lautenist

was Politiker nicht verstehen ist ...

... daß jeder immer wieder nachhause kommen wird.
Eine Ausgangssperre bewirkt deshalb in der derzeitigen Situation nichts, weil nur sehr wenige Menschen vom sozialen Geschehen ausgeschlossen werden. Statt einem zusätzlichen Haushalt nun eben nur noch der eigene als sozialer Kontakt (und möglicher Infektionsherd).

Arbeit und Arbeitsweg genauso wie Schule und Schulweg aus dem Infektionsgeschehen auszuschließen ist schon grenzdebil.
In der aktuellen Betrachtung muß es, logisch betrachtet, eine starke Steigerung der Infektionen im privaten Umfeld geben. Wenn ich die Leute zuhause einsperre werden es nahe an 100% sein, wenn ich gleichzeitig Arbeit und Arbeitsweg genauso wie Schule und Schulweg ausschließe — von ein paar Fällen beim Lebensmittelkauf, Arzt- und Apothekenbesuch. Das hat aber keinen Einfluß auf die Summe der Infektionen.

Grund ist offenbar eine schlichte (vielleicht auch falsche?) Art der Ermittlung: Von wem hast Du Dir die Seuche eingefangen? ist die Frage des Gesundheitsamts. Tatsächlich läge man wohl genauer, wenn man das private Umfeld ausschließen würde. Natürlich kann man sich die Seuche zuhause holen und dann in Schule oder auf die Schaff weitertragen. Aber initial verhindern kann man Ansteckungen, wenn man herausfindet, wo sich derjenige, der die Seuche in das private Umfeld gebracht hat, infiziert hat. 

Ich habe versucht, diese wirklich sehr schlichte und einfach Betrachtung einem hessischen Grünen zu vermitteln und er kam mir mit einer Wiederholung der öffentlichen Statements: Wir müssen die Kontakte von 70 auf 40% drücken und die meisten Infektionen finden im Privaten statt. Zuerst war ich empört — aber ich bin müde und habe keine Lust mehr, mit Politikern zu diskutieren. Da liegt schon die (falsche) Annahme zugrunde, wir würden den meisten Menschen privat begegnen. Wievielen Leuten  begegnet man in den Öffis, beim Einkauf, in der Schule und auf der Schaff? Und wie vielen begegnet man zuhause — wenn Gaststätten, Theater, Kinos, Museen, ... alles geschlossen hat?
Weiterhin finde ich es typisch, wenn man Kontakte in Prozent ausdrückt. A ist in Vereinen aktiv und sehr gesellig — er arbeitet im Außendienst und hat beruflich etwa 20 Kundenbesuche pro Woche. Dazu kommen Freunde und Vereinskameraden (etwa 30?). B ist eher introvertiert und hat wenige Freunde und Sozialkontakte. Seinem sozialen Profil gemäß arbeitet er in der IT und hat dort Kontakt zu seinen 2 Zimmergenossen plus gelegentlich Projektmitarbeitern. Die Prozentzahlen der Politik sagen also nichts aus — in einer mathematischen Rechnung (als statistische Grundgesamtheit) kann man sowas verwenden, aber als Grundlage einer politischen Entscheidung taugt das ziemlich genau — nichts. 

Die sollte eigentlich (mit Hilfe der Gesundheitsämter, anderen Wissenschaftlern etc) Situationen identifizieren, in denen man einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Wenn ich aber zu dem Ergebnis komme, das sei im Privaten gegeben ist das, aus oben genannten Gründen, eine Lachnummer.

Auch wenn ich mich dann manchmal wie ein Rechter anhören mag: Wenn ich dann von totalitären Maßnahmen schwadroniere bezieht sich das darauf, daß die Politik die Glaubwürdigkeit, die sie im Frühjahr aufgebaut hatte inzwischen restlos verspielt hat. Man muß ja nun wirklich kein Einstein sein, um die logischen Probleme zu erkennen. Der hessische Ministerpräsident war wohltuend zurückhaltend mit Verschärfungen (den Begriff sollte man auch mal untersuchen). Die Ausgangssperre nannte er in etwa letzte Möglichkeit im Bausteinkasten der Maßnahmen kleiner als ein Lockdown. Volker wird aber keine weitere Legislaturperiode den Ministerpräsidenten geben. Darum werden Karriereerwägungen bei ihm keine Rolle spielen.
Generell gibt es inzwischen eine größere Anzahl an Maßnahmen, deren Nutzen fragwürdig ist und gleichzeitig wird als Ursache ausgeschlossen, was vernünftig ist — sicher ist totalitär der falsche Begriff dafür. Der war sicher der Empörung geschuldet, denn ich glaube nicht, daß bewußt an der Republik gerüttelt wird. Dumm! So sieht es aus. Ja. Doch glaube ich auch nicht, daß den Politikern die Sachlage nicht bewußt ist. Eher dürften andere Interessen den Kampf gegen die Seuche überlagern, grade bei Politikern, die eine Karriere planen. Wenn ich den Lindner oder von Strolch oder den Steuerflüchtling Weidel höre könnte ich kotzen — das ist wirklich strunzdumm, auch wenn es ihnen das Regierungslager leicht machen würde, Punkte zu sammeln. 

Gut — nun wird wohl ein Lockdown kommen, wahrscheinlich sehr bald, so daß die Ausgangssperre nur noch ein kleiner Aspekt der Situation sein wird. Die Diskussion und die Stellungnahmen waren allerdings ein weiterer Nachweis der mangelnden Qualifikation der aktuellen Politikergeneration.
Insbesondere der bayerische Schwachmat präsentiert sich gerne als "harter Hund", aber tatsächlich betreibt er Populismus.
Fazit: mir tut es fast schon weh, es zu sagen, aber ich muß es tun: Bitte Mutti, hänge noch eine Periode dran, von mir aus auch nur eine halbe — und tausche Deine Minister aus.

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