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Paganini

Manchmal bringt einen YouTube doch auf Ideen.
So auch diese Darbietung:

Zuerst spielt Pavel hier ein kurzes Stück von Legnani — nicht so spannend, weil Aufwand und Ertrag bei Legnani für mich nicht stimmen. Doch bei dem Paganini habe ich aufgehorscht. Paganini erschöpfte sich für mich auf ein Duo für Geige und Gitarre und ein Stück, das er für seinen Gitarristen Legnani geschrieben hatte und das vor allem schwer ist. Ansonsten ein paar einfache Stücke, die ich aus den Teuchert-Ausgaben kannte. Hier habe ich nun Pavel gehört und der spielt witzig Musik. Da wollte ich erst einmal mitlesen. Das erste Stück von Paganini habe ich nach ein bißchen Stöbern als Sonate 12 identifiziert. Es gibt deutlich mehr und deutlich bessere Musik von Paganini, als ich bis vor ein paar Tagen wußte.
Von dieser Sonate gibt es auch eine Version zum Mitlesen:

Schon in den ersten zwei Zeilen fällt auf, daß Pavel Verzierungen einbaut und rhythmische Veränderungen spielt, die so nicht in den Noten stehen. Die zweite Variation leitet er mit Läufen ein, die so gar nicht in den Noten stehen — kurz: Pavel nimmt sich sehr viele Freiheiten. Das ist in der Musik dieser Zeit durchaus erlaubt und seine Fantasie ist ja witzig, ohne Paganini ins Lächerliche zu ziehen, sondern er erzeugt eine Vielzahl von Farben, wo ich mir gesagt habe: Genau so muß man diese Musik spielen. Klar! Ich spiele sie anders, weil ich diesen Mut nicht aufbringe, den Pavel hat, die Vorlage massiv zu verändern. Dabei hat mich aber überrascht, wie gut sich diese (und die meisten anderen) Sonaten spielen lassen. Sicher sind sie technisch schwer, falls man dieses Etikett brauchen sollte, aber doch, ebenfalls typisch für die Epoche, bestehen sie aus Clichés (in diesem Fall ist der Begriff als eine Art musikalischer Textbaustein gemeint), die sich gut üben lassen. Auf meiner Übeliste ist also auch eine Auswahl Paganini gelandet und zwar aus der originalen Gitarrenliteratur (die Bearbeitungen der Caprice, die beispielsweise Eliot Fisk eingespielt hat — sehr gelungen übrigens — finde ich Angeberstücke, die für mich nicht geeignet sind).

Was ich hier erwähnen möchte ist der interpretatorische Ansatz. In der klassischen Ausbildung bekommt man es überwiegend mit Musik zu tun, in der Hinweise zu den Klangfarben im Notentext stehen. Das gilt für ältere Musik nicht. Da gilt eher die Regel, daß der Notentext eine Vorlage ist, die man gestalten kann und oft sogar muß. Erst durch die Interpretation entsteht eine Geschichte. Ähnlich wie ein guter Erzähler eine an sich banale Geschichte zum Leben erwecken und spannend machen kann. Bei Paganinis Sonaten passiert nun nicht wirklich viel — es sind eigentlich Miniaturen und Sonaten im Sinn von "Klangstücken" und nicht im Sinn der klassischen Sonaten. 


Nachtrag: Hier noch Eliot Fisk — wie gesagt: ich halte das für Angeberstücke, die schon auf der Geige vor allem zum Angeben taugen. Auf der Gitarre finde ich das grenzwertig. Fisk spielt es gut und es klingt nicht nach einer Verarschung wie einiges von Yamashita, wo man sich zwar wundert, wie er das macht, es aber kaum schön nennen würde

Leider gibt es von Yamashita keine gute Aufnahme. Aber eine vereinfachte Version habe ich hier gefunden — daß jemand versucht, diesen ... Witz? zu imitieren hätte ich nie gedacht. 

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