lautenist

Aufreger des Tages: Corona App, BILD jagt eine Sau durch's Dorf, Kühnast bei Lanz ...

Die Rettung ist da! Viel loben sich die Regierung und die Firmen, die sie entwickelt haben für die seit gestern verfügbare Corona-Warn-App. 23 Millionen soll sie gekostet haben.
Die Idee dieser App ist, daß Menschen, die positiv getestet sind über die App Smartphonebenutzer (erste Einschränkung), die auch die App benutzen (zweite Einschränkung) und ein neues Bluetooth installiert haben (dritte Einschränlung) benachrichtigen, so daß diese einen Test vornehmen lassen können. Die versprochene Anonymität wird in der App sichergestellt sein, ist aber durch die vorhandene Verbindung von App-ID zu Smartphone-ID (Telefonnummer, Mac-Adresse oder anderen eindeutigen Identifizierern des Handy-Nutzers) gegeben. Das sei nicht so, weil alle IDs an alle Smartphones verteilt würden und auf dem Handy ausgewertet. Da bin ich gespannt, was der Datentransfer sagt — einmal täglich komplett alle Daten zum Abgleich kann eine Menge Daten bedeuten. Das Robert-Koch-Institut, wo die Daten gehostet werden, muß die Nutzer der App aber doch identifizieren. Einfallstor ist Bluetooth — Ich selbst benutze mein Handy kaum mal. Was aber immer ausgeschaltet ist, ist bluetooth, weil es Akku frisst und das Handy wie ein Scheunentor öffnet. Und zwar identifizierbar. Man weiß, welches Gerät von wem man da benutzt.
All die Einwände sind technisch derzeit nicht zu umgehen und man bietet etwas an, was technisch auf dem aktuellen Stand ist. Technisch ist es einfach nicht möglich, eine App zu entwickeln, die auf einem Smartphone läuft und datensicher ist. 

Ob die App überhaupt funktioniert wissen wir nicht. Jede Anwendung hat Fehler und es ist naiv anzunehmen, die Anwendung würde fehlerfrei laufen.
Das Vorgehen, wobei eine TAN erfragt und eingetragen werden muß, ist ein Hemmschuh. Da kann man sicher noch etwas nachbessern. Man braucht nur eine gültige TAN, um falsch Infiziert zu melden.
Daneben haben wir 58 Millionen Handynutzer in Deutschland. Die App müßte von ca. 60% der Bevölkerung benutzt werden, um sinnvoll zu sein. Angesichts der Einschränkungen bedeutet das, fast jeder müßte das benutzen. Das halte ich sehr unwahrscheinlich.
Dabei sollte man immer den erwarteten Nutzen im Blick zu haben. Die app schützt niemanden. Sie hilft dabei, potentiell Infizierte zu ermitteln, falls ein Nutzer positiv ist und dadurch, daß man die dann isoliert, Infektionsketten zu unterbrechen. Für die, die in Kneipen wollen oder sich sonst erhöhtem Risiko aussetzen bedeutet sie natürlich auch keinen Schutz. Und ob dieses Klientel die App benutzen wird bleibt abzuwarten.

Da ich kaum das Handy nutze lade ich die App zunächst nicht.

Sie ist keine Katastrophe, doch alleine die Entwicklung durch Telekom und SAP hinterlassen ein unbestimmtes, mulmiges Gefühl.
Meine größte Sorge ist, daß, wie von Spahn schon angedacht, eine Weiterentwicklung stattfinden könnte, die eine Art Stempel "Corona-Frei" oder "Corona-Verdacht" zum Ergebnis hat — es wäre ja naheliegend: Lauter Menschen ohne den geringsten Verdacht könnten sich normal und ohne jede Einschränkung bewegen, während die Verdächtigen auf Distanz gehalten werden. Also eine Art digitaler Judenstern


Vermögenssteuer — fantasielose Politiker: SPD wollen vom Sozialneid profitieren und sie will mit CDU zurück zur Austeritätspolitik

Die SPD kapiert nicht, daß Sozialneid schüren zu wollen ihnen keine Stimmen bringen wird (Kevin Kühnast bei Markus Lanz)
Eine Vermögenssteuer ist per se ungerecht. Die steht im GG, damit man die Krupps und andere Bonzen am Wiederaufbau nach dem Krieg heranziehen konnte - war gut und richtig, damit es keine Kriegsgewinner gibt. Die gab es trotzdem, klar!
Heute verbietet sich eine Vermögenssteuer, weil sie Vermögen vernichtet und viele Menschen, die 40 oder mehr Jahre für ein Haus gespart und auf viel verzichtet haben, um im Alter abgesichert zu sein, ruinieren kann. Wo die Grenze gesetzt wird, wann man vermögend ist, ist schließlich beliebig — reine Willkür. Wenn Kühnast heute von Millionen spricht können es morgen 50000 sein oder irgend ein anderer willkürlich gewählter Betrag.
Steuern auf erwirtschaftetes Einkommen zu erhöhen - kann man machen. Wenn ein Manager 100000 Euro pro Monat bekommt ist das gesellschaftlich nicht wünschenswert, da die Verteilung des erwirtschaften Geldes nicht zum Nutzen der Gesellschaft geschieht. Ganz etwas anderes als Menschen, wieviel Geld auch immer sie haben, ihr Erspartes zu nehmen - eigentlich kann man stehlen sagen.
Die Schere bekämpft man, indem man nicht zuläßt, daß ein Pfleger sich für 2000 Euro seinen Arsch aufreißt, die Klinik GmbH aber Gewinne erwirtschaften muß und darum Prämien für Lebertransplantationen zahlt, die dem Arzt ein paar zehntausend in Form von Boni bringen. Oder allgemein gesprochen: die Bewertung von Arbeit erfolgt vollkommen falsch. Nämlich nicht nach gesellschaftlichem Nutzen sondern dem Nutzen, den ein Kapitaleigner dem Job zuweist. Auch - reine Willkür — doch der Zugriff auf Ersparnisse scheint das neue Ziel der Sozen zu sein. Und offenbart damit, daß die Hoffnungen, aus Corona hätte man was gelernt, hat sich verflüchtigt.



Ami go home — die Ankündigung Trumps, Deutschland abzustrafen, weil sie nicht so viel Geld für Militär ausgeben, wie die Amis gerne hätten, hat mich eher amüsiert. Ganz davon abgesehen, daß es rechter Chuzpe bedarf, sich als Präsi eines Landes anzumaßen, den Haushalt eines anderen bestimmen zu dürfen; die Amis schaden sich nur selbst, wenn sie hier abziehen. Daß Deutschland sich dadurch weniger an den illegalen Kriegen der USA beteiligt und mitschuldig am tausendfachen Morden macht, z.B. durch Bereitstellen der Infrastruktur für die Drohnenmorde, ist ein positiver Nebeneffekt.
Die Arbeitsplätze, die zunächst verloren gehen können sicher, genau wie die Infrastruktur, sinnvoll einer friedvollen Nutzung zugeführt werden bzw. sicher entstehen mehr Arbeitsplätze durch eine friedliche Nutzung der Infrastruktur als durch die Amis. 


Die BILD fährt mal wieder eine Kampagne, weil sie findet, Kindesmißbrauch solle strenger bestraft werden. Das Gerechtigkeitsempfinden, welches sich dort offenbart, ist bezeichnend — es geht um Rache. Und natürlich meint die BILD, sie könne die Schwere einer Tat besser beurteilen als die Gerichte.
Dabei wird über diesen Fall berichtet — davon abgesehen, daß der Täter unverpixelt gezeigt wird und damit gleichsam an den Pranger gestellt wird und es nur Hinweise darauf gibt, was der Täter getan hat ist die Aussage, schwerste sexuelle Gewalt sei nur mit 3 Jahren Haft bedroht, schlichtweg falsch . Tatsächlich würden bis zu 10 Jahre Haft drohen. Der Text in dem Schmierenblatt legt nahe, der Täter habe Fotos und/oder Filme gemacht. Das wird mit Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 5 Jahren bestraft. Wie die BILD auf maximal 3 Jahre kommt ist mir schleierhaft. 10 Minuten Internetrecherche ergeben ein anderes Bild.
Um den konkreten Fall soll es hier nur am Rand gehen — die Kampagne ist eine widerliche Aktion eines widerlichen Blattes. Kaum jemand wird für Gnade für einen Kinderficker plädieren. Eine sichere Bank für einen Skandal. Pädos rangieren auf der Wertschätzungsskala wahrscheinlich noch unterhalb von Kakerlaken. Daß die BILD diese Leute Kinderschänder nennt ist noch einmal pikant, denn die Kinder werden durch sie mißbraucht, nicht geschändet. Dieser Begriff und die damit einhergehende Vorstellung einer Entwertung — ein Mädchen, das die Jungfernschaft verliert, lebt in Schande — ist bestenfalls antiquiert, weist dem Opfer aber in jedem Fall einen Makel zu, der nun an ihm haftet; Stigmatisierung des Opfers. Genauso wird der Täter durch die identifizierende Veröffentlichung (Berichterstattung möchte ich das nicht nennen) stigmatisiert. Als nun öffentlich bekannter Kinderficker dürfte ihm nicht mehr viel Freude im Leben vergönnt sein. Was der Täter getan hat wissen wir nicht: "Vor laufender Kamera schwere und schwerste sexuelle Gewalt" kann viel bedeuten: Sexuelle Gewalt ist jede Form der körperlichen Beeinträchtigung einer anderen Person in sexueller Hinsicht und/oder ihrer Androhung.  Was aber ist nun eine sexuelle Handlung?  In § 184g Nr. 1 StGB wird eine sexuelle Handlung beschrieben als "eine Handlung, die im Hinblick auf das geschützte Rechtsgut von einiger Erheblichkeit ist".  Um zu verdeutlichen, was damit gemeint sein kann: Eine sexuelle Handlung an einem/einer anderen ist zunächst immer das Berühren der Geschlechtsteile und/oder der unmittelbaren Umgebung. Hierfür ist es unerheblich, ob dies schnell oder langsam und hartnäckig geschieht. Ebenso unerheblich ist, ob die Berührung ober- oder unterhalb der Kleidung stattfindet. Egal ist weiterhin, welches Körperteil der Berührende einsetzt (Hand, Fuß, Knie) oder ob die Berührung sogar mit einem Gegenstand erfolgt (Stock, Handschuh). Ebenso unerheblich ist - was vielen nicht bekannt ist -, ob die betroffene Person den Vorgang wahrnimmt oder nicht (etwa wegen Schlaf, Bewusstlosigkeit oder da es sich um ein Kleinkind handelt). 

Allgemein verboten ist:

  • die Berührung des bedeckten Geschlechtsteils (z.B. über die Hose an die Scheide),
  • jegliche Berührung nackter Geschlechtsteile
  • der Griff unter die Kleidung an die Brüste bei Mädchen, auch ohne Brustansatz
  • das Spielen an den Brustwarzen
  • nachgeahmte Penetrationsbewegungen bei anderen mit Gegenständen
  • das Fotografieren eines Kindes mit gespreizten Beinen ohne Unterhose

Das soll nun nicht als Aufruf zum Verständnis  für Täter mißverstanden werden. Aber wenn man weiß, worum es geht, kann man die Hetze der BILD besser einordnen.
Wir wissen ja immer noch nicht (also ich jedenfalls weiß das nicht), was Holger P genau getan hat. Die Möglichkeiten gehen von Berührung bis zu Unvorstellbarem. Falls die BILD nicht gelogen hat, hat der Täter gefilmt. Wo in dem weiten Feld an möglichen Tathergängen er sich befunden hat wissen wir allerdings nicht und können darum nicht einmal sagen, ob das Urteil mild oder streng ist. Wir wissen nur, die BILD findet es einen Skandal und will, daß wir uns mächtig empören. Wenn man in sozialen Medien unterwegs ist stellt man fest — erfolgreich. Holger P jedenfalls dürfte als Mensch durch die BILD gründlich zerstört worden sein. Das mag angemessen sein oder nicht. Richten sollten eigentlich jedoch die Gerichte, nicht die BILD.
Der BILD geht es nicht um Gerechtigkeit. Der BILD geht es darum, eine Sau durch's Dorf zu jagen

Error

default userpic

Your reply will be screened

Your IP address will be recorded 

When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.