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gelesen: Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri

Was im letzten Jahr vor allem Otessa Moshfeg war könnte, etwas spät im Jahr, Dina Nayeri werden: meine literarsche Entdeckung des Jahres.

Liebevoll beschreibt sie ihre Figuren, die alle etwas schrullig, aber durchaus liebevoll daherkommen. Eine sehr poetische Sprache zeichnet sie aus, kongenial von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann übersetzt.
Vordergründig handelt es sich um die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie (christliche Perser die nach der islamischen Revolution den Iran verlassen. Nur der Vater bleibt zurück), die in der Fremde auf unterschiedliche Art und Weise aufgenommen werden. Und doch nicht wirklich ankommen, sondern den Iran immer ein Stück weit mitnehmen. So ist das Buch, auch wenn der Iran nur am Rande vorkommt und die politische Lage durchaus kritisch gesehen wird, doch auch eine Liebeserklärung an den Iran — was ich (auf Fotos) gesehen habe und Geschichten von Exilanten entnehmen konnte durchaus berechtigt. Es muß ein wunderschönes, sehr vielfältiges Land sein voller Kultur in allen Bereichen: Architektur, Malerei, Musik, Literatur ... 

Demgegenüber wirkt unsere westliche Gesellschaft kalt. Auch wenn die einzelnen Personen durchaus Wärme versprühen und liebenswert sind. Und ganz schlimm für den Leser: er findet sich als Teil dieser kalten Gesellschaft wieder, wenn auch natürlich nicht als Geert Wilders, der mit widerlichen Hetzparolen gegen Ausländer Stimmung macht. Ein Buch, das die Augen öffnen könnte dafür, daß da nicht Migranten kommen oder Muselmanen, sondern Menschen. Jeder mit einer individuellen Geschichte, gar nicht so unterschiedlich zu unserer, aber mit großen Teilen aus einer ein bißchen anderen Kultur, die weder besser noch schlechter ist als unsere. Wenn man Dina Nayeris Buch liest meint man natürlich, am und im Iran störten nur die allgegenwärtigen Mullahs.

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