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Zum 4.Juli

Im Umfeld des 4.Juli (des amerikanischen Nationalfeiertags) wird angesichts der "Black Lives Matter"-Bewegung darauf verwiesen, daß 1776 (dem Gründungsjahr der USA) Sklaverei noch legal gewesen sei. 

Damit soll wohl darauf angespielt werden, daß die Amis am 4.Juli einen Sklavenhalterstaat feiern würden. 1776 empfand man Schwarze tatsächlich als eine eigene Rasse und fragte sich sogar, ob eine Paarung möglich sei. Denn als Menschen sah man die in den USA oder England nicht an. Darum ist die Aussage im Bild auch befremdlich, weil sie so frei von Geschichtskenntnis ist. 

Legen wir moderne Standards an die Geschichte an wird es überall schwierig. Die USA freilich sind ein besonderer Fall, da ihre Geschichte im Ansatz bereits bigott und heuchlerisch ist. Weder Freiheit noch Gleichheit oder Brüderlichkeit waren der Grund für die Revolution, die zum amerikanischen Staat führte, sondern die wirtschaftlichen Interessen einiger Großbauern wegen der Steuerpolitik des Mutterlandes (Boston Tea Party). Beschränkte sich die Kolonialisierung Englands, entwickelte sich die Kolonialisierung dessen, was heute die USA ist nach der Unabhängigkeit zu einem Genozid, gegen den die Kolonialkriege der europäischen Mächte vergleichsweise harmlos wirken. Die Darstellung von friedlichen Siedlern, die das Land urbar machen ist schließlich die Sicht der Sieger. Die besiegten Ureinwohner dürften die Geschichte anders erzählen. Im Prinzip passierte in den USA das Gleiche wie in Afrika. Europäer kamen, versklavten in der ein oder anderen Form die Ureinwohner (machten sie sich wirtschaftlich nutzbar — manche auch sexuell) und beuteten Land und Ressourcen aus. Die USA waren dabei noch besonders skupellos und brutal, wie die Kriege gegen Mexiko, die Ureinwohner, Kanada und Frankreich belegen. Kurz: Die Amerikaner sind ein Schurkenstaat — keinen Deut besser als die anderen Staaten dieser Welt. Und daß sie die Konzentrationslager für Eingeborene Reservate nannten ist auch nur ein gradueller Unterschied.
Ich bin kein Feind der USA, doch die Beweihräucherung, vor allem der USA durch die eigenen Einwohner (Chauvinismus) ist fehl am Platz.
Ein bißchen Selbstreflexion würde den USA gut anstehen. Sie sind nicht die Guten, sie waren es nie. Was den Reiz der USA früher ausmachte war, daß zur Wachstumsstrategie der USA auch Einwanderung gehörte. Man brauchte die Kolonisten, um das gestohlene Land urbar zu machen und auszubeuten. Daneben brauchte man Wissenschaftler und Verwaltungsangestellte und andere Sesselpupser. Man nahm, was man kriegen konnte. Im Sezessionskrieg war die Befreiung der Sklaven auch nur Propaganda des Nordens. Ausbeutung von Menschen ist heute noch bestimmend für das System der USA. Der Erfolg des Landes ergibt sich daraus, daß eine minimale Chance besteht, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden. Diese Chance ist das Erfolgsgeheimnis des Kapitalismus a la americaine.
Zu Feiern haben die USA aber nichts — das Land ist auf Blut und Ausbeutung gegründet. Die Geschichte einer erfolgreichen europäischen Kolonialisierung. 

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