August 30th, 2019

Thomas

Übeplan Laute (1)

Wie schon erwähnt hört man in der Regel ja nur die Ergebnisse beim Musizieren. Dummerweise kommt das aber nicht, wie viele denken, irgendwann einmal automatisch ("Was? Du mußt noch üben!" in entsetzten Tonfall), sondern wer sich dafür entscheidet, Musik etwas ernsthafter zu betreiben kommt um's Üben nicht herum. Egal welches Instrument: Dabei gelten ein paar Regeln universell.


  • Zuerst wird aufgewärmt-  wie beim Sport ist ansonsten das Verletzungsrisiko nicht unerheblich. So eine Sehnenscheidenentzündung ist eklig und langwierig. Also lieber aufwärmen, oder?

  • Technische Übungen - dabei gilt es zu trennen: bei Laute, Gitarre, Geige etc. Linke und Rechte Hand und Art der Übung (Tonleiter, Arpeggien)

  • Musikalische Übungen - Tonbildung, denn der Ton macht die Musik

  • Etüden - die dienen dazu, bestimmte musikalische Sachverhalte im Kontext zu üben

  • dann erst geht es an Stücke

  • Absacker, um die Anspannung zu lösen

  • Pausen - gehören zum Üben


Unkonzentriert geübt bedeutet Fehler einzustudieren. Darum sollte man die Übungseinheiten zeitlich begrenzen.  Im Allgemeinen sollte eine Übungseinheit zwischen 20 und 30 Minuten dauern. Das ist individuell unterschiedlich - mechanisches Üben, also Tonleitern oder Arpeggien kann man auch üben, wenn man nicht voll dabei ist. Aber auch das sollte man vermeiden, weil die Mechanik vielleicht gewinnt, aber beispielsweise Tonqualität leiden wird.

Wie sieht das nun im Detail aus?

Meine Aufwärmerei besteht schon aus mehreren Teilen: Übungen für den Daumen, Übungen für die Finger und Arpeggio

Zuerst werden die Baßtöne mit dem Daumen in einer Tonleiter gespielt, wobei ich auch dämpfe. Jeder Ton wird lange gespielt und ich höre ihm nach. Tonqualität zählt neben der Orientierung auf dem Instrument dabei besonders.

Dann folgen 2 (Tonleiter-) Übungen, die ich der Giesbert-Schule entnommen habe


und die reinen Tonleitern

Das alles wird nicht zum Exzeß hin geübt, sondern soll das Gefühl für Ton und Instrument erzeugen, der im Alltag meistens von anderen Eindrücken überdeckt wird. Außerdem entspannt es wunderbar.

Arpeggien übe ich als Kadenz - einfach Akkorde schrummeln oder hier Beispiele aus der Giesbert-Schule. Witzig und musikalisch sehr hilfreich ist, jeweils einem anderen Finger die Betonung zu überlassen.

und/oder


Dann kommen wir schon zu den Etüden
Ich beginne dabei mit einer anonymen Folie d'Espagne, die bereits einige technische Elemente beinhaltet, aber noch alles andere als schwierig ist
Übung aus Giesbert 4.JPG
Hier sind bereits Zerlegungen, unterschiedliche Verzierungen und Tonleitern enthalten, die anhand dieser Folie geübt werden können

Deutlich schwerer ist dann die zweite Folie d'Espagne, diesmal von Gallot


Als Eindruck, was dabei herauskommen könnte hier ein Video von Hoppy mit diesem Stück:



Das ist natürlich ein Endtempo und weit von dem entfernt, wie ich es als Etüde spiele.


Alternativ habe ich noch eine Suite im Etüdensektor, die ich aber erst anfange zu übertragen (die Tabulatur im Faksimile ist etwas blöd zu lesen). Harmonie des anges a 3 lettres ist eine Suite, die wie geschaffen dazu ist, die linke Hand zu trainieren. Schaut Euch die Allemande an! Harmonie des anges heißt Harmonie der Engel, der Verweis a 3 lettres bedeutet, daß das Stück mit 3 Tabulaturbuchstaben auskommt (a, f und h, also leere Saiten, der 5. und 7.Bund)


Da das etwas umfangreicher wird als ich dachte, höre ich hier nun auf und mache einen Mehrteiler daraus. Im nächsten Teil beschreibe ich die einzelnen Etüden etwas genauer und worauf ich je besonders achte.

Sollte jemand Interessa an meinen Abschriften haben - hier in LJ gehen nur Bilder und da habe ich einen Screenshot der Druckansicht meiner Fronimo-Files gemacht. Die sind natürlich schlechter lesbar als die originalen Dateien oder Drucke - einfach melden