lautenist

Rollertour nach Eppstein/moderne Bilderstürmer

Ich hänge ein bißchen mit meinen Berichten zu Ausflügen hinterher, weil ich eben Ausflüge gemacht habe und nebenher auch beschäftigt war, einen Mieter für die Wohnung bei meiner Mutter zu suchen.
Die Vormieterin ist zwar bereits Ende Mai ausgezogen gewesen, doch hatte sie totale Corona-Panik und gestattete Wohnungsbesichtigungen nur mit Handschuhen, Maske, "nichts anfassen" und maximal eine Person außer ihr in der Wohnung — was mich ausgeschlossen hätte. Unter den Bedingungen fand ich es unzumutbar, die Wohnung zu zeigen. Und auch für mich schwierig, geeignete Mietinteressenten zu finden. Da es die Wohnung meiner Mutter ist schlage ich letzten Endes nur Leute vor — das macht es auch nicht einfacher: Zu alt, zu jung, mal stört sie, daß es ein Mann, mal, daß es eine Frau ist. Mal waren Kinder ein Problem, mal etwas anderes — mein Hinweis, daß das Mieter seien und keine Ehepartner kommt da nicht sonderlich gut an. Nur macht es unter diesen Bedingungen auch keinen Spaß, Mieter zu suchen. Vor allem zieht sich die Suche wie Kaugummi. Nun ist die dritte oder vierte Runde am Laufen und wieder einmal hoffe ich, endlich jemanden zu finden.
Ach — und mein Auto will ich verkaufen. Ich fand meinen angesetzten Verkaufspreis nun nicht sonderlich hoch. Aber ich bekomme es zu dem gewünschten Preis nicht los. Wahrscheinlich eine schlechte Zeit, weil die Leute sich Sorgen um den Job machen und wenig Geld ausgeben. 

Da sind die Rollertouren, die ich die letzten Tage unternehmen konnte, eine willkommene Abwechselung. Nach der aus- und ergiebigen Tour an den Rhein wollte ich etwas kürzer auf dem Roller sitzen und auch mal wieder etwas in der Nähe unter die Lupe nehmen. Und fuhr nach Eppstein, 2 Orte weiter, aber doch ein schönes Taunustal dazwischen, so daß auch die Fahrt reizvoll war.
Eppstein ist vor allem wegen der Burg bekannt, ich war auch schon im Bergpark  (der auch von Siesmayer angelegt wurde, der auch den Frankfurter Palmengarten geplant hat) am Neufvilleturm und der Villa Anna. Dieses Mal wollte ich ein paar Fotos der Altstadt und vom Kaisertempel aus schießen

Mein Parkplatz in der Altstadt
Mein Parkplatz in der Altstadt
Die Burg
Die Burg
die Stadt Eppstein, die von der ersten Erwähnung 1107 bis 1492 ständig wuchs, doch dann an Kurzmainz, und nach der Auflösung des Kurmainzer Staates mit dessen rechtsrheinischen Gebieten an Nassau fiel, liegt schön in einem Tal des Taunus. Nahe an Frankfurt und Wiesbaden, aber weit genug entfernt, um sich den ländlichen Flair zu bewahren
die Stadt Eppstein, die von der ersten Erwähnung 1107 bis 1492 ständig wuchs, doch dann an Kurzmainz, und nach der Auflösung des Kurmainzer Staates mit dessen rechtsrheinischen Gebieten an Nassau fiel, liegt schön in einem Tal des Taunus. Nahe an Frankfurt und Wiesbaden, aber weit genug entfernt, um sich den ländlichen Flair zu bewahren
Vom Kaisertempel aus fotographiert. Das Monstrum im Vordergrund (Ortseingang) machte den Ort überregional bekannt, denn dort wurde das Lametta für Christbaumschmuck hergestellt (Ein mit Lametta geschmückter Weihnachtsbaum mit dem Schriftzug „Eis-Thau“ wurde 1905 in die Zeichenrolle des kaiserlichen Patentamtes eingetragen). Doch auch die Aluminiumhüllen für Sekt und Weinflaschen stammen immer noch oft aus Eppstein.
Vom Kaisertempel aus fotographiert. Das Monstrum im Vordergrund (Ortseingang) machte den Ort überregional bekannt, denn dort wurde das Lametta für Christbaumschmuck hergestellt (Ein mit Lametta geschmückter Weihnachtsbaum mit dem Schriftzug „Eis-Thau“ wurde 1905 in die Zeichenrolle des kaiserlichen Patentamtes eingetragen). Doch auch die Aluminiumhüllen für Sekt und Weinflaschen stammen immer noch oft aus Eppstein.
Vom Kaisertempel in den Taunus aus fotographiert
Vom Kaisertempel in den Taunus aus fotographiert

Ehrungen nach aktueller Stimmung?

Zur Zeit sind ja mal wieder Bilderstürmer unterwegs. Man kann und sollte sich schon fragen, wen man wegen was ehrt. Und hier und da kann es angebracht sein, einstmals geehrte Helden der Vergangenheit vom Sockel zu stoßen. Sicher will heute niemand mehr Hitler-Statuen sehen oder eine Straße nach ihm benannt wissen. Bei Lenin wird es schon schwieriger, denn ihn zu eliminieren war dem Wunsch geschuldet, einen Bruch mit der Vergangenheit zu vollziehen. Was natürlich auch bei Hitler der Fall war, doch war bei diesem der Bruch notwendig und sichtbarer Ausdruck der Distanzierung von dem Übeltäter. Die Vergangenheit zu korrigieren war direkt nach 1945 noch unmöglich und wahrscheinlich würde niemand auf den Gedanken gekommen sein, das, was nun hierzulande passiert, könnte jemals geschehen. Damit meine ich dieses Auslöschen der Nazi-Vergangenheit bis hin zu einer Distanzierung, die das Deutschland zwischen 1933 und 1945 wie einen fremdes Land betrachtet. Irgendetwas, was aber mit uns nichts zu tun hat.
Die aktuellen Bilderstürmer bekämpfen Symbole — daß ich solche Kämpfe nicht sehr hilfreich finde ist sicher schon angekommen. Was nutzt es im Kampf gegen Rassismus, eine Wissmann-Straße umzubenennen? Tatsächlich ist es aber immer angebracht zu fragen, warum wurde ein Mensch geehrt. Ob wir ihn heute noch in dieser Form ehren würden ist in fast allen Fällen fraglich, egal um wen es sich handelt. In der Regel werden einzelne Verdienste herausgehoben und Schattenseiten nicht beachtet. Jeder Mensch hat nun mal Licht- und Schattenseiten und die Beurteilung im Nachhinein wird immer abweichen von der, die einem Menschen zu Lebzeiten widerfahren ist. Van Gogh wäre froh gewesen, wären seine Gemälde schon zu Lebzeiten so geschätzt worden wie heute!
Was ich aber verwerflich finde ist die Bilderstürmerei. Denn die erkennt nicht, daß die Beurteilung, die zum Sturz vom Sockel führt auch nur eine Momentaufnahme ist. Diskutieren soll man — immer! Sich erinnern und auch neu bewerten: Auf jeden Fall! Aber diese Bilderstürmerei derzeit eliminiert das, was wir heute sichtbare Zeugnisse von falscher Wertschätzung sehen würden und stellt eine Form von Revisionismus dar. Als würde der Mord an Juden dadurch ungeschehen oder weniger grausam, wenn man Auschwitz dem Boden gleich machen würde. Das passiert nicht, aber der Stachel wird gezogen. Das gleiche gilt übrigens für die "Judensau" in Wittenberg und an vielen anderen Orten und unterscheidet sich nicht von dem barbarischen Verhalten der Taliban. 

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