lautenist

2020


Wie jedes Jahr ist es an der Zeit, das vergehende Jahr Revue passieren zu lassen. Wie jedes Jahr habe ich Ende 2019 das neue Jahr geplant, wohl wissend, das vieles nicht erreichbar sein würde und sich auf dem Weg auch viel ändern würde. Es gab ja 2019 viel, woran ich anknüpfen könnte: Konzertbesuche, Ausflüge, Museen, Bücher, Kino, selbst Reisen. Das erste viertel Jahr war auch noch sehr von Museumsbesuchen und Konzerten geprägt.
Zum Jahreswechsel gab es die beeindruckenden Winterlichter im Palmengarten, die ich ein paarmal besuchte

Magdalena mit Kids zu Besuch
Magdalena mit Kids zu Besuch

Grade Magdalenas Besuch gab mir auch wieder Motivation, etwas mehr an Laute zu denken. Der gesamtgesellschaftliche Schatten war noch fern. Noch im März war ich mit einem Freund auf dem "Stormy Monday" und in den Kolonien in dem wunderbaren brasilianischen Café zu einem Konzert. 

Ein paar Tage später hatte meine Mutter einen Schlaganfall und während sie im Spital war übernahm dann auch die Seuche und der vielversprechende Start in's Jahr legte einen full stop hin und die Planungen waren hinfällig.
Ich hatte mir überlegt, den kleinen Elektro-Roller durch einen "richtigen" zu ersetzen und meine Wahl fiel auf einen Honda SH150i. Während des ersten Lockdowns war er grade angekommen und die Zulassung machte dicht bzw. die Händler mußten exakt schließen, als ich ihn abholen wollte. Mit Roller und der Möglichkeit, der Hysterie zu entkommen, hätte Corona seinen Schrecken verloren. Wobei der Schrecken eigentlich zum größten Teil nicht von der Seuche auszugehen schien, sondern von den Maßnahmen, die das Gesundheitssystem vor Überlastung schützen sollten. Zunächst störten die gar nicht — lästig war nur die Hyterie von Personal in den Läden und den lieben Mitmenschen, die taten, als sei die Pest ausgebrochen. Ernst nehmen, aber nicht in Panik geraten war meine Devise, die ich lange durchhalten konnte und vor allem den Kopf über die lieben Zeitgenossen schüttelte. Bis zur Einführung der Maskenpflicht war das aber harmlos, denn ich verpasste nur ein paar Ausstellungen (dann auch wegen der Maskenpflicht), aber im beginnenden Frühjahr verlagerten sich die Aktivitäten sowieso mehr nach Draußen. 

Ich bin viel spazieren gegangen und habe das genossen.
Besonders intensiv war der Spaziergang zum Altkönig. Ich wollte mir endlich die Ringwälle und die alte Keltenburg anschauen

Mann, war das ein Muskelkater am nächsten Tag! Weniger, weil es so anstrengend gewesen wäre. Das letzte Stück Weges, steil bergauf auf Geröll, ist für meine Knochen nicht so das Wahre gewesen.
Viele weitere Ausflüge halfen trotzdem, den ganzen Trubel um Corona zu vermeiden

Problem daran, die einen zu Beklatschen ist, daß man garantiert jede Menge beklatschenswerte Menschen vergißt. Darüber hinaus fand ich die Klatscherei zum Fremdschämen
Problem daran, die einen zu Beklatschen ist, daß man garantiert jede Menge beklatschenswerte Menschen vergißt. Darüber hinaus fand ich die Klatscherei zum Fremdschämen

Nachdem der Lockdown dann zuende war — nicht, daß irgendetwas bahnbrechendes bezüglich der Seuche geschehen war. Es war halt Sommer, die Menschen mehr draußen und dadurch gab es weniger Infektionen — konnte ich endlich meinen größeren Roller in Empfang nehmen und fortan war ich unterwegs, was mein Bobbes hergab. Außer zu Lesen und Touren zu unternehmen war schließlich kaum etwas anderes möglich. Natürlich hatten die Museen geöffnet, doch mir ist es sehr unangenehm bis hin zur Platzangst und Atembeschwerden gewesen, mit Gesichtskondom herumzulaufen und auch hat sich an der Situation schließlich nichts grundlegend geändert gehabt. Wenn es im März nicht anzuraten war, sich in öffentlichen geschlossenen Räumen aufzuhalten, dann auch nicht im Mai oder Juni. Man konnte schon erkennen, nach der Frühlingshysterie mit 

wir werden alle Sterben und dem widersinnigen Schrei nach Masken kam das endlich ein Stück Normalität und seitdem hatte ich den Eindruck, die Seuche wird nicht mehr ernst genommen und man folgt einfach nur leidenschaftslos und ohne groß nachzudenken den Vorgaben der Politiker, die nach recht vernünftigem Start im Frühjahr wieder in das übliche selbstreferentielle Getue verfielen — Populismus heißt ja eigentlich, dem Volk nach dem Mund zu reden und zu handeln. Hier wurde aber versucht, Helden zu erschaffen. Widerlich, dieses Getue und von diesen Schwachmaten bekommt sicher keiner meine Stimme im Superwahljahr 2021! 

Alles halb so wild, denn ich fuhr mit dem Roller durch die Gegend und bemerkte nur am Rand, wie die Seuche immer mehr als lästig empfunden wurde und das anfängliche Halten von Distanz, was wirklich gegen die Seuche hilft, immer weniger beachtet wurde: man trägt ja Maske, und sei es um den Hals — das schützt vor der Seuche. Mir drängt sich der Gedanke an ein Totem auf. Bei mir sorgte das nur dafür, noch mehr auf Distanz zu gehen und zu achten. Von einem schwachen Moment abgesehen, an dem ich beschloß, einen verlängerten Wochenendausflug mit dem Roller zu machen. Gemütlich an die Weser — und es war schön! Dort war allerdings so ziemlich alles geschlossen und ich froh, daß das Hotel eine großartige Küche hatte

So ging der Sommer dahin und Ausflug folgte Ausflug. Ich konnte mein Auto verkaufen, so daß diese finanzielle Bürde von mir genommen ist.  

Im Herbst nun wurde es ruhig — meine Aufregung ging eher in die Richtung, daß die Weibsen, die meinen, sie seien so sehr unterdrückt, sich nun an die Vergewaltigung der deutschen Sprache machten, sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, indem sie dort einen merkwürdigen Mix aus rein femininen Wortbildungen zu etablieren versuchen.
Der politische Hühnerhaufen hat die Vernunft aufgegeben und ist zur gewohnten Klientelpolitik zurückgekehrt. Das hat natürlich geholfen, eine sehr starke zweite Welle auszulösen bzw. wirkungsvolle Maßnahmen, um sie zu bremsen zu vermeiden. Ich bin ein wenig in den Winterschlaf gegangen und lese und spiele Laute/Gitarre. Hier dieses Tagebuch weist in dieser Zeit deutlich weniger Einträge auf, die meisten über gelegentliche Aufreger. Nun das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel ... ich erwarte nichts mehr bedeutendes.
Klar — meine Mutter macht Sorgen — das ist aber eine andere Ebene. 

Wie es aussieht, wird auch 2021 wesentlich durch Beschränkungen bestimmt werden. Darum ist es schwierig, einen Ausblick zu geben. Ich versuche es trotzdem in einem Folge-Post.

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