines umfassenderen Kontextes
  • die Betrachtung eines Objektes unter sexuellen Gesichtspunkten bzw. unter dem Aspekt der Sexualität, besonders wenn dieses Objekt diese Betrachtung von sich aus nicht evoziert.

Paßt, nicht?

Als Begründung für die sogenannte geschlechtergerechte Sprache (sie ist nicht wirklich geschlechtergerecht und in der Konstruktion des Ausdrucks findet sich bereits eine politische Aussage) wird gerne die "Sichtbarmachung der Frauen" genannt. Das zeugt von mangelndem Verständnis der Sprache und führt in der radikalen Form zu Kommunikationsverweigerung. Das ist offensichtlich und man muß das nicht ewig wiederholen. Der Skandal liegt darin, daß nicht mehr nur ein paar durchgeknallte Tanten wie Anne Will meinen, weiblich zu sprechen sei irgendwie progressiv, sie aber tatsächlich einen frappanten Unwillen, verständlich zu kommunizieren kund tun, sondern der Duden diesem Quatsch Legitimität verleiht. Aufgabe des Dudens ist es nicht, uns eine neue Sprache beizubringen, sondern die gesprochene Sprache zu beschreiben.
Wenn das, was nun neu beschrieben/erfunden wird, eine rein politische Angelegenheit (aka Neusprech) ist, kann man das mi Fug und Recht einen Skandal nennen.

Error

default userpic

Your reply will be screened

Your IP address will be recorded 

When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.