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Umfrage gegen Fakten

Schon länger fällt mir auf, wie sehr die Medien Pseudo-Wahrheiten verkünden. 

Heute prangt mir fett auf der Titelseite der lokalen Tageszeitung entgegen "Deutsche fürchten ein weiteres Corona-Jahr". Die halbe Titelseite wird mit den Ergebnissen einer Umfrage gefüllt. (Leider habe ich nichts Verlinkbares gefunden. ) 

Worum es darum im Detail geht spielt keine Rolle. Eine Umfrage scheint immer gut und es werden demokratische Wahrheiten verkündet. Tatsächlich aber ist der Informationsgehalt der Meldung ähnlich hoch wie "60% der Deutschen glauben, im Januar wird es schneien oder regnen" oder sonstigem Bullshit.
Umfragen machen Sinn, wenn Meinung zur demokratische Willensbildung gefragt ist. Und selbst dort, bei der berühmten "Sonntagsfrage" etwa, ist es nicht unkritisch, ob man darüber berichten sollte. Darum war es auch immer politischer Anstand, ein wenig vor der eigentlichen Wahl dann mit diesen Umfragen aufzuhören.
Der kritische Punkt läßt sich beispielsweise an der Wahl der Orange in den USA erläutern: einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Wahl 2016 dürfte nämlich gehabt haben, daß man Trump den Umfragen entsprechend keine Chancen gab und viele demokratische Wähler zuhause blieben (natürlich auch, weil Clinton eine denkbar schlechte Kandidatin war). Die Wahl 2020 war sehr geladen und bis zum Schluß offen. Alle Kandidaten mobilisierten ihre Wähler so gut es ging und es kam trotz eines äußerst schwachen Kandidaten doch dazu, eine zweite Amtszeit Trumps zu verhindern. Dieses Mal glaubten die Wähler den Umfragen nicht, die einen haushohen Sieg Bidens vorhersagten — und taten gut daran!

Paßt einfach mal auf, wie oft sinnfrei Umfragen in den Nachrichten kommen und dabei Themen, die nichts mit der Meinung oder der Einschätzung eines Sachverhaltes durch eine Mehrheit zu tun haben, abgehandelt werden!

In diesem Fall: Es ist vollkommen unerheblich, was die Deutschen glauben, wie das Corona-Jahr werden könnte. Das ist bestenfalls ein Stimmungsbild zum Jahresende und kann in einem irgendwie esoterischen Stimmungsindex verwendet werden. 

Fatalerweise wirken solche Umfragen aber oft stark emotionalisierend wie damals in der Situation, in der Deutschland sich entschied, Flüchtlinge gemäß der humanitären Verpflichtungen aufzunehmen und nicht auf dem Dubliner Protokoll zu bestehen, welches die gesamte Last auf die Länder mit EU-Außengrenze geladen hätte (wie jetzt — nur den Türken wird noch Geld in den Arsch geschoben, damit sie Flüchtlinge nicht weiterreichen; und nordafrikanischen Ländern werden auch mit Geld unterstützt, um Flüchtlinge im Land zu lassen: Fluchtursachen bekämpfen, aber auch Kampf gegen die Schlepper etc.).

Auch ein Thema, das ich immer wieder hier habe ist Gendersprech: Der ganze Dünnsinn beruht letzten Endes auf Umfragen, wonach sich Frauen nicht genauso angesprochen fühlen, wenn man korrektes Deutsch spricht. Da wird dann eine neue Sprache konstruiert, die in sich wenig kohärent ist anstatt zu fragen, ob das wirklich so ist und ob das Problem nicht mit einer besseren Vermittlung der deutschen Sprache zu lösen wäre.
Anmerkung: dieser Unsinn hat sich in den 70ern und vermehrt den 80ern etabliert. Inzwischen hat sich als neue Wirklichkeit durchgesetzt, daß mit den "Studenten" tatsächlich nur männliche Studenten gemeint seien. Da ist aber schon der erste Fehler. Spricht man das an, kommt als Gegenargument, eine Mehrheit würde das anders sehen. 

Doch auch die ganzen Umfragen zum Thema "Wolf in Deutschland" sind nur noch ärgerlich. Der Wolf ist eine streng geschützte Art. Er ist immer noch selten und in Europa vom Aussterben bedroht. Eine Bejagung widerspricht internationalem Recht. Wenn Zeitungen Umfragen lancieren, ob der Wolf nach Deutschland gehört oder nicht, ist das nichts als Stimmungsmache, wohl wissend, daß das Volk sich seit Rötkäppchen vom Wolf stark emotionalisieren läßt. Die Meinung des Volkes aber nicht gefragt ist. Das Recht müßte auf europäischer Ebene geändert werden, um den Wolf wieder ausrotten zu können. Wenn also ein SPD-Politiker wie der Lies meint, er könne dort aktiv werden oder ein FDP-Heini wie der Kubicki für die Jägerschaft lobbyiert ist das Populismus. 

Also Leute: Laßt Euch nicht von Umfragen verarschen.

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