lautenist

Corona mal wieder

Einen schönen Schulanfang wünsche ich
Einen schönen Schulanfang wünsche ich

Die zweite Welle ist fleißig unterwegs und das nehme ich als Anlaß, meine Eindrücke mal wieder festzuhalten. 

Dank Ballermann-Säufern und sonstigen Urlaubern und Partysüchtigen sind wir mitten in der zweiten Welle. Wobei die natürlich nicht im luftleeren Raum entstanden. 

Folge ist, daß man Menschen schräg anzuschauen beginnt: War dieser Mensch in den Ferien? Ist er geflogen? Wie hat er sich in den Ferien verhalten? Oder ist es ein Mensch, der lieber zuhause feiert. Oder gar einer der Opernplatz-Säufer? Oder auch nur einer, der auf die Veranstaltungen geht, die wieder erlaubt sind?  
Nachdem in Hessen die Schule wieder begonnen hat muß man auch Kinder und Jugendliche als potentielle Superspreader ansehen — und langsam kommen wir zum eigentlichen Grund meiner Verärgerung: Wenn mein Patenkindchen meint, sie müsse nach Griechenland in die Ferien fliegen ist das alleine ihre Sache — es ist erlaubt. Ich habe gefragt, ob sie auch gleich schon die Quarantäne mitgebucht hat. Und sie meinte, sie mache im Anschluß eine freiwillige Quarantäne. "Halt Einkaufen und was man sonst auch so machen muß. Das Risiko muß ich selbst bewerten". Dagegen kann man nichts sagen, aber ich kann schon schließen, daß die Gefahr durch die Seuche nicht gesehen wird. Es gibt ja sehr viel Unsinn, der beschlossen wurde, doch mit einem IQ größer der Zimmertemperatur sollte man in der Lage sein, daß die Seuche nicht harmlos ist. Aber aus irgendeinem Grund wollen sehr viele das nicht sehen. Der Wunsch nach "Normalität" ist größer. Darum richtet sich aller Denken darauf hin aus, wie sie innerhalb der bestehenden Restriktionen so viel an Normalität (also Leben wie vor der Seuche) simulieren können als möglich. Dieses Leben orientiert sich bei vielen entlang von Feiern und Veranstaltungen am Wochenende, den Ferien und der Bundesliga. Was für armselige Leben — und die Leute sind zufrieden damit. Ihr Bier! Nichts gegen ein ordentliches Besäufnis oder eine versoffene Party — aber Corona offenbart: das ist für viele der Lebensinhalt. Und natürlich ihre Blechkarosse ist wichtig. 

Was hat sich aber seit März/April diesen Jahres verändert? Natürlich waren viele der Maßnahmen übertrieben und ob es ein Lockdown hätte sein müssen kann man schwer sagen, aber sicher berechtigt bezweifeln. Aber die Seuche ist echt und Maßnahmen mußten ergriffen werden. Richig war das. Doch irgendwann kam man (die Presse wohl) auf die Idee, eine Reproduktionszahl von 1 sei der Punkt, an dem man die Restriktionen aufheben könne. Nicht, daß dann der Punkt sei zu überdenken, wie man der Seuche sinnvoll begegnet und sich ein Leben mit ihr einrichtet. Es ging immer nur um eine Rückkehr zum Leben vorher. Auch jetzt noch. Und das wurde massiv begleitet von der Werbung, die einen wieder nach Spanien, Italien, Griechenland, Kroatien (warum ich dauernd Werbung für Tasmanien bekomme weiß ich nicht) locken wollen. Dazu Unmengen Hinweise auf Veranstaltungen und ständiges Ausdrücken des Bedauerns, daß die Ränge im Stadion leer sind und die Veranstaltungen nur unter Einschränkungen möglich sind. Alles nur Ausdruck dieses Versagen. Alles wird darauf gesetzt, daß ein Impfstoff gefunden wird. Prinzip Hoffnung! Wieviele wirkungsvolle Impfstoffe gegen Virenerkrankungen gibt es? 

Was hat sich aber seit März/April diesen Jahres verändert? Genau genommen: Nichts!
Wir wissen etwas mehr über das Virus und es gibt Erfolge in der Behandlung. 

Wenn nun die Schulen öffnen und sich der Schutz der Schüler und Lehrer darauf reduziert, daß man auf dem Schulhof eine Maske tragen muß ist das grob fahrlässig.   In einigen Schulen ist das Tragen der Maske auch während des Unterrichts Pflicht (Jonas Schmidt-Chanasit zu den OP- und Stoffmasken: "Wenn sie wenigstens Masken tragen würden, die schützen"), was Lehrer und Elternvertreter bedauern. Eltern wurden im Zwispalt gelassen zwischen dem Wunsch, ihren Kindern in der Leistungsgesellschaft eine Chance zu geben und dem Risiko, daß sich ihre Kinder zu Superspreadern entwickeln. Letzteres kann man kaum ausdrücken ohne massive Vorwürfe zu formulieren. Tatsächlich war ich sehr für eine Schulöffnung (generell schon gegen die Schließung — heute würde ich sagen: Ich habe mich wahrscheinlich geirrt), doch was nun passiert und passiert ist ist meiner Meinung nach schon über grob fahrlässig hinaus. Die Politik weiß, was passieren wird und macht es trotzdem. In ihrer mentalen Beschränktheit sehen sie die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, wenn man die Kids nicht in die Schule läßt. Die gesundheitlichen Risiken werden, wie andernorts auch, vernachlässigt. An anderen Orten kann man diesen Risiken aber oft ausweichen. Lehrer und Schüler haben diese Möglichkeit nicht. Und Tests finden statt, wenn jemand krank ist — Massentests beim Eintritt waren meine Option. Und nun, da Schnelltests vorliegen, ist das auch realistisch. Wird aber nicht gemacht. Stattdessen will Söder allen Bayern ermöglichen, sich testen zu lassen. Eine rein populistische Maßnahme, die wertvolle Testkapazitäten sinnvoller Nutzung entzieht. 

Masken haben sich als Alibi etabliert, um sich Fragen nicht stellen zu müssen und fragwürdige Entscheidungen zu treffen (zum Beispiel Fliegen nahezu ohne Einschränkung  zu erlauben ).
Die wichtigste Frage ist und bleibt, wie wir unsere Gesellschaft neu organisieren wollen. Tönies war ja nur ein Symptom und nicht das Übel, genauso wie Lufthansa und TUI. Oder auch die Opernplatzparties in Frankfurt. Man sollte sich auch mal fragen, wie es kommen kann, daß ein Söder oder ein Laschet so gepusht wurden. Und wieso ein Spahn trotz offenkundigen Versagens auf fast allen Ebenen recht gut weg kommt. Genauso kann man aber auch berechtigt fragen, wieso SPD und Grüne so still waren und auch jetzt nichts Substantielles zu sagen haben. Daß von der FDP nichts außer "Die Wirtschaft muß gestützt werden" kommt war zu erwarten. Daß das Blondchen als Bauernopfer dienen muß statt des grandiosen Versagers Lindner finde ich aus optischen Gründen eher schade. Seit Genschman kommt aus dieser Partei scheinbar nur noch gequirlte Kacke. 

Die Chance, die uns das Virus bietet, uns auf eine Zukunft vorzubereiten, da es unausweichlich zu Veränderungen führen muß, wird offenbar nicht gesehen und nicht genutzt. Das ist dramatisch falsch.

Für mich persönlich bedeutet das Ferienende zunächst ein positives Ereignis, denn endlich kann ich Orte wieder besuchen, ohne daß sie von denjenigen, die zuhause Urlaub machen, überlaufen sind. Museen, Kinos, Theater und Konzerthallen besuche ich weiterhin nicht. Die zarten Versuche, die ich unternommen hatte, waren im Sommer okay, doch so viel Spaß machen die nicht, wenn man sich den Sitznachbarn als potentiellen Superspreader vorstellen muß, daß ich unbedingt da hin muß. Und in geschlossenen Räumen macht mir eine Veranstaltung gleich gar keinen Spaß. Einkaufen tue ich weiterhin überwiegend im Internet — die Aufforderung, lokal zu kaufen ist nett und ich würde es auch gerne. Doch in der aktuellen Situation ist mir der Stresslevel zu hoch.
Im Prinzip also nichts Neues seit März — außer vielleicht, daß ich gelassener geworden bin und mich damit abgefunden habe, daß Konzerte, Museen etc. nicht mehr zugänglich sind. Wirklich bedauerlich ist nur, daß Friseure darunter fallen. Ein Haarschnitt wäre schon mal wieder angebracht. 

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