February 1st, 2020

Fotographie

gesehen: Cardinal, Staffel 3

Eine hierzulande kaum bekannte Serie ist die kanadische Krimiserie Cardinal, die sich sehr wohltuend von amerikanischen und auch den meisten europäischen Serien abhebt. Generell kommt es mir vor, als sei Kanada ein interessantes Land auch in Bezug auf das kulturelle Leben, weil man dort Vorzüge der US-Amerikanischen mit Europäischen kulturellen Landschaft zu verbinden versteht - böse gesagt (aber auch von vielen US-Amerikanern so empfunden) das bessere Amerika.
Neben der Krimihandlung, die man so oder so ähnlich auch in US-Serien finden könnte, wird der große Vorzug einer Serie, sich mehr Zeit lassen zu können, um Charaktere zu entwickeln und auch Seitenhandlungen einen angemessenen Raum zu lassen, voll ausgeschöpft. Sehr gelungen ist, daß das geschickt in die Handlung integriert wird, so daß das Gefühl von Tiefe nicht mit dem Gefühl einer trögen Handlung verbunden wird. Der in der 3.Staffel trübsinnige Cardinal (verständlich - immerhin starb am Ende der 2.Staffel seine Frau) wird durch seine Partnerin Lise Delome geführt und immer wieder aus dem Sumpf geführt - wir als Zuschauer gleich mit. Wir werden auch sehr lange im Dunkeln gelassen, ob seine Frau nun ermordet wurde oder Selbstmord begangen hatte. Diese Nebenhandlung ist ähnlich spannend wie der eigentliche Kriminalfall, an dem die beiden arbeiten. Eigentlich handelzt es sich um 2 Fälle, die miteinander verbunden sind.



Ein Wort muß zur Optik der Serie verloren werden. Ich finde die Natürlichkeit der Schauspieler wunderbar! Nicht lauter schöne Menschen, wie man sie aus Hollywood kennt. Damit meine ich die tendenziell entweder magersüchtigen Mädels und generell irgendeiner ungeschriebenen Norm zu folgen scheinenden Darsteller. In Cardinal findet man überwiegend Darsteller, die aussehen, als könne man sie genauso beim Gang um die Ecke auf der Straße treffen. Die Charakterzeichnung erlaubt auch die kleinen Fehler, die jeder von uns hat oder macht. Da kreischt Lise auch mal hysterisch "Polizei" und von Überlegenheit, Routine oder auch nur Professionalität ist nichts zu spüren. Cardinals Unsicherheit ist glaubwürdig dargestellt - Ihr merkt: Ich bin begeistert von den Leistungen der Darsteller. Als i-Tüpfelchen ist mir noch die Fotographie aufgefallen. Die Landschaft Kanadas spielt eine wichtige Rolle und liefert einen schönen Kontrast zur Geschichte bzw. unterstützt sie subtil.
Zusammengefaßt: Ein Krimi nicht nur für Krimifans