July 31st, 2019

Thomas

gelesen: Deckname Flamingo von Kate Atkinson

Kate Atkinson ist eine Autorin, die nicht auf ein Genre festzulegen ist. "Deckname Flamingo" ist nun ein Ausflug in das Genre des Spionageromans, der lose an historische Ereignisse angelehnt Genre bzw. den Sinn und Zweck der Geheimdienste selbst ad absurdum führt. Mit viel Wortwitz wird deutlich mehr als eine Geschichte rund um Spionage, Gegenspionage und Gegen-Gegen-Spionage und ... ach! es reicht! ... erzählt. Die menschliche Ebene kommt nicht zu kurz und auch der politische Irrsinn hinter den ganzen Organisationen mit 3 Buchstaben bzw. 2 Buchstaben und einer Zahl (MI5) wird deutlich.
Natürlich ist es ein intelligentes Buch, und beim Lesen lernte ich, warum Kate Atkinson als eine der derzeit besten britischen Autorinnen gilt. Diejenigen, die leichte und spannende Unterhaltung erwarten werden sicher enttäuscht sein von diesem Buch. Mich hat lediglich die Übersetzung hier und da enttäuscht, die viel zu oft einen Genitiv nicht korrekt oder markante englische Wortwitze etwas ungelenk ins Deutsche übertragen hat. Ansonsten war es eine ausgesprochen erfreuliche Entdeckung: Das Buch ist eine auf vielen Ebenen ansprechende Lektüre und die Autorin ist eine intelligente Erzählerin von wunderbaren Geschichten.


Leseempfehlung!

"Die Unvollendete" und "Glorreiche Zeiten" von der gleichen Autorin sind bereits als Nachschub geordert.
Vielleicht ist Atkinson nicht ganz so sprachgewaltig und in ihrer Sprache etwas weitschweifiger als Ottessa Moshfegh, meine andere Entdeckung diesen Jahres. Doch Vergleiche auf diesem Niveau verbieten sich. Beide schreiben englisch, beide schreiben auf sehr hohem Niveau, beide bringen es fertig, Genres aufzulösen oder mit Leben zu füllen, wo man üblicherweise im Cliché versinkt. Da hören die Gemeinsamkeiten dann wohl auf.

Thomas

Polit-Rant des Tages ...

Man sollte die Bundesregierung und einige Hetzer der Presse vielleicht daran erinnern, daß wir uns in Deutschland widerwillig darauf geeinigt haben, zur Verteidigung Streitkräfte zu haben.
Das Vorbereiten von Angriffskriegen ist verboten. Der Versuch ist strafbar.
Also vergesst das kriegsgeile Schreien danach, endlich auch einmal so richtig Krieg zu führen. Niemand greift uns oder Verbündete an (eher ist es umgekehrt) und die Aufgabe wäre wohl eher, die Schwachmaten, die aus innenpolitischen Gründen einen Krieg provozieren wollen zu bremsen. Klar wollen die Amis ihr gefracktes Öl gerne teurer verkaufen und Boris will davon ablenken, was für ein mieser Premier er ist. Aber ist das Menschenleben wert?

Übrigens hat die GroKo den Straftatbestand klammheimlich aus dem Strafgesetzbuch entfernt (§80 StGB: "Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.")
Das bleibt durch §13 des Völkerstrafgesetzbuches verboten, dieser ist aber inhaltlich weniger stark.
Natürlich ist niemand für die völkerrechtswidrigen Angriffskriege in den Bau gewandert und das Urteil des Verfassungsgerichts 1994 hat Auslandseinsätze der Bundeswehr unter Parlamentsvorbehalt, und, NATO-Einsätze sowie nach Genehmigung durch die UNO genehmigt. Ich finde das heikel, weil die NATO inzwischen kein Verteidigungsbündnis mehr ist und sich an Angriffskriegen beteiligt hat (es sei denn, man nimmt die lächerliche Ausrufung des Verteidigungsfalls 2001 noch ernst - dann befindet sich Deutschland formell im Kriegszustand und es gelten Notstandsgesetze). Auf jeden Fall sollte §13 des Völkerstrafgesetzbuches gelten, selbst wenn das deutsche Recht dort inzwischen sträflich aufgeweicht wurde.
Ich frage mich, warum da niemand klagt. Ich fände es schon hilfreich, wenn alleine mal festgestellt würde, das Völkerrecht verletzt wird. Das könnte unsere Regierung in Erklärungsnot bringen.