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gelesen: Die Unschärfe der Welt von Iris Wolff

Berechtigt für den Buchpreis 2020 nominiert ist das Buch "Die Unschärfe der Welt", das mir Hoffnung macht, daß hierzulande die Erzählkunst nicht aussterben wird. Zwar stammt die Autorin aus dem Banat, ist also Rumäniendeutsche, doch lebt sie in Freiburg. Letzten Endes zählt für mich, daß jemand es schafft, anspruchsvolle Geschichten in der Muttersprache zu erzählen. Und in diesem vorliegenden Fall findet man kaum einmal einen grammatikalischen Fehler. Dafür eine sehr große sprachliche Virtuosität, die der Autorin ermöglicht, große Nähe zu erzeugen, eine Vielfalt an Ausdruck zu generieren und dabei an keiner Stelle altbacken daher zu kommen.

Ob der Oberbegriff "Familiengeschchte" dem Buch gerecht wird weiß ich nicht. Sicher ist es auch eine Geschichte einer Familie aus dem Banat beginnend in den 60ern. Doch es gelingt der Autorin, den Zerfall der DDR und den — man kann es wohl Verkauf nennen — der Banater Schwaben an die Bundesrepublik und die damit verbundene Entwurzelung der Betroffenen wie auch die Veränderungen im  Banat und Rumänien fein einzubeziehen. 

Ein Werk, an dem ich nichts, aber auch gar nichts auszusetzen habe.
Außer vielleicht — was vielleicht in der Aufgabe, eine Geschichte zu entwickeln begründet liegt — die Vorstellung, das Leben verliefe linear. Als würden die Weichen für die wesentlichen Ereignisse des Lebens bereits in der Kindheit gestellt, hier beispielhaft die Geschichte von Sana/Stana und Samuel. Vielleicht fiel es mir auch nur besonders auf, weil die Autorin selbst thematisiert, wie unsere Biographie von unserer Umwelt und den Ereignissen, die dort geschehen, abhängt. 

Ein weiteres Buch, das ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. 5/5 Sternen und ein Plus obendrauf.

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